14. Februar 2006, 16:34 Uhr

Saddam tritt in den Hungerstreik

Iraks vor Gericht stehender Ex-Diktator Saddam Hussein behauptet, er habe aus Protest gegen den neuen Richter seit drei Tagen nichts mehr gegessen. Ebenso wie sein Halbbruder, der nun angefangen hat auszusagen.

Saddam Hussein hungert angeblich seit drei Tagen©

Aus Protest gegen ihren Prozess sind der irakische Ex-Präsident Saddam Hussein und drei Mitangeklagte nach eigenen Angaben in den Hungerstreik getreten. Saddam Hussein sagte jetzt, er habe seit drei Tagen nichts gegessen. Sein Halbbruder Barsan Ibrahim verweigere seit zwei Tagen die Nahrungsaufnahme.

Der ehemalige Diktator und seine Mitangeklagten fordern die Ablösung des neuen Richters Rauf Abdel Rahman wegen Befangenheit. Dieser hat den Vorsitz des Verfahrens im Januar übernommen. Ihre Aussagen zum Hungerstreik konnten zunächst nicht überprüft werden, Ermittlungsrichter Raid Dschuhi dementierte die Angaben jedoch nicht.

Der Ex-Machthaber lieferte sich zu Beginn der Sitzung erneut ein hitziges Wortgefecht mit Richter Abdel Rahman und forderte die Iraker zum gewaltsamen Widerstand auf. Sein Halbbruder Ibrahim erschien den zweiten Tag in Folge in langen Unterhosen.

In dem Prozess geht es um die Ermordung von fast 150 Schiiten nach einem versuchten Attentat auf Saddam Hussein in der Ortschaft Dudschail im Jahr 1982. Ex-Geheimdienstchef Ibrahim machte erstmals konkrete Aussagen: Er habe nach Razzien infolge des Attentatsversuchs mehr als 80 Häftlinge freigelassen, erklärte er. Anschließend habe er nie wieder etwas von Dudschail gehört.

Die Anklage legte dagegen ein Dokument vor, in dem sechs Geheimdienstmitarbeitern eine Belohnung für ihre Rolle bei Festnahmen in der Stadt zugestanden wurde. Das Papier soll von Ibrahim unterschrieben und auch von Saddam Hussein abgezeichnet worden sein.

Nach den jüngsten Misshandlungsvorwürfen gegen britische Soldaten kündigte die Regionalregierung von Basra unterdessen die Zusammenarbeit mit den Briten auf. Sie fror am Montag alle Verträge mit den Koalitionsstreitkräften ein, wie ein britischer Militärsprecher mitteilte. Am Sonntag war in Großbritannien ein Video aus dem Jahr 2004 aufgetaucht, auf dem zu sehen ist, wie britische Soldaten Iraker verprügeln. Dem Zwischenfall gingen offenbar Übergriffe von Irakern voran, wie auf einem am Montagabend von der BBC ausgestrahlten Video zu sehen ist.

Hamza Hendawi/AP
 
 
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