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4. November 2009, 13:40 Uhr

Auf Teherans Straßen rumort es wieder

Es geht wieder los: Zum 30. Jahrestag der Erstürmung der US-Botschaft versammelten sich in Teheran die Massen - und demonstrierten gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad. "Tod dem Diktator" schallte es durch die Straßen. Die Polizei antwortete mit Gewalt.

Iran, US-Botschaft, Ahmadinedschad, Mussawi, Teheran

Hier nahmen die neuen Zusammenstöße ihren Ausgang: Feiern zum 30. Jahrestag der Erstürmung der US-Botschaft in Teheran© AFP

Im Iran haben sich Polizei und Demonstranten schwere Straßenschlachten geliefert. In der Hauptstadt Teheran hätten die Sicherheitskräfte auf dem Haft-e-Tir-Platz in die Menge geschossen, nachdem eine Demonstration außer Kontrolle geraten sei, berichtete die oppositionsnahe Internetseite Mowjcamp am Mittwoch. Einige Menschen seien verletzt worden. Auch an anderen Orten wie in der Stadt Shiraz gebe es Proteste.

Die Zusammenstöße entwickelten sich am Rande der offiziellen Feiern zum 30. Jahrestag der Erstürmung der US-Botschaft in Teheran. Es wurde mit mindestens zehntausend Demonstranten gerechnet. Mehrere hundert versammelten sich in der Nähe der offiziellen Feier vor der früheren US-Botschaft. Vom 4. November 1979 an waren in der amerikanischen Botschaft 52 US-Diplomaten 444 Tage lang als Geiseln gehalten worden.

"Tod den Diktatoren" statt "Tod Amerika"

"Die Polizei lieferte sich Straßenschlachten mit Hunderten Demonstranten, die riefen: 'Tod den Diktatoren'", sagte ein Augenzeuge. Traditionell wird auf den Demonstrationen zum Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft dagegen "Tod Amerika" gerufen. Die Sicherheitskräfte hätten Schlagstöcke eingesetzt, um die Menge auseinanderzutreiben. Ein anderer Augenzeuge erklärte, die Polizei habe Tränengas eingesetzt und mindestens fünf Demonstranten festgenommen. "Hunderte Menschen sind auf der Straße und rufen: "Gott ist der größte". Aber die Zahl der Polizisten und Basij-Milizionäre ist noch größer", sagte ein anderer Augenzeuge.

Die Revolutionsgarden und die mit ihnen verbündete Basij-Miliz hatten die Opposition davor gewarnt, die USA-feindlichen Demonstrationen für neue Proteste gegen die geistliche Führung des Iran zu nutzen. Nach der umstrittenen Präsidentenwahl im Juni, die Staatschef Mahmud Ahmadinedschad eine zweite Amtszeit sicherte, war es im Iran zu den schwersten Unruhen seit dem Sturz des Schahs vor 30 Jahren gekommen. Die Behörden wiesen damals den Vorwurf des Wahlbetrugs zurück und warfen dem Ausland vor, die Proteste gegen das Regime zu schüren.

Am Mittwoch versammelten sich Tausende Sicherheitskräfte in den Straßen Teherans, um Kundgebungen der Opposition zu unterbinden. Die Oppositionsführer Mirhossein Mussawi und Mehdi Karubi, die bei der Wahl beide vergeblich gegen Ahmadinedschad angetreten waren, hatten ihre Anhänger trotz Warnungen der Behörden zu Protesten aufgerufen. Karubi habe sich selbst in die Demonstration eingereiht, berichtete Mowjcamp. Er sei unterwegs zur früheren US-Botschaft.

Obama ruft zu Neubeginn auf

Vor dem Gebäude dort, das im Iran heute als "Spionagenest" bezeichnet wird, versammelten sich Tausende Menschen zu einer offiziellen Zeremonie. Der einflussreiche Abgeordnete Gholamali Haddadadel kritisierte die Oppositionsführer in einer Rede. "Ich weiß nicht, wie sie sich vor der großen iranischen Nation rechtfertigen wollen", sagte er. "Sie nennen sich Anhänger der Revolution, aber ihre Erklärungen dienen den Interessen von Irans Feinden".

US-Präsident Obama forderte den Iran zu einem Neubeginn in den Beziehungen zu seinem Land auf. "Es ist an der Zeit, dass die iranische Regierung entscheidet, ob sie für ihr Volk die Tür aufstoßen will zu einem Leben mit größeren Möglichkeiten, Wohlstand und Gerechtigkeit", sagte er in Washington. "Wir haben 30 Jahre lang gehört, wogegen der Iran ist. Nun ist die Frage: Für welche Zukunft ist der Iran?"

DPA/Reuters
 
 
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