Geachtete Expertin an der IWF-Spitze

25. Mai 2013, 15:39 Uhr

Die Französin Lagarde führt den Internationalen Währungsfonds seit 2011. Sie gilt als Idealbesetzung für den Spitzenposten. Ermittlungen zu einer alten Finanzaffäre konnten ihr bislang nichts anhaben.

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Die IWF-Chefin Christine Lagarde ist für ihre zurückhaltende Art bekannt. Luxus und Glamour sind ihr fremd.©

Charmant und intelligent, selbstbewusst, elegant und diszipliniert: Die frühere französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde gilt als die Idealbesetzung für die Nachfolge des über eine Sex-Affäre gestürzten Währungsfonds-Chefs Dominique Strauss-Kahn. Die heute 57 Jahre alte Juristin arbeitete lange in den USA und erwarb sich während der Finanzmarkt- und Euro-Turbulenzen einen Ruf als umsichtige Krisenmanagerin. Qualitäten, die auch auf dem Chefsessel des mächtigen Internationalen Währungsfonds (IWF) unabdingbar sind.

In Frankreich gilt Lagarde als politische Ausnahmeerscheinung. Sie schaffte den Aufstieg in die politische Elite ohne lange Behörden- oder Parteilaufbahn. Und sie wird selbst von der sozialistischen Regierung um Präsident François Hollande geachtet. Die Luxuswelt des Glamours und Glitters ist der gut 1,80 Meter großen weißhaarigen Powerfrau fremd. Meist zurückhaltend erledigt sie ihren Job.

Sie nennt sich selbst "Arbeitstier"

Kontrolliert, manchmal unerbitterlich, aber dennoch humorvoll - das sind Eigenschaften, die Lagarde zugeschrieben werden. Sie selbst hat sich einmal "Arbeitstier" genannt. Kollegen sind beeindruckt von ihrer Aktenkenntnis und ihrem prall gefüllten Adressbuch. "Sie liebt es, persönliche Beziehungen zu knüpfen, um ergebnisorientiert zu arbeiten", zitierte "Le Monde" einmal einen ehemaligen Mitarbeiter. Effekthascherei sei nicht ihre Sache.

Diese Charakterzüge kamen Lagarde auch in ihrer ersten beruflichen Laufbahn zugute. Nach einem USA-Aufenthalt in der Jugend perfekt zweisprachig, machte sie nach ihrer Juristenausbildung schnell international Karriere. Bevor sie 2005 in die Politik ging, leitete sie mit Baker & McKenzie eine der größten Kanzleien der Welt mit rund 4000 Anwälten. Für den Job pendelte Lagarde zwischen Büros in Hongkong, Chicago und Paris. Ihre zwei Kinder sah sie oft nur am Wochenende. Die Ehe wurde geschieden.

Die französischen Ministerien für Wirtschaft und Finanzen leitete Lagarde rund vier Jahre. In diese Zeit fielen die globale Finanzkrise, die milliardenteure Euro-Rettungsaktion, aber eben auch die gigantische Entschädigungszahlung aus der Staatskasse an den schillernden Geschäftsmann Bernard Tapie. Sie könnte einen Fleck auf Lagardes bislang blütenweißer Weste hinterlassen.

Ansgar Haase, DPA
 
 
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