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26. September 2007, 15:25 Uhr

Tödliche Schüsse auf Mönche

Die Proteste in Myanmar haben erste Opfer gefordert. Ein Kloster meldet den Tod von mindestens zwei Mönchen. In New York wird sich die UN in einer Sondersitzung mit der Lage in dem Land beschäftigen. Die Bundesregierung bestellte den Botschafter Myanmars ein.

Mit Schlagstöcken, Tränengas und Warnschüssen ging das Militär in Rangun gegen Mönche und Demonstranten vor© Democratic Voice of Burma/AP

Eine Woche nach Ausbruch der Massenproteste in Birma hat es erstmals Tote gegeben. Angaben eines Klosters und eines Krankenhauses zufolge kamen mindestens drei Menschen ums Leben, darunter zwei buddhistische Mönche. Die Sicherheitskräfte gingen mit Schlagstöcken, Tränengas und Warnschüssen gegen die Demonstranten vor. Mindestens 200 Mönche wurden verhaftet.

Augenzeugen zufolge gingen Soldaten und Polizisten vor allem am Anfang und am Ende der täglichen Proteststrecke durch Rangun gegen die Demonstranten vor. In der Nähe der Sule-Pagode schoss sie über die Köpfe der Menschen hinweg, die in Panik flüchteten. Zudem verprügelten Bereitschaftspolizisten Mönche und feuerten Tränengas in die Menge, die einen Weg zur abgeriegelten Shwedagon-Pagode bahnen wollten. Mindestens zwei Zeugen beobachteten, wie ein blutender Mönch weggetragen wurde. Ihnen erschloss sich aber nicht, ob der Mann tot oder verletzt war. In Krankenhauskreisen war zunächst von einem Toten und fünf Verletzten mit Schusswunden die Rede.

Eine Massenbewegung für Demokratie und Freiheit

Trotz des massiven Aufgebots an Soldaten und Polizisten schlossen sich wieder etwa 10.000 Bürger den demonstrierenden Mönchen an. "Sie ziehen durch die Straßen, die Mönche in der Mitte und die einfachen Leute an jeder Seite. Sie schirmen sie ab, bilden einen menschlichen Schutzschild", beschrieb ein Augenzeuge im ohrenbetäubenden Lärm der Demonstration die Szene.

Das höchste buddhistische Heiligtum Birmas war bislang Ausgangspunkt der Demonstrationen, die sich im August an Benzinpreiserhöhungen entzündet hatten und inzwischen zu einer Massenbewegung für Demokratie und Freiheit geworden sind. Es sind die schwersten Proteste seit 1988, als die seit über 40 Jahren mit eiserner Hand regierenden Generäle eine Demokratiebewegung zusammenschießen ließen. Dabei kamen etwa 3000 Menschen ums Leben.

USA und EU fordern Sanktionen

Die USA und die EU forderten gemeinsam Sanktionen des Sicherheitsrats, der am Abend mit dem UN-Sonderbeauftragten für Birma, Ibrahim Gambari, über die Lage beraten sollte. Russland warnte dagegen davor, den Druck auf Birma zu erhöhen. Ständiges Mitglied des Rats ist auch China, das enge Beziehungen zu der Regierung in seinem Nachbarland unterhält.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestellte den birmanischen Botschafter ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte die Machthaber auf, auf Gewalt zu verzichten und den Weg für eine demokratische Entwicklung freizumachen. Die Bundesregierung schloss zudem eine Verschärfung der EU-Sanktionen gegen Birma nicht aus. Die bisherigen Strafmaßnahmen der Gemeinschaft sollten bei einem Sondertreffen überprüft werden, sagte ein Regierungssprecher. Als eines der wenigen asiatischen Länder schloss sich auch Singapur den Aufrufen an die Junta an, Zurückhaltung zu üben.

Menschenrechtsverletzungen dürften nicht straflos bleiben, sagte der britische Premierminister Gordon Brown am Rande des Labour-Parteitags in Bournemouth. Der von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ernannte Sonderbeauftragte sollte sofort nach Rangun geschickt werden. Brown werde im Laufe des Tages mit Ban und anderen Regierungschefs telefonieren, ergänzte sein Sprecher.

Amnesty International forderte China auf, mäßigend auf die Militärjunta einzuwirken. China ist engster Partner Birmas und will sich offiziell in dem Konflikt neutral verhalten. Vertreter der myanmarischen Opposition berichteten jedoch, sie hätten insgeheim Kontakte zu chinesischen Funktionären gehabt. "Sie haben uns offiziell nicht anerkannt und wollen auch keine formellen Beziehungen, aber ich glaube, sie wollen unsere Lage und Ansichten kennenlernen", sagte Zinn Lin von einer in Thailand ansässigen Exil-Regierung.

Aung Hla Tun/Reuters

Myanmar, Burma oder Birma?
Liebe Leser, wie Ihnen sicher schon aufgefallen ist, gibt es für das südostasiatische Land verschiedene Begriffe: Birma, Burma, Myanmar. In vielen deutschen Medien wird es Birma genannt, vereinzelt auch Burma, wie im englischen Sprachraum üblich. Seit 1989 heißt es offiziell Union Myanmar. So wird es von den Vereinten Nationen und von der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Einige Länder sind aus Protest gegen das dort herrschende Militärregime bei Birma/Burma geblieben, wie etwa die USA und Australien. stern.de hat sich entschieden, das Land Myanmar zu nennen.
Die Redaktion

 
 
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