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Kim Jong Un provoziert die Welt

Nordkorea schürt mit einem Raketenstart neue Ängste. Die Stellung des jungen Machthabers Kim Jong Un soll dadurch gefestigt und die USA zu Zugeständnissen bewogen werden.

Die Südkoreaner fielen am Mittwoch wie aus allen Wolken, weil Nordkorea eine Rakete ins All schoss. Am Vortag hatten sie noch allen Grund zu glauben, das kommunistische Nachbarland werde das umstrittene Vorhaben nicht vor der Präsidentenwahl in Südkorea am nächsten Mittwoch durchführen. Von "Nordwind" sprechen sie, wenn das Nachbarland nach ihrer Ansicht versuchen will, Wahlen in ihrem Land zu beeinflussen. Nordkorea hatte zwei Tage zuvor noch von technischen Fehlern gesprochen und das Startfenster um eine Woche bis zum 29. Dezember verschoben.

Als Gründe für den Start sehen Beobachter vor allem die innenpolitische Situation. Nordkoreas junger Machthaber Kim Jong Un will danach seine Stellung weiter festigen. Den erfolgreichen Raketenstart könne das Regime jetzt gezielt als Propagandamittel ausschlachten.

Nach nordkoreanischen Angaben brachte eine Trägerrakete einen Forschungssatelliten auf eine Umlaufbahn. Auch Südkorea und die USA gehen davon aus, dass die Rakete ein "Objekt" in den Orbit ausgesetzt hat. Allerdings verurteilten sie Nordkorea, weil sie darin den verschleierten Test einer Interkontinentalrakete sehen, die einen atomaren Sprengkopf tragen kann. Ob ihre angedrohten Strafmaßnahmen noch mehr Druck ausüben können, wird bezweifelt. Nordkorea lebt bereits seit langen Jahren mit Sanktionen. Um sie strikt durchzusetzen, müsste China mitziehen.

Kim Jong Un braucht Erfolge

"Was Nordkoreas innere Situation betrifft, so wäre es wichtig für Kim, wenn er den ersten Todestag seines Vaters, seinen eigenen Geburtstag (8. Januar) und den seines Vaters (16. Februar) mit einem großen Knall begehen könnte", sagt der Experte Lee Sung Yoon von der Fletcher School an der Tufts-Universität in Massachusetts. "Kim Jong Uns Jugend und Unerfahrenheit machen das Regime in Pjöngjang besonders in dieser Zeit anfällig."

Besonders nach einem missglückten Raketenstart im April brauchte das Regime von Kim jetzt einen vorzeigbaren Erfolg. Der noch nicht 30-jährige Kim war kurz nach dem Tod seines Vaters und Vorgängers Kim Jong Il am 17. Dezember zum neuen obersten Führer ausgerufen worden.

Der Raketenstart erfolgte zudem zu einem prekären Zeitpunkt in der Region Asien-Pazifik. In den USA tritt Präsident Barack Obama in seine zweite Amtszeit, die Kommunistische Partei in China hat eine neue Führung bestimmt, in Japan stehen Parlamentswahlen am 16. Dezember und die Präsidentenwahl in Südkorea drei Tage später an.

USA sehen sich bedroht

Welche Zeit könne sich Nordkorea da besser aussuchen, um Washington, Seoul, Tokio und Peking mit einem "Aufflammen" in die Ecke zu drängen, die eine "Diplomatie des Krisenmanagements" erfordert? "Für Pjöngjang zahlt sich Provokation aus", meint Experte Lee. Wie er glauben viele Beobachter, dass Nordkorea mit seinen Raketen- und Atomtests die anderen Länder in der Region und besonders die USA zu größeren Zugeständnissen im Poker um seine umstrittenen Waffenprogramme zwingen will.

Mit dem Raketenstart wolle Nordkorea eine Botschaft an die USA senden, glaubt auch der Experte Paik Hak Soon vom Sejong-Institut in Südkorea. Nicht zuletzt sei es ein Ruf nach mehr Aufmerksamkeit. "Wenn ihr uns weiter ignoriert, wird es nicht helfen." Nordkorea wolle die USA zu bilateralen Gesprächen bewegen. "Nordkoreas Strategie ist auf das eigene Überleben im 21. Jahrhundert ausgerichtet."

Militärisch gesehen wird das Bedrohungsszenario für die USA mit dem jüngsten nordkoreanischen Raketentest indessen konkreter: Nordkorea könnte vielleicht bald Atomraketen bauen, die amerikanisches Festland erreichen können. Nach Meinung von Experten ist das Land aber noch nicht so weit, unter anderem einen atomaren Sprengkopf auf eine Langstreckenrakete montieren zu können. Doch hatte der frühere US-Verteidigungsminister Robert Gates im vergangenen Jahr gewarnt, Nordkorea könne innerhalb von fünf Jahren zu einer direkten Gefahr für die USA werden.

Dirk Godder, DPA/DPA

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