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25. September 2007, 14:15 Uhr

Birma, Burma oder Myanmar?

Elf Fakten

Wie heißt das Land in Südostasien nun: Birma oder Myanmar? Wer herrscht dort? Und welche Bedeutung haben die Mönche? Und warum sind die als rücksichtslos bekannten Machthaber so zurückhaltend? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem völlig abgeschotteten Land. Von Marcus Müller

Eine Schneise für die Mönche: In Myanmar wird die Protestbewegung immer größer© Mizzima News/DPA

Birma, Burma oder Myanmar?

Das südostasiatische Land am Indischen Ozean wird unterschiedlich benannt. Im deutschen Sprachraum war bis Ende der 80er Jahre durchgehend die Bezeichnung Birma üblich, im Englischen hieß die ehemalige britische Kolonie Burma. Seit Juni 1989 lautet der offizielle Name Union Myanmar - in birmanischer Sprache ein Synonym für Birma. Die von der Militärjunta beschlossene Namensänderung wurde allerdings nicht von allen Staaten angenommen. So hielten unter anderem die USA als Zeichen ihrer Missbilligung des Militärregimes am Namen Burma fest. Die Vereinten Nationen nennen es Myanmar. Auch stern.de benutzt den offiziellen Namen des Landes.

Was ist Myanmar für ein Land?

Rund 50 Millionen Menschen leben in dem Land, das nach einem Staatsstreich 1962 von einer Militärdiktatur regiert wird. Die Junta gilt als brutal und rücksichtslos und wird wegen ihrer Isolationspolitik häufig mit der Diktatur in Nordkorea verglichen. 1989 hat sich das damalige Birma in Myanmar umbenannt. Die Bezeichnung wird aber von vielen Ländern nicht anerkannt. Seit 1992 wird Myanmar vom 73-Jährigen General Than Shwe und dem Premierminister General Soe Win regiert. Es gibt kein Parlament. Bei der letzten Parlamentswahl von 1990 lag die von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi mit gegründete Oppositionspartei "Nationale Liga für Demokratie" (NLD) mit 60 Prozent aller Stimmen und 80 Prozent der Abgeordnetensitze klar vorn. Die Militärs erkannten die Wahl aber nicht an. Seit einigen Jahren wird Myanmar zunehmend bei ausländischen Touristen beliebt.

Wie können Journalisten berichten?

Myanmar ist für ausländische Medien nur schwer zugänglich. Die staatlichen Medien sind unter der Kontrolle der Regierung. Sie sollen bisher allenfalls am Rande über die Proteste berichtet haben. Der Internet-Zugang ist laut deutschem Außenministerium beschränkt, Webseiten mit kritischem Inhalt und webbasierte Mailprogramme sind demnach gesperrt. Diese Maßnahmen sollen angesichts der Proteste verschärft worden sein. Auch Handy-Telefonate sollen zunehmend gestört sein.

Wer sind die Demonstranten?

Angeführt wurde die Protestbewegung zunächst von buddhistischen Mönchen. Sie marschierten barfuss in ihren safranfarbenen Gewändern durch die Straßen der früheren Hauptstadt Rangun. Die Bilder der langen Protestmärsche geben dem Aufstand auch einen Namen: Safran-Revolution. Seit einigen Tagen sind auch Nonnen in rosa Tüchern und immer mehr häufiger Oppositionelle in weißen Hemden unter den Demonstranten. Prominente Schauspieler und Musiker unterstützen den Aufstand der Mönche, der sich inzwischen zu einer Massenbewegung entwickelt hat. Den Protestierern wird offen applaudiert. Die Menschen fordern Demokratie, eine nationale Aussöhnung und die Freilassung politischer Häftlinge. Anderslautenden Berichten zufolge allerdings, sollen zunächst die Studenten mit den Protesten begonnen haben.

Wie kam es zu den Demonstrationen?

Auslöser der Proteste waren Preiserhöhungen von bis zu 500 Prozent für Benzin, Diesel und Gas. Viele Menschen in dem südostasiatischen Land konnten es sich deshalb nicht mehr leisten, zur Arbeit zu fahren. Auch die Lebensmittelpreise wurden erhöht. Eine Mönchsorganisation warf der Militärregierung daraufhin vor, das Land verelenden zu lassen. Bei einer ersten Protestkundgebung vor mehreren Wochen soll ein Mönch von Sicherheitskräften getötet worden sein. Die hatte zu ersten Protesten geführt.

Warum haben die Mönche so einen großen Einfluss?

Die Bewohner Myanmars sind sehr religiös. Daher werden die Mönche als moralische Autoritäten verehrt und gelten als unangreifbar. Zudem gehen viele Männer des Landes mehrmals in ihrem Leben in ein Kloster. Die Theravada-Buddhisten stellen mit 89 Prozent der Gläubigen die größte Religionsgemeinschaft im Land. Insgesamt wird die Zahl der Mönche auf 400.000 geschätzt.

Gegen wen richten sich die Proteste?

Mit dem Anschwellen auf bis zu 130.000 Demonstranten richtet sich der Aufstand eindeutig gegen die Regierung. Das 1948 von den Briten in die Unabhängigkeit entlassene Myanmar wird seit 45 Jahren von einer rücksichtslosen Militärdiktatur beherrscht.

Wie angespannt ist die Lage?

Sehr. Die Protestbewegung schwillt an, nach ersten Warnungen der Behörden haben die Militärs offenbar ihre Kräfte in den großen Städten verstärkt. Die Regierung drohte den Mönchen mit Repressalien, weil sie mit ihren politischen Äußerungen angeblich gegen die buddhistische Lehre verstoßen. Die Behörden forderten die Mönche und die Bevölkerung auf, den Demonstrationen fernzubleiben. Nach Medienberichten fürchten im Exil lebende Birmanen, dass die Regierung die Proteste gewaltsam niederschlägt. Dies hatte sie mit einer ähnlichen Bewegung 1988 bereits sehr brutal und blutig getan. Damals soll es bis zu 3000 Tote gegeben haben.

Wie reagiert das Ausland auf die Proteste?

Die westlichen Regierungen zeigen Sympathie für die Demonstranten. Ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin sagte, die Bundesregierung unterstütze die freie Meinungsäußerung und forderte die Freilassung der Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi. Sie steht seit Jahren unter Hausarrest. US-Präsident George W. Bush ließ bereits schärfere Sanktionen gegen das Land ankündigen. Die USA haben bereits ein Waffenembargo gegen das Land verhängt und beschränkt den Handel und die Finanzbeziehungen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die myanmarischen Behörden, die Massenproteste zu tolerieren.

Wer unterstützt Myanmar?

Eine der Schlüsselpositionen in dem Konflikt besetzt China: Es ist der wichtigste Handelspartner Myanmars und hat der Militärjunta mit modernen Waffen versorgt. Außerdem hilft China dem Nachbarland beim Straßen- und Fabrikbau. Als Gegenleistung darf China in Myanmar seinen immensen Bedarf an Öl und Gas stillen. China soll daher erheblichen Druck auf das Land ausüben, nicht gewaltsam gegen die Proteste vorzugehen, weil es einen Imageschaden vor den Olympischen Spielen im kommenden Jahr befürchte. Im Uno-Sicherheitsrat hat China mehrmals Verurteilungen Myanmars und Sanktionen verhindert.

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