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17. Oktober 2007, 18:11 Uhr

Blocher spaltet die Schweiz

Wenige Tage vor der Schweizer Nationalratswahl am Sonntag ist die Alpenrepublik so tief gespalten wie selten zuvor. Auslöser ist der jüngste Vorschlag von Christoph Blocher, demzufolge straffällige ausländische Jugendliche ausgewiesen werden sollen - samt ihren Familien. Von Uta Harnischfeger

Christoph Blocherals Sprachrohr der SVP: Das Enfant terrible polarisiert das Land wie kein anderer© picture-alliance

Der milliardenschwere Justizminister ist selbst ernanntes Sprachrohr der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) und will eine Mitte-rechts-Regierung unter Ausschluss der Sozialdemokraten gründen. Damit bricht das Enfant terrible, das das Land polarisiert wie kein anderer, wieder ein Tabu. Denn das Prinzip der Konkordanz, wonach alle vier großen Parteien in der siebenköpfigen Regierung vertreten sind, ist den Schweizern heilig.

Das Land hat aufreibende Wochen hinter sich. In diesem Wahlkampf wurde "sehr, sehr stark provoziert", so Bianca Rousselot, Politikwissenschaftlerin bei der Wahlforschungsgesellschaft GFS Bern. Die Uno spricht schlicht von Rassismus. Die Schäfchenkampagne der SVP, in der weiße Schafe schwarze Schafe von der Schweizer Fahne stoßen, setzte einen fremdenfeindlichen und polarisierenden Ton. SVP-Wahlmottos wie "Schweiz statt Scharia" taten ihr Übriges.

Längst ist das populistische Rezept der SVP aufgegangen. Laut neuester Wahlumfrage würde sie mit 27,3 Prozent der Stimmen ihr Rekordergebnis von 2003 noch einmal leicht übertreffen, gefolgt von der Sozialdemokratischen Partei (SP) mit 21,7 Prozent.

200.000 Unterschriften für Ausweisung

Bereits am Montag erklärte die SVP einen weiteren Etappensieg. Sie gab bekannt, bereits 200.000 Unterschriften für die weithin umstrittene Ausschaffungsinitiative zu haben, die vorsieht, straffällige ausländische Jugendliche mitsamt ihren Familien aus der Schweiz auszuweisen. Menschenrechtler erinnert das Prinzip an die von den Nazis praktizierte Sippenhaft.

Zähneknirschend müssen auch die größten Kritiker zugeben, dass die SVP mit der Thematisierung von Ausländerkriminalität, Jugendgewalt und Sozialmissbrauch die Bürger mobilisiert. "Die Globalisierung macht den Leuten Angst, und die SVP baut auf diesen Ängsten auf", so SP-Direktoriumsmitglied Maria Roth-Bernasconi. "Hier wird das rationale System durch ein emotionales System ersetzt."

Schlacht von Bern

Vielerorts liegen die Nerven blank. Am vorigen Wochenende endete eine von der SVP beantragte Demonstration in einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen vermummten Linksextremen und der Polizei. Bilder von der "Schlacht von Bern" gingen um die Welt. Der Schock sitzt so tief, dass man sogar über schärfere Gesetze für Randalierer nachdenkt.

"Mit (der Schlacht von) Bern fing der Schweizer Wahlkampf an überzukochen", sagte Rousselot. Für die Schweiz sind gewalttätige Ausschreitungen in einem Wahlkampf neu. "Das sieht man daran, dass die extreme Linke auf die Provokation der SVP reagiert." Die GFS erwartet, dass die Bilder von Vermummten und Rauchbomben der SVP erneut Aufschub geben werden.

Wie niemals zuvor scheint der Wahlkampf an den Grundfesten der Schweizer Demokratie zu rütteln. Noch nie war die unterschiedliche Finanzkraft einzelner Parteien - der Wahlkampf finanziert sich ausschließlich über anonyme Spenden - so offensichtlich. Deshalb fordert die SP jetzt eine Offenlegungsspflicht. "Als einzige Partei pflastert die SVP die Straßen mit ihren Plakaten zu. Da haben andere keine Chance mitzuhalten", so Wahlforscherin Rousselot. Beobachtern zufolge hat die SVP mindestens 20 Mio. Schweizer Franken (11,9 Mio. Euro) in diesen Wahlkampf gesteckt, etwa das 20-Fache des offiziellen Budgets der SP oder der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP).

Von Uta Harnischfeger
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
sheep (20.10.2007, 15:03 Uhr)
Sippenhaft nicht Bestandteil der Ausschaffunginitiative
Wie viele andere ausländische Medien (darunter die New York Times) hat auch Stern schlecht recherchiert:
Eine "Sippenhaft" ist keineswegs Gegenstand der Ausschaffungsinitiative, wie immer wieder fälschlicherweise behauptet wird.
Ich halte es für gefährlich, wenn solcher Unsinn in Medien verzapft wird, die den Anspruch auf Seriosität erheben und dadurch zu Unrecht ein falscher Eindruck von der Schweiz entsteht.
Wer sich die Mühe machen möchte, sich selber richtig zu informieren, kann den wahren Inhalt der Ausschaffungsinitiative hier nachlesen:
http://www.admin.ch/ch/d/ff/2007/4969.pdf
P.S.: Ich möchte nicht die Kampagne der SVP in Schutz nehmen (obwohl da auch von Vielen übertrieben wurde), aber Fakten sind Fakten und sollen nicht verdreht werden...
Saarvenom (20.10.2007, 05:24 Uhr)
Boykott?
Also ich finde ein Boykott würde in der Schweiz zuerst einmal denn kleinen Mann treffen und nicht denn Herrn Blocher und seine braunen äh... Mitterechts Kameraden. Es ist ja leider immer so.
Wenn das Volk der Schweiz eine solche Regierung haben will, lasst sie doch. Die gefährdung für Europa ist eher gering, das aus der Schweiz ein neues Deutsches Reich wird oder?
Es gibt eigendlich nur Zwei Szenarien die dann infrage kämen.
Ersten die Schweizer lernen das die SVP nichts als ein Verein von Schwätzern ist. Und das sie gar nichts besser machen können als die etaplierten Parteien.
Oder die SVP bewirkt wirklich etwas mit ihrer Politik. Was ich nicht glaube und wenn doch muss ich mir mal über meine Weltanschauung gedanken machen.
Sorgen mache ich mir nur um die Ausländer die in der Schweiz wirklich ein rechtschaffendes Leben führen, da eine solche Regierung wohl keinen unterschied machen würde.
gruss
Oetker333 (19.10.2007, 10:41 Uhr)
Schweizer
Typisch Schweiz! Hatten sich während des Zweiten Weltkrieges Deutschland finanziell unterstützt. So konnten sie sich über den Krieg totlachen während an den Grenzen die Bomben fielen. Die Schweizer denken halt nur an sich! Man sollte auch daran denken das die SVP die Zahl deutscher Studenten und Einwanderer in der Schweiz drastisch verringern will. Viele vergessen das die Deutschen dort auch als Ausländer gelten! Falls die SVP sich durchsetzen sollte sollte man das Land wirtschaftlich boykottieren, die Grenzen sperren und die EU-Verträge auflösen. Sowas hat man ja auch mit der demokrat. gewählten Hamasregierung gemacht. Wieso macht man sowas auch nicht mit der Schweiz?
Evil-King (18.10.2007, 07:35 Uhr)
@@@
@ mufeline: Das die kriminellen Ausländer ggf. ausgewiesen werden, seh ich ja noch ein. Aber die Idee von Blocher sieht vor, gleich noch die ganze restliche Familie deswegen rauszuwerfen... Wo das Problem ist? Ganz einfach. Ihr seit so oberflächlich und schiebt die Taten eines Einzelnen gleich allen Ausländern in die Schuhe. Könnte ich auch sagen: Hmm, Hitler hat scheisse gebaut, also sind alle Deutschen Nazis! Oder?
@alestopholus:
Hier gehts um die Schweiz und nicht Österreich du Nap! Lern lesen. Aber langsam und gründlich...
An sich kann ich mich mit Saarvenoms Aussage wohl am Ehesten identifizieren. Zuzufügen wäre evtl. noch, dass gerade die Europäer das Faible haben, ihre eigene Unfähigkeit anderen zur Last zu legen.
Saarvenom (18.10.2007, 06:17 Uhr)
Ist doch klar
Also,
der Aufschwung der Rechten in der Schweiz ist ganz klar zu 80 % dem grossen finanzielen Potenzials zuzuschreiben. Ich meine ja das Blocher selbst der grosse Geldgeber der Partei ist.
Die übrigen 20 % sind ganz einfach Angst vor der Globalisierung und natürlich Protestwähler...
Aber ich muss gestehn, das es auch ein Anreiz für manchen Wähler ist denn Schwarzen Peter einfach Ausländern zuzuschieben. Wenns einem Schlecht geht(So sagt es ja die SVP) mus ja einer Schuld haben, und das sind natürlich die Ausländer.
Ich bin mit sicherheit nicht Links oder Rechts, aber selbst ein Blinder sieht die Probleme in Europa...
gruss
kaisergarten (17.10.2007, 23:46 Uhr)
..kein Wunder
Das ist das Problem. Alle ärgerlichen, weil politisch unkorrekten Themen werden so lange unterdrückt, bis sich die rechten Parteien dieser annehmen. Deutschland hat Glück, dass es hier nur die ekelhafte NPD mit völlig grenzdebilen Gestalten gibt– eine SVP öder auch FPÖ würde auch bei uns ihre 15 – 20% bekommen.
JC86 (17.10.2007, 23:44 Uhr)
... nix...
...die Mühe muss sich die SVP doch garnicht machen. Die linke Szene definiert sich doch zu einem großen Teil aus Krawallmachen und Krawallmachern. Ich bin froh, dass die Linken der SVP so schön in die Karten gespielt haben, so könnten sich vielleicht schon bald wieder normale Denkstrukturen in der Gesellschaft durchsetzen.
Lynx2 (17.10.2007, 23:01 Uhr)
Ach ja...
Ich frag' mich, wieviel die sogenannten Linksautonomen von der SVP für die Wahlkampfunterstützung in Bern kassiert haben....
NightflyerX (17.10.2007, 22:45 Uhr)
Das Problem betrifft nicht nur die Schweiz
In wievielen Ländern der EU sind mehr Ausländer des Landes inhaftiert als Inländer? Ich kritisiere vorallem die Methoden der SVP wie sie diese Probleme aufbauscht und bewusst in Szene setzt nur damit die Aufmerksam steigt und ihre Wahlkampagne mehr Erfolg hat. Aber von nichts und wieder nichts kommt ihr Erfolg halt auch nicht. Die Ängste der Bevölkerung wegen Ausländer und der damit zusammenhängenden Gewaltszene (und Terror), andere Religionen, Arbeitslosigkeit, Lohndumping etc. ist da und präsenter den je.
Und nein dies betrifft nun wirklich nicht nur die Schweiz, sondern die gesamte EU. Denn da es uns ja allen so gut geht haben wir Angst es zu verlieren. Die Schweiz rückt halt jetzt grade wieder in den Mittelpunkt weil sie dermassen mediales Echo hervor ruft.
alestopholus (17.10.2007, 22:40 Uhr)
Frisches
Österreich. Respekt !!
Würde in Deutschland auch nur einer soetwas in Betracht ziehen, käme gleich der Vorwurf des Rechtsextremismusses oder Fremdenfeindlichkeit. Da ginge jeder gesunde Menschenverstand den Bach hinunter !!
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