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25. September 2007, 12:47 Uhr

Mönche trotzen den Drohungen

Tagelang hat die Militärjunta in Myanmar den Demonstrationszügen nur zugeschaut. Nun ermahnten sie die Mönche, ihre Proteste einzustellen. Vergebens. Die Buddhisten ziehen weiter durch die Straßen des Landes - in immer größerer Zahl.

Eine Schneise für die Mönche: In Myanmar wird die Protestbewegung immer größer© Mizzima News/DPA

Zehntausende Mönche und Zivilisten haben in Myanmar, vormals Birma, die Drohungen der Militärjunta vor Repressalien ignoriert und sind wieder durch die Straßen der Hafenmetropole Rangun marschiert. Augenzeugen schätzten die Zahl der Demonstranten dort auf 50.000.

In offener Missachtung des Regimes trugen einige der Zivilisten Plakate mit dem Bild des Unabhängigkeitshelden Aung San und seiner Tochter Aung San Suu Kyi. Die Friedensnobelpreisträgerin leitet die Oppositionspartei und steht seit Jahren unter Hausarrest. "Der Wille des Volkes muss gehört werden!", skandierten einige.

Die Sicherheitskräfte waren am Dienstagmorgen mit Lautsprecherwagen unterwegs und warnten Einwohner vor einer Beteiligung an weiteren Demonstrationen. Allein das Zuschauen werde mit Gefängnis bestraft. Der Religionsminister Thura Myint Maung hatte am Vorabend vergeblich versucht, die Mönche zu stoppen. Er hatte mit Einschreiten gedroht, falls sie weiter gegen die Gesetze verstießen.

Die Mönche würden von feindlichen Kräften manipuliert und bedrohten den Frieden im Land, hatte der Religionsminister am Abend zuvor im Staatsfernsehen gesagt. Wenn sie sich nicht an die buddhistischen Regeln hielten, würden "Maßnahmen" ergriffen. Politische Einmischung ist Mönchen in Myanmar verboten. Die Medien räumten erstmals ein, dass es sich bei den Demonstrationen um ein landesweites Phänomen handele. Die Staatszeitung "Licht von Myanmar versuchte aber die Massendemonstration mit bis zu 100.000 Menschen im ganzen Land herunterzuspielen. "Mehr als 98 Prozent der Mönche sind ihren religiösen Pflichten friedlich nachgekommen", schrieb die Zeitung. In dem Land gibt es nach Schätzungen 400.000 Mönche.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die myanmarischen Behörden, die Massenproteste zu tolerieren. Die von buddhistischen Mönche seit Tagen ausgehenden Demonstrationen sollten als Chance begriffen werden, alle Oppositionsgruppen in den politischen Prozess zu integrieren, sagte Ban nach Angaben seiner Sprecherin Michele Montas in New York. Die USA haben inzwischen angekündigt, ihre Sanktionen gegen die Militärregierung ausweiten zu wollen. US-Sicherheitsberater Stephen Hadley sagte, Präsident George W. Bush werde eine Einreisesperre gegen wichtige Mitglieder der Junta und deren Familien bekanntgeben. Die Strafmaßnahme gelte auch für Personen, die die Militärregierung finanziell unterstützten.

China, einer der Hauptverbündeten Myanmars, mahnte die Regierung zu einem "angemessenen" Umgang mit den Protesten. Stabilität in dem Land sei im Interesse Chinas und der internationalen Gemeinschaft. Das Reich der Mitte verfolge aber grundsätzlich eine Politik der Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten, so eine Sprecherin des Außenministeriums.

DPA/Reuters/AP

Myanmar, Burma oder Birma?
Liebe Leser, wie Ihnen sicher schon aufgefallen ist, gibt es für das südostasiatische Land verschiedene Begriffe: Birma, Burma, Myanmar. In vielen deutschen Medien wird es Birma genannt, vereinzelt auch Burma, wie im englischen Sprachraum üblich. Seit 1989 heißt es offiziell Union Myanmar. So wird es von den Vereinten Nationen und von der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Einige Länder sind aus Protest gegen das dort herrschende Militärregime bei Birma/Burma geblieben, wie etwa die USA und Australien. stern.de hat sich entschieden, das Land Myanmar zu nennen.
Die Redaktion

 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Wolkenfee (25.09.2007, 17:09 Uhr)
Burma nicht vergessen!
Wer mal in Burma war, weiß, daß die Menschen dort friedlich sind! Irgendwann werden auch sie es schaffen, die Junta abzusetzen! Und ich hoffe, daß das bald geschieht! Die Burmesen sind so unendlich freundlich und herzlich, was sicher auch auf ihre jahrelange Isolation zurück zu führen ist, hoffentlich kommt es zu keinem Blutbad. Jetzt müssen die Medien weiter berichten und die Mönche, Nonnen und Bürger nicht vergessen, weil nichts Neues geschieht! Als Urlauber dort habe ich gemerkt, daß die Burmesen den Kontakt zur "Außenwelt",der westlichen Welt, suchen. Sie sind interessiert an unserem Leben! Sie wissen auch mehr wie es "draußen" ist als der Diktatur lieb ist.
Ein Bild habe ich noch vor Augen: einen Militärbeamten mit seinem Baby auf dem Arm bei der Arbeit! Irgendwo gibt es Hoffnung. Irgendwann ist Burma eine Demokratie!!!
ElPrimo (25.09.2007, 15:49 Uhr)
@ In Deutschland...
ich weiss echt nicht ob ich lachen oder heulen soll, wenn ich das mit den verkleideten polizisten mal wieder lese, die angeblichen ihren kollegen steine an den schädel schmeissen wollten. und das alles nur damit sie ein paar unschuldige demonstranten vermöbeln können. der unterschied zu deutschland ist, dass selbst in myanmar es die leute schaffen, friedlich zu demonstrieren. und obwohl die dortige militärregierung sich sicherlich nicht besonders um menschenrechte und meinungsfreiheit schert, lässt man die leute demonstrieren, weil sie eben "friedlich" demonstrieren und nicht...wie einige chaoten hier in deutschland...nur hingehen um randale zu machen.
havranek (25.09.2007, 14:58 Uhr)
"China
mahnte die Regierung zu einem angemessenen Umgang mit den Protesten."
Komisch, im eigenen Land wären Sie wahrscheinlich wieder mit Panzern eingefahren...
Michelmann (25.09.2007, 14:43 Uhr)
Hoffentlich...
ebt das Mediale Interesse nicht zu schnell ab, damit sich wirklich was bewegt. Hoffentlich erreichen diese Menschen Ihre Ziele bevor sich andere große Ereignisse anbahnen und die westliche Welt wieder auf neue Themen schaut. Meine Angst ist es das diese Menschen echt gefährdet sind sobald man sich hier neuen Dingen zuwendet.
Malt (25.09.2007, 14:20 Uhr)
In Deutschland...
...hätten sich sicherlich schon als Mönche verkleidete Polizisten unter die Demonstranten gemischt und angefangen, mit Steinen zu werfen, um den Sicherheitskräften einen Grund zum harten Durchgreifen zu geben... manchmal ist es halt doch kein Schaden, wenn ein Land Jahre hinter unserer "Entwicklung" zurück liegt!
Leondriel (25.09.2007, 14:11 Uhr)
Sicher nicht lachhaft!
Die Bemühungen von 100.000 Menschen etwas friedlich zu ändern, und das unter Gefährdung der eigenen Sicherheit, verdienen meiner Meinung nach höchste Anerkennung.
Blut fließen lassen kann jeder, da gehört nicht viel dazu.
666Truthseeker (25.09.2007, 14:05 Uhr)
lachhaft
da wird es wohl erst Blut geben müssen...... CHINA wird sich das nicht gefallen lassen! Die haben ja schon Teebeet.. ohne gegenwehrt behalten! ABER versuchen kann man das mal!
chashmir (25.09.2007, 13:21 Uhr)
Beispiel
richtig so, da wird was bewegt und das bisher friedlich, je mehr sich anschließen, desto mehr gerät die sache hoffentlich an die öffentlichkeit und somit wird es hoffentlich immer schwieriger, die demo militärisch-politisch-brutal zu sprengen!
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