Die Gewalt in Syrien gegen Regierungskritiker ist auch am Mittwoch nicht abgeebbt. Streitkräfte von Präsident Baschar al Assad rückten weiter ins Zentrum der Oppositions-Hochburg Homs vor. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten kamen dabei erneut dutzende Zivilisten ums Leben.

Proteste auch in Deutschland: Mit roter Farbe sind am Dienstag an der Außenwand der syrischen Botschaft in Berlin die Worte "Revolution" und "Freedom" geschrieben worden© Stephanie Pilick/DPA
Beim Vorgehen der syrischen Armee gegen die Protest-Hochburg Homs sind am Mittwoch nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten dutzende Zivilisten getötet worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die Stadt sei bombardiert und mit schweren Waffen beschossen worden.
Ein Aktivist in der Stadt sagte der Nachrichtenagentur AFP am Telefon, seit dem Morgengrauen sei der Beschuss "sehr intensiv". Geschossen werde unter anderem mit Raketen und Mörsergranaten, um die Kontrolle über bestimmte Stadtgebiete zurückzuerlangen. Mit dem Beschuss bereite die Armee offenbar eine Bodenoffensive vor. Panzer befänden sich nun bereits im Viertel Inschaat. Sie bewegten sich in Richtung Bab Amro, wo in den vergangenen zwei Tagen bei heftigen Kämpfen mindestens 100 Zivilisten ums Leben gekommen seien. Aktivisten-Sprecher Mohammad al-Hassan sagte in einem Interview über ein Satellitentelefon, dass im Großteil der Stadt die Kommunikation lahmgelegt wurde. Auch in Sabadani nordwestlich von Damaskus bombadierten Panzer die Stadt.
Die syrischen Truppen gehen seit der Nacht zum Samstag mit massiver Gewalt gegen die Protestbewegung in Homs vor. Nach Angaben der syrischen Opposition waren bei Raketenangriffen auf Homs allein in der Nacht zum Samstag mehr als 230 Menschen getötet worden. Wegen der in Syrien verhängten Restriktionen gegen ausländische Medien lassen sich die Opferzahlen nicht überprüfen.
Unter den Opfern der Angriffe auf Homs befindet sich auch ein freier Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP). Der unter dem Pseudonym "Omar der Syrer" arbeitende Aktivist Mazhar Tayyara sei bei den Angriffen in der Nacht zum Samstag ums Leben gekommen, berichtete ein Freund Tayyaras am Dienstag. Dem Freund zufolge half der 24-Jährige während der Angriffe auf das Stadtviertel Chalidija Verletzten, als er selbst getroffen wurde.
Tayyara arbeitete als freier Mitarbeiter für mehrere Medien, darunter neben dem Video-Dienst der AFP auch der britische "Guardian" und "Die Welt". Als Reporter war er im Satellitensender Al-Dschasira und auf CNN zu sehen. Tayyaras Freund berichtete, der Student habe sich schon bald nach Beginn der Proteste gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad der Opposition angeschlossen. Bald habe er den wenigen ausländischen Journalisten in Homs geholfen. "Er hat seine Berufung gefunden und hat sich eine Kamera gekauft", sagte der Freund. "Er ist bei dem gestorben, was er für die richtige Sache für sein Land hielt."
Die US-Regierung wies derweil Forderungen nach einer Bewaffnung der syrischen Oppositionsbewegung zurück. Allerdings erklärte das Weiße Haus, dass Washington eine humanitäre Unterstützung für die Menschen in Syrien prüfe. Der einflussreiche US-Senator John McCain hatte angesichts der Niederschlagung der syrischen Opposition Waffenlieferungen an die Gegner von Machthaber Baschar al-Assad verlangt.
"Wir sollten beginnen, alle Optionen zu erwägen, auch die Bewaffnung der Opposition", sagte McCain in Washington. Die diplomatischen Mittel seien "so ziemlich erschöpft". Der republikanische Präsidentschaftskandidat von 2008 rief auch zur Gründung einer "Kontaktgruppe, einer gemeinsamen Koalition" zu Syrien auf, ohne weiter ins Detail zu gehen.
Der Sprecher von Präsident Barack Obama, Jay Carney, reagierte kühl auf den Vorschlag einer Bewaffnung der Assad-Gegner durch die USA. "Wir ziehen diesen Schritt derzeit nicht in Erwägung," sagte er. "Wir erkunden die Möglichkeit, den Syrern humanitäre Hilfe zukommen zu lassen." Auch das US-Außenministerium erteilte McCains Vorstoß eine Absage. "Wir denken nicht, dass mehr Waffen in Syrien die Antwort sind", sagte Sprecherin Victoria Nuland.
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hat unterdessen erklärt, weiter auf Russland einwirken zu wollen, um zu Syrien doch noch zu einer UN-Resolution zu kommen. "Ich bedaure, dass der russische Außenminister Sergej Lawrow sich hier so klar auf die falsche Seite der Geschichte gestellt hat, und ich bedaure auch, dass er sich für solche Propagandaeinsätze des Regimes hergibt, aber dennoch sind es unsere Gesprächspartner", sagte Westerwelle am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin". Es sei wichtig, Russland davon zu überzeugen, dass man nicht die Interessen des russischen Staates in der Region schwächen, sondern lediglich die Gewalt in Syrien beenden wolle.
Einen militärischen Einsatz schloss der Außenminister weiterhin aus. Er sei keine Alternative zu einer politischen Lösung. "Das sehen auch alle Beteiligten so", sagte Westerwelle. Eine Schlüsselrolle in der Lösung des Konflikts spiele die Türkei gemeinsam mit der Arabische Liga.
Der russische Außenminister Lawrow hatte bei einem Besuch am Dienstag in Damaskus Verständnis für das Vorgehen von Präsident Baschar al-Assad im Konflikt mit der Opposition geäußert. Zuvor waren die UN-Vetomächte Russland und China nach ihrer Blockade einer westlichen Resolution gegen Syrien im Weltsicherheitsrat am Wochenende international in die Kritik geraten.