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So rechtfertigen Saudi-Arabiens Medien die Massenexekution

Mit der Hinrichtung von 47 angeblichen Terroristen hat Saudi-Arabien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Exekutionen werden als blutige Provokation angeprangert. Die Medien des Königreiches sehen das ganz anders.

  Ein Mann in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad liest einen Zeitungsartikel mit Fahndungsfotos von mutmaßlichen Militanten (Archivbild)

Ein Mann in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad liest einen Zeitungsartikel mit Fahndungsfotos von mutmaßlichen Militanten (Archivbild)

Die Hinrichtung von 47 Menschen, einschließlich des schiitischen Geistlichen Scheich Nimr Baker al-Nimr, durch Saudi-Arabien, wird von der internationalen Presse scharf kritisiert. Von "Religionskrieg", "blutigen Provokationen" und "Gerechtigkeit auf dem Niveau des Hochmittelalters" ist die Rede. Das Regime in Riad gieße "einen ganzen Eimer Öl ins Feuer", schreibt die niederländische Zeitung "de Volkskrant".

Ein ganz anderes Bild zeichnen die staatlich kontrollierten saudi-arabischen Zeitungen von der Massenexekution: Alle 47 am Samstag Hingerichteten hätten einen gründlichen juristischen Prozess hinter sich, der ihnen ein faires Gerichtsverfahren garantiert und sichergestellt habe, dass der Gerechtigkeit genüge getan werde, ungeachtet der ethnischen oder politischen Zugehörigkeit der Angeklagten, zitiert die Zeitung "Arab News" den saudischen Justizminister Walid Al-Samaani. Einige der Prozesse hätten mehr als 10 Jahre gedauert und dabei sämtliche Phasen und Ebenen der Rechtsprechung durchlaufen, schreibt das Blatt, dessen Berichterstattung wie die aller saudischen Medien vom Kulturministerium überwacht wird.

"Al-Nimr hat die saudischen Behören kritisiert"

In einem Artikel mit der Überschrift "Der Iran enthüllt sein wahres Gesicht" wirft die Zeitung der Regierung in Teheran vor, mit ihrer Kritik an den Hinrichtungen terroristische Aktionen zu verteidigen. In einem weiteren Text listet "Arab News" die Verbrechen auf, die zur Exekution von Scheich Nimr Baker al-Nimr geführt hätten: So habe al-Nimr die saudischen Behörden kritisiert, zu einem öffentlichen Aufstand gegen den Staat aufgerufen und mit "zahllosen feindlichen und hitzigen Reden" zum Tod und zu Verwundungen von mehreren Polizeibeamten beigetragen. Außerdem seien seine Reden eine treibende Kraft hinter den gewalttätigen Protesten 2011 in Qatif gewesen, die vor allem dem Iran gedient hätten.

Al-Nimr war ein entschiedener Gegner des erzkonservativen sunnitischen Königshauses in Riad. Die schärfste Kritik an der Hinrichtung des 56-Jährigen kommt aus Teheran, wo Demonstranten am Samstagabend die saudische Botschaft angriffen. Die Regierung in Riad brach daraufhin die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab.

"Eiserne Faust gegen den Terror"

Auch die englischsprachige "Saudi Gazette" widmet sich ausführlich dem Wirbel um die Massenexekution. Saudi-Arabien habe in Ausübung seiner vollen, durch internationales Recht respektierten Souveränität und in Durchsetzung seiner nationalen Gesetze Urteile gegen 47 Terroristen vollstreckt, schreibt das Blatt unter der Überschrift: "Eiserne Faust gegen Terror". In dem Text berichtet der Autor über Details der Hinrichtungen und veröffentlicht die Namen und Fotos sämtlicher Exekutierter.

Die Webseite von Asharq al-Awsat macht mit einem Artikel auf, in dem Saudi Arabien als Kämpfer gegen den Terror gepriesen wird. Unter der Überschrift "Weder Sunnit noch Schiit, Terrorismus ist ihre Sekte!" bezeichnet die Tageszeitung, die einem Angehörigen der saudischen Königsfamilie gehört, die Exekutionen als nach innen und nach außen gerichtete Nachricht aus Riad. "Die Botschaft Saudi-Arabiens ist jetzt klar", heißt es. Das Königreich habe im Kampf der Welt gegen den Terror seine Stimme erhoben.

mad
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