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22. September 2009, 14:16 Uhr

Soll die Bundeswehr in Afghanistan bleiben?

Pro und Contra

Es ist einer der wichtigsten Wahlkampfthemen: der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Sollten Deutsche im Land am Hindukusch Krieg führen? Niels Kruse findet ja, sollten sie. Manuela Pfohl hält dagegen.

Der Westen schuldet Afghanistan etwas

"Die Mission in Afghanistan ist ausgelaugt und der Versuch gescheitert, Demokratie dorthin zu bringen." Worte, wie sie oft zu hören sind in den letzten Monaten. Diese stammen aus dem Mund des italienischen Rechtsaußen Umberto Bossi. Der Chef der Lega Nord und Reformminister unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi fordert, ganz Populist, den sofortigen Abzug italienischer Truppen aus Afghanistan - das Land hat bei einem schweren Anschlag jüngst sechs Soldaten verloren.

Die Afghanen haben in ihrer jüngeren Geschichte noch jeden Eindringling aus dem Land geworfen. Etwa die englische Kolonialmacht Anfang und die Sowjetunion Ende des 20. Jahrhunderts. Angesichts immer schwerer werdender Verluste, des Vorrückens der schon geschlagen geglaubten Taliban, äußerst zweifelhafter Luftangriffe und des mehr als schleppend verlaufenden Wiederaufbaus des Landes, zweifeln nun auch die Bevölkerungen in den kriegführenden Staaten am Sinn des Feldzugs.

Und es ist ja auch richtig - nach acht Jahren fällt die Bilanz äußerst mager aus: Korruption durchzieht das Land wie eh und je. Die radikalen Islamisten bedrohen Afghanen wie Alliierte, kriminelle Machenschaften ziehen sich bis hinauf in die oberen Regierungsämter. Und die Demokratie funktioniert, zumindest nach westlichem Verständnis, mehr schlecht als recht. Doch rechtfertigen diese Umstände einen schnellen Rückzug vom Hindukusch? - frei nach dem Motto: Wir haben es probiert, aber es hat nicht funktioniert.

Die Antwort muss Nein lauten, denn Aufgeben wäre feige und verantwortungslos. Die Alliierten haben ihren Einmarsch 2001 auf zwei Versprechen gegründet. Eines war an sich selbst gerichtet: das Taliban-Regime zu verjagen und damit dem Terror, der mit deren Hilfe möglich wurde, den Boden zu entziehen. Das andere ging an die internationale Gemeinschaft, vor allem aber an Afghanistan: Dem Land beim Wiederaufbau zu helfen, um ihm eine Perspektive jenseits von Armut und Gotteskriegern zu ermöglichen.

Beide Versprechen wurden bislang wenig bis gar nicht eingelöst. Doch der Westen steht in der Pflicht, genau das zu tun. Zumindest aber die Grundlagen dafür zu schaffen. Das ist der Westen Afghanistan schuldig - und sich selbst auch. Denn Tausende von Toten und zerstörte Landstriche sind ein zu hoher Preis, um jetzt einfach entnervt die Flinte ins Mohnfeld zu werfen.

Freilich, dazu bedarf es eines Neuanfangs. Und immerhin haben die US-Strategen begonnen umzudenken. Ihre bisherige Strategie, die von Ignoranz geprägt war und auf pure militärische Übermacht gesetzt hat, ist für den bisherigen Kriegsverlauf mitverantwortlich. Vieles deutet daraufhin, dass der neue Plan für Afghanistan, der auch von den Europäern beeinflusst wurde, mehr Erfolg verspricht. Es wird die letzte Chance sein, die einst gegebenen Versprechen zumindest halbwegs halten zu können.

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