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Russland verurteilt verunglückten Test

Moskau sieht in Nordkoreas verunglücktem Raketentest internationales Recht verletzt, lehnt Sanktionen aber ab. Die Rakete war nach dem Start ins Meer gestürzt. Nun ist der UN-Sicherheitsrat gefragt.

Russland hat den missglückten Start einer nordkoreanischen Langstrecken-Rakete als Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates verurteilt. Die UN-Resolution 1874, die nach einem nordkoreanischen Raketenstart im Jahr 2009 beschlossen wurde, fordere das Land dazu auf, auf den Abschuss "ballistischer Raketen" zu verzichten, sagte ein Vertreter des Außenministeriums in Moskau der Nachrichtenagentur Interfax. Dabei gehe es sowohl um militärische als auch um zivile Raketenstarts. Zugleich lehnte Russland aber Zwangsmaßnahmen gegen das stalinistisch geführte Nachbarland ab. Der Weltsicherheitsrat müsse eine "ausgewogene" Entscheidung treffen, sagte Außenminister Sergej Lawrow. "Wir glauben nicht an neue Sanktionen. Sie tragen nicht dazu bei, die Situation zu lösen", sagte Lawrow auf einer im Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz mit seinen Amtskollegen aus China und Indien. Das Ziel müsse weiterhin sein, im Streit um Nordkoreas Atomprogramm die internationalen Verhandlungen unter Beteiligung der USA wieder aufzunehmen.

Nordkorea hatte zuvor das Scheitern seines umstrittenen Raketenstarts eingeräumt. Der Beobachtungssatellit sei nach dem Start der Trägerrakete nicht wie geplant auf eine Erdumlaufbahn gebracht worden, berichteten die staatlichen Medien des sozialistischen Landes am Freitag. Einzelheiten wurden nicht genannt. "Wissenschaftler, Techniker und Experten" seien dabei, die Gründe für den Fehlschlag zu untersuchen, hieß es.

China ruft zur Besonnenheit auf

Unterdessen hat China alle Konfliktparteien zur Zurückhaltung aufgerufen. Der Sprecher des Außenministeriums, Liu Weimin, sagte in Peking, alle Beteiligten sollten sich ruhig verhalten und nichts unternehmen, was den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel schädigen könnte. Auch sollten alle Parteien im Gespräch bleiben.

Die nordkoreanische Rakete hob nach südkoreanischen Angaben am Freitag um 7.39 Uhr Ortszeit von einer Abschussrampe an der Westküste ab. Sie sei jedoch schon wenige Minuten nach dem Start in mehrere Teile zerbrochen und ins Gelbe Meer gestürzt.

Trümmerteile im Umkreis von 150 Kilometern

Wie die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Beamten des Verteidigungsministeriums in Seoul meldete, explodierte die Rakete in einer Höhe von 151 Kilometern. Trümmerteile seien rund 100 bis 150 Kilometer südlich der südkoreanischen Westküste ins Meer gestürzt. Die südkoreanische Marine suche das Gebiet ab.

Nach Angaben des Nordamerikanischen Luftraumüberwachungskommandos (NORAD) handelte sich bei der Rakete um eine ballistische Interkontinentalrakete vom Typ Taepodong-2, die eine Reichweite von bis zu 9000 Kilometern hat. Weder die Rakete noch ihre abstürzenden Einzelteile hätten zu irgendeinem Moment eine Gefahr dargestellt. Es seien keine Reste der Rakete auf Land aufgeschlagen.

Raketentest zum 100. Geburtstag des Staatsgründers

Aus Sicht des Westens wolle Nordkorea unter dem Deckmantel eines Satellitenstarts eine militärische Rakete von großer Reichweite testen, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte. Nordkorea wollte nach eigenen Angaben mit dem Start des Satelliten Kwangmyongsong-3 ("Heller Stern") den 100. Geburtstag des als Staatsgründer verehrten früheren Präsidenten Kim Il Sung am 15. April begehen.

Südkorea, die USA und Japan verurteilten den Start als Provokation und Bedrohung der regionalen Sicherheit: "Nordkorea isoliert sich mit seinen provokativen Akten nur weiter und verschwendet sein Geld für Waffen und Propaganda, während die Menschen in Nordkorea hungern", erklärte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney.

Schwerer Verstoß gegen UN-Resolution

Südkoreas Außenminister Kim Sung Hwan sprach ebenfalls von einem "provokativen Akt", der Frieden und Sicherheit gefährde. Der Raketenstart sei zudem eine Verletzung des in einer UN-Resolution festgehaltenen Verbots des Tests ballistischer Raketen durch Nordkorea. Das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärte, genau beobachten zu wollen, ob Nordkorea weitere "provokative Akte wie Raketentests oder einen Atomtest" plane.

Der Sprecher der japanischen Regierung, Osamu Fujimura, bezeichnete den Start ebenfalls als gescheitert, zugleich aber als "schwere Provokation" und als Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. Die Außenminister der sieben wichtigsten Industrienationen und Russlands (G8), die sich zuvor in Washington getroffen hatten, erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme, sie würden im UN-Sicherheitsrat "angemessene Maßnahmen" auf den Raketenstart treffen. Der Raketenstart habe Frieden und Sicherheit in der Region unterhöhlt. Am Freitag soll der Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen und über den Raketenstart beraten.

Westerwelle äußerst besorgt

Zuvor hatte bereits Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) den Raketenstart scharf verurteilt. Sein britischer Kollege William Hague äußerte sich "äußerst besorgt". Aus China, einem Verbündeten Nordkoreas, kam auch Stunden nach dem Start keine offizielle Stellungnahme.

nik/iml/DPA/AFP/DPA
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