17. August 2012, 06:09 Uhr

"Egal wie das Urteil lautet, wir gewinnen sowieso"

Seit Wochen verfolgt die Welt den Prozess gegen Pussy Riot. Die Musikerinnen sollen für ihren Protest jahrelang büßen. Heute wird das Urteil erwartet. Die Angeklagten geben sich standhaft.

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Ein hartes Urteil droht: Die drei angeklagten Musikerinnen von "Pussy Riot" vor Gericht in Moskau©

Sie geben sich siegessicher. "Ganz egal wie das Urteil lautet: Wir und Ihr gewinnen sowieso", schrieb Nadeschda Tolokonnikowa am Donnerstag nach Angaben ihres Anwalts Mark Fejgin aus der Untersuchungshaft an ihre Unterstützer. "Wir und Ihr gestalten derzeit eine große und wichtige politische Bewegung, und Putins System kann immer schwieriger damit umgehen", hieß es weiter. Die junge Frau ist eine der Angeklagten im Moskauer Prozess gegen die Frauen-Punkband Pussy Riot. An diesem Freitag soll das Urteil über die drei Musikerinnen gefällt werden.

Der Prozess hat international Aufsehen erregt. Von einem Schauprozess war die Rede. Popstars warfen sich für ihre weniger bekannten Kolleginnen in die Bresche. Wie vor ihm schon Madonna und die Red Hot Chili Peppers versicherte Ex-Beatle Paul McCartney noch am Donnerstag den inhaftierten Mitgliedern von Pussy Riot seine Unterstützung. "Ich will, dass Ihr wisst: Ich hoffe sehr, dass die russischen Behörden das Prinzip der Redefreiheit für alle ihre Bürger respektieren und nicht glauben, Euch für Euren Protest bestrafen zu müssen", hieß es in dem Schreiben, das am Donnerstag auf McCartneys Internetseite veröffentlicht wurde. Solange freie Meinungsäußerung niemanden verletzte, sei dies der beste Weg für jede Gesellschaft.

Leibwächter für die Richterin

Die Chance, dass die russische Justiz dies auch so sieht, sind allerdings gering. Die Atmosphäre in Moskau ist vielmehr angespannt. Wegen angeblicher Drohungen steht Richterin Marina Syrowa offenbar unter dem Schutz von Leibwächtern. Möglicherweise erhalte auch die Familie Syrowas persönlichen Schutz, meldete die Agentur Interfax. Der Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, Wladimir Lukin, berichtete, er habe den Fall mit Kremlchef Wladimir Putin besprochen. Zuletzt hatte Putin sich für ein "nicht zu hartes Urteil" ausgesprochen.

Drei jungen Aktivistinnen der Band Pussy Riot droht nach einem Punkgebet gegen Putin und Patriarch Kirill in der wichtigsten russisch-orthodoxen Kirche eine langjährige Haftstrafe. Die Staatsanwaltschaft wirft den Frauen, von denen zwei je ein kleines Kind haben, Rowdytum aus religiösem Hass vor. Ausländische Beobachter befürchten ein überhartes Urteil für eine Aktion, die durchaus als infantil und geschmacklos bezeichnet werden kann, in seiner Tragweite jedoch kaum für eine mehrjährige Gefängnisstrafe ausreicht.

"Das Urteil wird maßlos sein"

Der deutsche Russland-Koordinator Andreas Schockenhoff kritisierte Regierung und Justiz in Moskau scharf. "Ich befürchte, dass das Urteil maßlos sein wird", sagte der CDU-Politiker. "Hier soll ein Exempel statuiert werden, um Kritik am Regime im Keim zu ersticken." Schon die Umstände und die Dauer der Untersuchungshaft seit März seien in keiner Weise angemessen und entsprächen nicht den rechtsstaatlichen Standards.

Die Moskauer Behörden verstärkten unterdessen die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Gerichtsgebäude nahe der Moskwa. Es würden deutlich mehr Polizisten im Einsatz sein als sonst üblich, meldete Interfax unter Berufung auf Sicherheitskreise. Auch auf öffentlichen Plätzen und an der Erlöserkathedrale werden verstärkt patroulliert. Der prominente Schriftsteller Boris Akunin rief dazu auf, am Gericht für eine Freilassung der Aktivistinnen zu demonstrieren. Es dürfe nicht bei virtuellen Protesten bleiben.

Amnesty führt "Pussy Riot" als politische Gefangene

Verteidigung und Bürgerrechtler kritisieren, das Verfahren werde von Kreml gesteuert. Sie werfen der Richterin Syrowa einseitige Prozessführung und schwerwiegende Rechtsverstöße vor. Die Organisation Amnesty International hat die Künstlerinnen als politische Gefangene anerkannt. Dass dies die russische Justiz von einem harten Urteil abhalten kann, glaubt in Moskau allerdings niemand.

dho/DPA
 
 
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