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5. Mai 2006, 20:23 Uhr

CIA-Direktor schmeißt das Handtuch

Der Direktor des US-Geheimdienstes CIA, Porter Goss, ist nach nur kurzer Amtszeit völlig überraschend zurückgetreten. Gründe dafür nannte George W. Bush nicht, Goss war jedoch zuletzt stark in die Kritik geraten.

Porter Goss (links) mit Präsident George W. Bush bei der Bekanntgabe seines Rücktritts© Jason Reed/Reuters

Der Direktor des US-Geheimdienstes CIA, Porter Goss, ist nach nur 18 Monaten im Amt zurückgetreten. US-Präsident George W. Bush gab die Nachricht, die im politischen Washington wie eine Bombe einschlug, am Freitag selbst bekannt. Goss hatte den Posten von George Tenet übernommen, der nach heftiger Kritik an den Fehlern und Versäumnissen im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September und im Vorfeld des Irak-Krieges aufgegeben hatte.

Über die Gründe für den Rücktritt von Goss wurde zunächst nichts bekannt. Allerdings war er in den Monaten seit seiner Amtsübernahme wegen seines persönlichen Führungsstils intern kritisiert worden. Außerdem geriet der Geheimdienst wegen "undichter Stellen" in die Schlagzeilen. Frühere hohe Geheimdienstbeamten äußerten unterdessen die Vermutung, Goss sei aus Enttäuschung darüber zurückgetreten, dass er bei der Neuordnung der Geheimdienste im April vergangenen Jahres von Bush nicht berücksichtigt worden war. Bush hatte seinerzeit John Negroponte zum nationalen Geheimdienstdirektor und damit zum Chefkoordinator für alle 16 US-Geheimdienste gemacht, was die Position von Goss als CIA-Chef schwächte.

Goss bei seiner Vereidigung im September 2004© AP

Rücktritt kam überraschend

Bush würdigte am Freitag die Verdienste von Goss, der wichtige Reformen eingeleitet habe. Der Präsident wies insbesondere auf ein von Goss eingeleitetes Fünf-Jahre-Programm zur Aufstockung der Zahl von Agenten "vor Ort" und von Analytikern hervor. Goss habe dazu beigetragen, das Land sicherer zu machen, erklärte der Präsident. Goss seinerseits sagte, der Zustand des Geheimdienstes habe sich "außerordentlich verbessert".

Wie überraschend der Schritt kam, spiegelt sich darin wider, dass Goss ursprünglich noch am Freitagnachmittag zu Beratungen im Pentagon erwartet worden war. Dort hieß es, es habe keinerlei Hinweise auf einen Rücktritt gegeben.

Bush muss nun nach einem geeigneten Nachfolger suchen - eine Aufgabe, die von Experten als sehr schwierig eingestuft wird. Die Umbesetzung an der CIA-Spitze ist der jüngste Wechsel in Bushs engem Mitarbeiterzirkel. So war kürzlich erst Andrew Card als Stabschef im Weißen Haus zurückgetreten und durch Joshua Bolten, den ehemaligen Budgetdirektor, ersetzt worden.

Goss war in der Kritik

Auch der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, gab sein Amt auf. Er hielt am Freitag seine letzte Pressekonferenz im Amt. Sein Nachfolger ist der ehemalige Kommentator des Senders Fox News, Tony Snow. Bushs bisheriger engster Vertrauter, der stellvertretende Stabschef Karl Rove, verlor einen Teil seiner Aufgaben bei der politischen Strategie-Planung. Spekulationen über einen baldigen Rücktritt von Finanzminister John Snow halten an.

Goss war 16 Jahre lang Kongressabgeordneter und fast acht Jahre lang Leiter des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses, bevor Bush ihn an die Spitze der CIA rief. Schon kurz danach geriet er intern ins Kreuzfeuer der Kritik: Er brachte viele Mitarbeiter aus seinem früheren Kongressstab mit, und zahlreiche höhere CIA-Beamten fühlten sich von ihm übergangen oder auch schlecht behandelt. Mehre erfahrene langjährige CIA-Mitarbeiter warfen das Handtuch.

DPA
 
 
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