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16. Dezember 2003, 17:24 Uhr

Der verlogene Krieg

Bereits vor sechs Jahren planten mächtige Männer in Washington die Invasion des Irak. Ein Protokoll der Tricks und Täuschungen.

9500-Kilo-Sprengwaffe: Am 11. März bringen die USA in Florida die stärkste konventionelle Bombe zur Explosion. Der Test soll den Kriegsgegner Irak einschüchtern© DDP

Im Krieg, sagt man, stirbt die Wahrheit zuerst. Diesmal ist sie schon lange vor dem ersten Schuss vor die Hunde gegangen. Die Invasion des Irak wurde bereits vor sechs Jahren von mächtigen Männern in Washington geplant.

Im Frühjahr 1997 konstituiert sich in einem Bürogebäude unweit des Weißen Hauses eine Organisation mit dem programmatischen Namen "Project for the New American Century" (PNAC). Die selbst gestellte Aufgabe: "To promote American global leadership" - es geht um die amerikanische Weltherrschaft im neuen Jahrhundert. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Richard "Dick" Cheney, früherer Stabschef im Weißen Haus und Verteidigungsminister, R. James Woolsey, ehemaliger CIA-Chef, Elliott Abrams vom Nationalen Sicherheitsrat NSC, die Verteidigungspolitiker Donald Rumsfeld und Paul Wolfowitz sowie William Kristol, Robert Kagan und Richard Perle, allesamt publizistische und politische Drahtzieher großen Kalibers mit Verbindungen zur Rüstungsindustrie.

Am 26. Januar 1998 fordert der PNAC in einem Schriftstück "The Honorable William J. Clinton, President of the United States" auf, in seine bevorstehende Regierungserklärung Folgendes aufzunehmen: Der Irak verfüge trotz der UN-Waffeninspektionen über Mengen von Massenvernichtungswaffen. Die Diplomatie habe versagt. Deshalb sei es unvermeidlich, "Saddam Hussein und sein Regime militärisch zu entmachten". Dabei dürfe sich die amerikanische Politik nicht "von einem fehlgeleiteten Widerstand des UN-Sicherheitsrates" behindern lassen. Der Aufruf zu einem Irakkrieg ohne UN-Mandat ist "Hochachtungsvoll" von 18 Topleuten des PNAC unterzeichnet, darunter Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz und Richard Perle. Der Demokrat Bill Clinton ignoriert die Kampfschrift.

Beim Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2000 unterstützen die Neokonservativen und Imperialisten den republikanischen Gouverneur von Texas, George W. Bush. Anfang September legt das PNAC ein 76 Seiten langes Stategiepapier mit dem schlichten Titel "Rebuilding America's Defenses" vor. Die Verfasser protegieren eine politische und wirtschaftliche Führerschaft und militärische Dominanz der USA in allen Teilen der Welt, zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Auch "Cyberspace" und Weltraum müssten von Amerika beherrscht werden.

Am 20. Januar 2001 zieht George Walker Bush nach einer umstrittenen Stimmenauszählung mit hauchdünnem Vorsprung als 43. Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus ein. Mit ihm landen die Falken in den Machtzentren von Washington. Rumsfeld übernimmt das Pentagon, Wolfowitz ernennt er zu seinem Stellvertreter und Perle zum Leiter seines Beratungsstabes. Im Außenministerium wird der PNAC-Mann Richard Armitage Stellvertreter von Colin Powell. Cheney, früher Verteidigungsminister bei Bush senior, zieht als Vizepräsident von Bush junior ins Weiße Haus ein.

11. September 2001. Nach den Anschlägen auf New York und Washington verbreitet die Bush-Regierung, nicht nur Osama bin Laden, auch Saddam Hussein stecke hinter dem Terror. Obwohl selbst der CIA bis heute keine Beweise dafür liefern kann.

5. Dezember 2001. Im US-Fernsehsender CNBC wird Tom Donnelly, einer der Autoren des Strategiepapiers "Rebuildung America's Defenses" zu einem möglichen Irakkrieg befragt. Frage: Die United States Army wird also in Bagdad einmarschieren. Donnelly: Richtig! - Frage: Wir werden die dortige Regierung beseitigen? Donnelly: Korrekt! - Frage: Auch die Führer und die Mitglieder der Baath-Partei? Donnelly: So viele wir kriegen können. - Frage: Und was machen wir mit all diesen Leuten? Donnelly: Wenn sie lebend gefangen genommen werden, machen wir ihnen den Prozess. Wahrscheinlicher ist, dass sie im Krieg getötet werden, jedenfalls die Topleute in der Führung. - Frage: Nach Afghanistan und Irak, welches Land kommt als nächstes dran? Donnelly: Man kann nur hoffen, dass die anderen Staaten, die gegen eine amerikanische Präsenz am Golf und im Mittleren Osten sind, diese Lektionen verstehen ...

16. Dezember 2001. Richard Perle, der auch "Fürst der Finsternis" genannt wird, führt in einem vom "American Enterprise Institute" verbreiteten Beitrag zwei zusätzliche Gründe für einen Irakkrieg an: "Einer ist, dass Saddam Hussein die Vereinigten Staaten hasst." Und seit dem ersten, von Bush senior geführten, Golfkrieg herrsche zwischen "Saddam Hussein und der Familie Bush eine Art Blutfehde".

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