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30. April 2011, 10:31 Uhr

In den Fängen von Assads Schergen

Brutal unterdrückt Syriens Präsident den Aufstand. Er lässt schießen, einsperren, foltern. Eines der Opfer ist die 23-jährige Rana. Hier berichtet sie über die schrecklichsten Tage ihres Lebens. Von Raniah Salloum, Berlin

Syrien, Baschar al-Assad, Assad, Geheimpolizei, Damaskus, Aufstand, Geheimdienst

Seit Wochen protestiert die syrische Bevölkerung gegen das Assad-Regime© Reuters

Es war vor einer Woche, als die drei Männer das erste Mal an Ranas Haustür hämmerten. "Mach auf, wir sind vom militärischen Geheimdienst!", riefen sie, und Rana fing schnell an, die Nummern ihrer Freunde von ihrem Handy zu löschen. "Einen Moment, ich muss noch etwas anziehen", antwortete die 23-Jährige, um Zeit zu gewinnen.

Rana hat lange, hellbraune Haare, dunkelbraune Augen und eine Stupsnase. Bis zu diesem Tag war sie eine ganz normale Studentin in Syrien. Sie stammt aus einer Mittelklassefamilie, geht vormittags in die Universität und jobbt am Nachmittag. Auf ihrem Laptop hat sie zwei Videoaufnahmen gespeichert, Bilder von Demonstrationen in der Hauptstadt Damaskus am 25. März. Das ist ihr Problem. Deshalb will sie ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen. Aus Angst vor den Häschern von Baschar al-Assad.

Mit brutaler Gewalt geht der syrische Präsident in diesen Tagen gegen Regimegegner vor. Hunderte Menschen sind seit dem Ausbruch der Unruhen in den Verliesen der Staatssicherheit verschwunden. Das Militär hat ganze Städte von der Außenwelt abgeschnitten und belagert sie regelrecht: Daraa im Süden etwa oder Duma, ein Vorort von Damaskus. Seit Tagen darf hier niemand mehr hinein oder hinaus. Haus für Haus suchen die Soldaten nach Menschen, deren Namen auf einer schwarzen Liste stehen. Wie schnell man darauf landet, kann Rana erzählen.

Ohne ein Wort der Erklärung durchwühlen die Geheimdienstler ihre kleine Wohnung, 20 Quadratmeter, fünf Stunden lang. Rana fühlt sich, als müsste sie sich übergeben. Aber aufs Klo lassen die Männer sie nicht, auch nicht vor die Haustür. Sie muss auf dem Sofa ausharren, die Schergen halten ihr einen Gegenstand nach dem anderen vors Gesicht: "Was ist das?" Als sie auch bei der Shampooflasche nachfragen, bricht Rana in Tränen aus.

Die Männer nehmen ihre DVDs mit, amerikanische Serien wie "Desperate Housewives", ihre Bücher, ihr Handy, ihren Laptop samt Passwort. Dazu alle ihre Identitätsnachweise: Reisepass, Personalausweis, Studentenkarte. Als es Nacht wird, geht einer der Männer. Zwei schieben Wache vor ihrer Haustür. "Das war die schrecklichste Nacht meines Lebens", sagt Rana. Sie verbringt sie im Badezimmer - das ist am weitesten weg von der Eingangstür. Ihr Herz rast so schnell, dass sie Angst hat, es könnte versagen. Am nächsten Morgen kehren die Geheimdienstler zurück - und führen sie ab.

Übernommen aus ... FTD FTD
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Seite 3: Strom und Telefon sind gekappt
 
 
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