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In Übersee wird schon gewählt

Nach erbittertem Wahlkampf erwartet Frankreich die erste Runde der Präsidentschaftswahl mit Hochspannung. Am Sonntagmorgen öffnen dort die Wahllokale, auf Guadeloupe und Martinique geht es bereits am Samstag an die Urne.

  Auch in Hannover wird gewählt: Eine von drei Kabinen, die zur Präsidentschaftswahl in Frankreich im Forum der Norddeutschen Landesbank in Hannover aufgestellt wurden

Auch in Hannover wird gewählt: Eine von drei Kabinen, die zur Präsidentschaftswahl in Frankreich im Forum der Norddeutschen Landesbank in Hannover aufgestellt wurden

Rund 43,6 Millionen Franzosen sind an diesem Sonntag aufgerufen, ihre Stimme für einen der zehn Kandidaten abzugeben. Knapp 900.000 Wahlberechtigte in Überseegebieten durften bereits am Samstag zu den Urnen gehen.

Als großer Favorit für den Wahlsieg gilt der Sozialist François Hollande (57). Er liegt seit Monaten in allen Umfragen klar vor dem um eine zweite Amtszeit kämpfenden Präsidenten Nicolas Sarkozy. Dieser muss auf einen Stimmungsumschwung in den kommenden zwei Wochen hoffen. Die endgültige Entscheidung über den neuen Staatschef wird voraussichtlich erst am 6. Mai in einer Stichwahl fallen, da der Wahlsieger die absolute Mehrheit der Stimmen benötigt.

Viele Franzosen bis zuletzt unentschlossen

Die meisten Wahllokale sollten an diesem Sonntagmorgen um 8.00 Uhr öffnen. Am Samstag wurde nur in denjenigen Überseegebieten bereits gewählt, die wie die Karibikinseln Guadeloupe und Martinique weit westlich des französischen Kernlands liegen. Hintergrund der Regelung ist die große Zeitdifferenz. Ohne die vorgezogenen Öffnungszeiten der Wahllokale würde mancherorts noch gewählt, während in Paris schon längst die Ergebnisse vorliegen. Die ersten offiziellen Hochrechnungen werden am Sonntagabend nach Schließung der letzten Wahllokale um 20.00 Uhr veröffentlicht.

In den jüngsten Umfragen zur ersten Abstimmungsrunde kam Hollande im Schnitt auf 28 Prozent. Sarkozy lag mit rund 26 Prozent auf Platz zwei vor der Rechtsextremen Marine Le Pen (16 Prozent) und dem Linkskandidaten Jean-Luc Mélenchon (14 Prozent). Für die zweite Wahlrunde liegt Hollande in den Umfragen im Schnitt bei 55,7 Prozent, Sarkozy bei 44,3 Prozent. Meinungsforscher weisen allerdings darauf hin, dass viele Franzosen bis zuletzt unentschlossen waren. Entscheidend wird sein, ob die Anhänger der unterlegenen Kandidaten im zweiten Wahlgang zur Wahl gehen und für wen sie sich dann entscheiden.

Erbitterte Fernduelle zwischen Hollande und Sarkozy

Sollte Sarkozy in der ersten Wahlrunde hinter Hollande landen, wäre dies das schlechteste Ergebnis eines Präsidenten der fünften Republik. Bislang profitierten alle seine Vorgänger zumindest in der ersten Abstimmungsrunde von einem Amtsbonus und entschieden sie für sich. Für die Sozialisten gilt ein Sieg in der ersten Runde als Vorentscheidung. Sie hoffen darauf, erstmals seit 1995 wieder an die Macht zu kommen. Damals war François Mitterrand aus dem Amt geschieden, Sarkozys Parteifreund Jacques Chirac gewann die Wahl.

Im Wahlkampf lieferten sich Hollande und Sarkozy erbitterte Fernduelle. Der Sozialist will unter anderem die von Sarkozy abgeschaffte "Rente mit 60" wieder einführen und den EU-Fiskalpakt neu verhandeln. Die Finanzmärkte hat er zu seinem Gegner erklärt. Sarkozy wirft Hollande verantwortungslose Versprechen vor und versucht sich als mutiger Reformer zu profilieren. Der rechten Wählerschaft verspricht er einen harten Kurs gegen illegale Einwanderung und radikale Islamisten.

ins/DPA/DPA
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