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29. Dezember 2009, 11:51 Uhr

Teheran attackiert den Westen

Nach den blutigen Unruhen hat das iranische Regime den Westen beschuldigt, die Proteste zu schüren. Das Außenministerium bestellte den britischen Botschafter ein, andere Gesandte sollen folgen. Zugleich wurden neue Festnahmen bekannt.

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Die Unruhen in Teheran haben ein diplomatisches Nachspiel. Die iranische Regierung beschuldigt den Westen, die Proteste zu schüren© Amir Sadeghi/AFP

Härte nach innen und außen: Zwei Tage nach der blutigen Niederschlagung der Proteste im Iran hat die Teheraner Regierung mit deutlicher Verärgerung auf die Unterstützung des Auslands für die regimekritischen Demonstranten reagiert. Außenminister Manuchehr Mottaki drohte mit harten Reaktionen, sollte der Westen weiter eine "vandalisierende Minderheit" unterstützen. Zugleich wurden im Iran neue Festnahmen bekannt, unter anderem wurde die Schwester von Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi verhaftet.

Mottaki warnte speziell die britische Regierung, wenn sie weiter "Lügen" verbreite, werde Teheran eine harsche Antwort geben. Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast erklärte, nach den "undiplomatischen Bemerkungen" des britischen Außenministers David Miliband werde der Londoner Botschafter einbestellt. Andere Botschafter würden folgen.

Der britische Außenminister Miliband hatte die Berichte über die blutigen Proteste "beunruhigend" genannt. Der Minister würdigte den "Mut" der Demonstranten und kritisierte die fehlende Zurückhaltung der Sicherheitskräfte. Auch zahlreiche andere Staaten hatten das brutale Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte verurteilt. US-Präsident Barack Obama hatte den Demonstranten seine Unterstützung zugesichert. Unschuldige iranische Bürger würden gewaltsam unterdrückt, sagte Obama am Montag an seinem Urlaubsort auf Hawaii. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte das gewaltsame Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte "inakzeptabel".

Schwester von Nobelpreisträgerin festgenommen

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi, die sich zurzeit in London aufhält, berichtete im Nachrichtensender CNN, dass ihre Schwester am Montagabend in Teheran festgenommen worden sei. Mehrere Sicherheitsbeamte hätten das Haus, in dem auch sie selbst normalerweise lebe, am Montagabend durchsucht, den Computer beschlagnahmt und ihre Schwerster Nushin abgeführt, berichtete die 62-jährige Menschenrechtsaktivistin. Nushin sei eine Wissenschaftlerin und keine politische Aktivistin, deshalb sei das Ziel der Aktion lediglich gewesen, sie einzuschüchtern, sagte Ebadi.

Wie am Dienstag ebenfalls bestätigt wurde, ist auch ein Reporter aus Dubai festgenommen worden. Das Unternehmen Dubai Media Incorporated (DMI) teilte mit, ein 27-jähriger syrischer Reporter sei während der Unruhen am Sonntag "verschwunden". Inzwischen hätten die Behörden bestätigt, dass er verhaftet worden sei.

Mussawi-Neffe gezielt getötet?

Nach Angaben der Polizei wurden am Wochenende Hunderte Demonstranten festgenommen, später ging das Regime dann gezielt gegen Oppositionelle vor. Unter anderem wurden mehrere Berater von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi verhaftet. Berichte, wonach auch der ehemalige reformorientierte Präsident Mohammed Chatami festgenommen worden sei, wurde am Dienstag auf der regimekritischen Website Jaras dementiert. Bei den Protesten am Wochenende waren mindestens acht Menschen getötet worden, darunter auch ein Neffe Mussawis.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wurde der Neffe Ali Mussawi gezielt getötet. Er sei von fünf Männern in einem Wagen verfolgt und dann von hinten erschossen worden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf den in Paris lebenden iranischen Filmregisseur Mohsen Mahmalbaf, der als Freund und Sprecher der Familie Mussawi gilt.

Sein Leiche und die von vier weiteren oppositionellen Demonstranten wurden nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Irna zunächst nicht für die Bestattung freigegeben. Sie sollen erst obduziert werden. Die iranischen Behörden wollen mit der Anordnung einer Obduktion möglicherweise verhindern, dass es bei der Beerdigung der Toten erneut zu Protesten kommt.

DPA
 
 
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