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19. Juni 2006, 19:48 Uhr

Todesstrafe für Saddam gefordert

Im Prozess um ein Massaker in der irakischen Kleinstadt Dudschail hat der Generalstaatsanwalt für den früheren Machthaber Saddam Hussein die Todesstrafe gefordert. Und nicht nur für ihn.

Verzog keine Miene: Iraks Ex-Diktator Saddam Hussein© AP/Pool

Auch Ex- Vizepräsident Taha Jassin Ramadan und Saddams Halbbruder Barsan al- Tikriti sollten wegen ihrer Beteiligung an dem Massaker hingerichtet werden, sagte Staatsanwalt Dschafar al-Mussawi am Montag in Bagdad. Unterdessen gab Ministerpräsident Nuri al- Maliki bekannt, dass nach Italien nun auch Japan seine Truppen aus dem Irak abziehen wolle. Irakische Sicherheitskräfte würden dann die Kontrolle in der als verhältnismäßig ruhig geltenden Provinz Muthanna übernehmen.

Japan zieht Truppen ab

Für vier weitere Angeklagte - ein Ex-Richter und drei Parteifunktionäre - beantragte Staatsanwalt Al-Mussawi in seinem Schlussplädoyer Haftstrafen. Mohammed Asawi Ali, ein örtlicher Funktionär von Saddams Baath-Partei, soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft als einziger freigelassen werden. Die Anwälte der Angehörigen der Opfer des Massakers erklärten, alle acht Angeklagten hätten die Todesstrafe verdient. Die Angeklagten verzogen bei der Sitzung am Montag kaum eine Miene. In Dudschail waren 1982 nach einem fehlgeschlagenen Attentat auf Saddam Hunderte von Menschen festgenommen und gefoltert worden. 148 Männer wurden zum Tode verurteilt.

Kurz nach der Erklärung Malikis zu den japanischen Truppen hieß es in Tokio, Ministerpräsident Junichiro Koizumi wolle den Plan für den Abzug an diesem Dienstag offiziell bekannt geben. Japan werde aber auch nach dem Abzug weiter für den Wiederaufbau und humanitäre Hilfe sorgen. Das 600 Mann starke japanische Kontingent besteht hauptsächlich aus Ingenieuren und medizinischem Personal. Vergangene Woche hatte Italien den Abzug seiner Truppen bekannt gegeben.

Bush mahnt finanzielle Zusagen an

US-Präsident George W. Bush forderte die Europäer unterdessen zur Einhaltung ihrer versprochenen Finanzhilfen für den Irak auf. Für die junge Demokratie im Irak sei eine kritische Zeit angebrochen, sagte Bush einen Tag vor Beginn seines Europa-Besuches am Montag in Kings Point (US-Bundesstaat New York). Nach Bushs Angaben sind von den 13 Milliarden Dollar (10,3 Milliarden Euro) zugesagter Finanzhilfe nur 3,5 Milliarden Dollar geflossen.

Mindestens 27 Menschen kamen am Montag im Irak bei Anschlägen ums Leben. Bei der Explosion einer Bombe auf einem Marktplatz der Stadt Mahmudija starben nach Polizeiangaben sieben Zivilisten. In Al- Madain, 15 Kilometer südlich von Bagdad, erschossen Unbekannte eine Mutter und zwei Kinder in ihrem Haus. In Latifija südlich von Bagdad wurden vier Mitglieder einer schiitischen Familie getötet.

Die US-Armee setzte südlich von Bagdad ihre Suche nach zwei amerikanischen Soldaten fort, die seit einem Rebellenangriff am Freitag verschollen sind. Zu der Entführung bekannte sich am Montag die Terrorgruppe El Kaida im Irak. Diese Gruppe bekannte sich nach Angaben des russischen Außenministeriums auch zur Entführung von vier russischen Diplomaten, die Anfang Juni verschleppt wurden.

DPA

 
 
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