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"Mama Ellen" tritt gegen 15 weitere Kandidaten an

Am Dienstag wird in Liberia gewählt. Die Präsidentschaftswahl gilt als eine Bewährungsprobe für das vom Bürgerkrieg gezeichnete Land. Auch Friedensnobelpreisträgerin Johnson-Sirleaf stellt sich zur Wahl und erntet dafür nicht nur Zustimmung.

Zurücklehnen kann sich die frisch gebackene Friedensnobelpreisträgerin und liberianische Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf nicht. Am Dienstag sind in dem westafrikanischen Staat Präsidentschaftswahlen - und gegen Johnson-Sirleaf treten 15 Gegenkandidaten an. Es sind die zweiten demokratischen Wahlen seit Ende des Bürgerkriegs 2003 - ein Test.

Gute Chancen auf das Präsidentenamt hat weiterhin Johnson-Sirleaf. Ihr stärkster Widersacher ist Winston Tubman vom Kongress für Demokratischen Wandel (CDC). Tubman hat an der renommierten Harvard-Universität in den USA studiert und ist der Neffe von Ex-Präsident William Tubman. Sein Vizekandidat ist der frühere Fußballstar vom AC Mailand, George Weah, der gegen Johnson-Sirleaf schon einmal bei den Stichwahlen 2005 verlor.

Mit Prince Johnson geht auch ein ehemaliger Rebellenführer ins Rennen. Johnson ist für die Hinrichtung des damaligen Präsidenten Samuel Doe 1990 verantwortlich. Es treten auch drei Frauen gegen die amtierende Präsidentin an.

International gefeiert, im eigenen Land umstritten

"Mama Ellen", wie Johnson-Sirleaf von vielen Liberianern genannt wird, strebt nun doch eine zweite Amtszeit an. Sie will sich weiterhin für mehr Stabilität in dem Land einsetzen. Bis zum Jahr 2003 herrschte in Liberia 14 Jahre Bürgerkrieg. Mehr als 200.000 Menschen wurden getötet, mehr als eine Million vertrieben. Die Infrastruktur wurde zerstört, die Auswirkungen zeigen sich noch bis heute. Der damalige Präsident Charles Taylor floh ins Exil und steht nun in Den Haag vor dem Sondergericht für Sierra Leone, wo er sich wegen Kriegsverbrechen verantworten muss.

Unumstritten ist Johnson-Sirleaf in Liberia aber nicht. In den 1980er Jahren unterstützte sie Taylor finanziell. Sie rechtfertigte dies damit, dass jener damals viele Unterstützer gehabt habe. Nach dessen Rücktritt 2003 machte sie sich dann für seine Auslieferung aus Nigeria stark. 2006 beerbte sie ihn im Amt.

Johnson-Sirleaf wird von der internationalen Gemeinschaft zwar bewundert, aber zu Hause hat sie viele Kritiker. Manche Liberianer nehmen ihr übel, dass sie wieder kandidiert, nachdem sie zuvor angekündigt hatte nur eine Legislaturperiode im Amt zu bleiben. Andere werfen ihrer Regierung mangelnde Transparenz vor.

Liberia besteht Bewährungstest

Doch ihre Partei, die Einheitspartei, hält zu ihr. Liberia hat sich von einem Bürgerkriegsland zu einem sich entwickelnden Land gewandelt. Unter der Führung von Johnson-Sirleaf ist die Wirtschaft um 6,5 Prozent gewachsen. Außerdem wurden freie Grundschulbildung eingeführt, Kliniken gebaut und Ärztegehälter verdoppelt.

Den demokratischen Bewährungstest könnte Liberia bestehen. Die US-Organisation Carter Center hat mehr als 40 Wahlbeobachter ins Land geschickt und beschreibt die Wahlkampagnen als "dynamisch" und "allgemein friedlich". In einem Bericht zu den Wahlen schrieb die Organisation im Vorfeld: "Politische Parteien und unabhängige Kandidaten konnten sich frei bewegen und ihre Botschaften an die Wähler übermitteln."

Von Kate Thomas/DPA/DPA

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