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17. März 2008, 07:31 Uhr

China schottet Tibet ab

Der Konflikt in Tibet spitzt sich weiter zu. Bei Razzien in der Hauptstadt Lhasa haben chinesische Sicherheitskräfte offenbar Hunderte von Tibetern festgenommen. Die chinesische Regierung verhängte mittlerweile ein Einreiseverbot für Touristen. Alle Ausländer wurden aufgefordert, das Hochland zu verlassen.

Chinesische Polizisten bei einem Aufmarsch am Sonntag in der Provinz Gansu© Reuters

Die chinesischen Sicherheitskräfte haben bei Razzien in der tibetischen Hauptstadt Lhasa nach exiltibetischen Angaben Hunderte von Tibetern festgenommen. Wie das exiltibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) am Montag aus Indien berichtete, gibt es solche Razzien seit Sonntag. Die Sicherheitskräfte gingen von Haus zu Haus und nähmen alle verdächtigen Tibeter, insbesondere junge Leute fest. Dabei würden die Tibeter auch geschlagen. Es seien bereits alle früheren politischen Häftlinge aufgegriffen und wieder in Haft genommen worden.

Schüsse aus Demonstranten

Die Proteste hatten am Wochenende von Lhasa auch auf andere Orte sowie auf Klöster in anderen Regionen des alten tibetischen Territoriums in den angrenzenden Provinzen Gansu, Sichuan und Qinghai übergegriffen. Nach einer Demonstration in Aba (Ngaba) in Sichuan seien acht Tote in das Ngaba Kirti Kloster gebracht worden, berichtete das TCHRD-Zentrum. Bewaffnete Sicherheitskräfte hätten "wahllos in die friedlich protestierenden Tibeter geschossen".

Auch in der Provinz Gansu sei es zu weiteren Protesten gekommen, wie erst am Montag bekannt wurde. Rund 500 tibetische Studenten an der North Western Nationality University in der Provinzhauptstadt Lanzhou hätten auf dem Universitätsgelände demonstriert und Flugblätter verteilt, berichtete das exiltibetische Zentrum. Sicherheitskräfte seien gegen die Demonstranten vorgegangen und hielten 300 von ihnen auf dem Gelände fest.

Von Zwischenfällen berichtete die Organisation auch aus zwei Orten im Kreis Maqu in Gansu. 1500 Tibeter hätten am Sonntag in der Kreisstadt Maqu für Unabhängigkeit demonstriert und ein Auto in Brand gesetzt. In Nyurla zerstörten 250 Tibeter die Türen von Amtsstuben, holten die chinesische Nationalfahne ein und hissten dafür die tibetische Flagge. Paramilitärische Polizei sei auf Lastwagen in die Gegend gebracht worden, um Proteste zu unterbinden.

Chinesen riegeln die Region ab

Die Behörden haben unterdessen alle Ausländer zum Verlassen des Hochlands aufgefordert. Unter Hinweis auf die angespannte Sicherheitslage werden auch keine ausländischen Touristen mehr in die Region gelassen. Nach Angaben des tibetischen Regierungschefs Qiangba Puncog sind bei den Ausschreitungen 13 Menschen ums Leben gekommen. Die Opfer seien niedergestochen worden oder verbrannt.

Der Regierungschef bestritt auf einer Pressekonferenz in Peking exiltibetische Angaben, dass 90 Menschen ums Leben gekommen seien. Bei dem Einsatz gegen die tibetischen Demonstranten seien 61 Polizisten verletzt worden, davon sechs schwer. Unklar blieb, wie viele Tote es auf Seiten der tibetischen Demonstranten gegeben hat.

Ausdrücklich hob der Regierungschef hervor, dass Sicherheitskräfte nicht auf Demonstranten geschossen hätten. Alle Gewalt sei von tibetischen Unruhestiftern ausgegangen. Er sprach von einer "Verschwörung" heimischer und ausländischer Unabhängigkeitskräfte. Auch sei nicht die Armee eingesetzt worden, sagte der Regierungschef. Es habe sich um Polizei und paramilitärische Kräfte der sogenannten Bewaffneten Polizei (Wujing) gehandelt. Die Soldaten der Volksbefreiungsarmee seien am Samstag eingetroffen, um beim Aufräumen zu helfen.

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DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
Ivanfi (17.03.2008, 13:00 Uhr)
Wer Wind sät, wird Sturm ernten.
@georgy_22:
„wie konnte das 3.Reich nur sein und warum hat es keiner verhindert?“. Weil ALLE mit den Nazis gute Geschäfte gemacht haben.
Ich denke das ist Nazivergleich. Offensichtich möchten Sie meiner Empfehlung nicht folgen, mit der Kehrmaschine vor der eigenen Haustür.
Und:
Wer Wind sät, wird Sturm ernten.
georgy_22 (17.03.2008, 11:47 Uhr)
@Ivanfi
Vielen Dank für die guten Lebenstips, ich bin von Ihren Phrasen schwer beeindruck! Mir fehlt nur leider der Zusammenhang mit meinem Kommentar. Macht aber nichts. ;-)
Martin142 (17.03.2008, 11:34 Uhr)
Neutrale Untersuchung dringend geboten
Die Chinesen beschweren sich darüber, dass ihnen die Schuld für den aktuellen Gewaltausbruch in die Schuhe geschoben wird, obwohl diesmal kein Demonstrant von der Polizei erschossen, sondern im Gegenteil Chinesen von radikalen Tibetern verbrannt worden sind.
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Egal wie viele Fotobeweise es dafür geben mag, hier will ihnen das kaum jemand glauben.
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Also soll China doch bitte dem Vorschlag des Dalai Lama zustimmen: Ein paar neutrale Leute sollen sich vor Ort schnell ein erstes Urteil darüber bilden, was wirklich geschehen ist und die Weltöffentlichkeit über die Wahrheit informieren. Wenn stimmt, was China sagt, kann China dabei nur gewinnen.
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Gleichzeitig würde dadurch das Bewußtsein wachsen, dass gemäßtigte Kräfte eine Lösung vorantreiben müssen, statt den Radikalen das Feld zu überlassen.
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Für beide Seiten wäre es eine gute Gelegenheit, über ihren Schatten zu springen und aufeinander zuzugehen. Wenn ich richtig informiert bin, war ein Kopromiss schon mal ganz nah, bei dem Tibet eine lebenswerte Autonomie innerhalb von China möglich geworden wäre.
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Wäre es nicht schön, wenn sich das Chinesische Staatsoberhaupt und der Dalai Lama bei Olympia die Hand zur Versöhnung reichen könnten für eine bessere Zukunft in Tibet? - China und wäre die Achtung der Welt sicher.
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Martin Berger
Ivanfi (17.03.2008, 10:30 Uhr)
Ruhig Blut!
Wer mit Nazivergleich hantiert, sollte lieber vor der eigenen Haustür kehren. Da hat sich jetzt grade eine Menge stinkender Mist angesammelt. Siehe völkerrechtswidrige Handlungen des Westens auf dem Balkan, vgl. München 30.9.1938. In der Ruhe liegt die Kraft und nicht in Aufgeregtheiten, „georgy_22“…..
Mit dieser westlichen Provokation (konspirativ vom indischen Territorium gesteuert, aus den USA finanziert) wird China in der Kosovo-Frage, Iran-Frage, Darfur-Konflikt, Irak-, Afghanistan-Abenteuer des Westens, etc., und überhaupt in allen Fragen der Welt zum erbitterten Konfrontationskurs gegenüber dem Westen, insbesondere gegen die USA gedrängt.
Eine solche Politik, die Chians Grundmauern erschüttern will, wird diejenigen selbst in Bedrängnis steuern, die hier die zahlreichen Hebel gegen China bewegen. Wer Wind sät, wird Sturm ernten.
georgy_22 (17.03.2008, 09:58 Uhr)
Wie im 3. Reich!
Heute wir immer wieder die Frage gestellt, „wie konnte das 3.Reich nur sein und warum hat es keiner verhindert?“. Weil ALLE mit den Nazis gute Geschäfte gemacht haben. Und das Gleiche passiert gerade in China! Und, macht HEUTE jemand etwas dagegen? Nein, weil das Geld schon immer mehr Wert war als eine Menschenleben und das auch immer so sein wird - leider.
SirDidimus (17.03.2008, 09:43 Uhr)
ganzbaf
neulich ein test im fernsehen: eine familie versucht ohne produkte aus china auszukommen. hat zwar geklappt, war aber sehr, sehr schwer.
schlimm finde ich, dass jetzt nur noch danach geguckt wird, dass die olympischen spiele nicht ausfallen dürfen. ich finde man sollte durch boykott ein eindeutiges zeichen setzen. fallen die spiele halt aus. aber der vom iok meinte schon, dass würde die sportler hart treffen... so eine verlogenheit...
Ivanfi (17.03.2008, 09:41 Uhr)
BRD-Propagandaschema
"ganzbaf" sagt: "...Leute auszubeuten, Arbeitsplätze zu verlagern und die Umwelt zu versauen."
So sind wir schon in unseren so herrlichen, lieb gewonnen Propagandastrukturen:
Und wenn der Dalai Lama für das Kyoto-Protokoll, gegen Wahlfang, gegen die Abholzung von Regenwälder, gegen Atomkraftwerke und Castor-Transporte, gegen ALDI und LIDL ist, der Dalai Lama kämpft für die weltweite Reduktion vom CO2-Emissionen, ist für erneuerbare Energien, für das Mehrwegsystem, für rauchfreie Gaststätten, für Umweltzonen, für Muslime, für Migration und Microkredite und vor allem der Dalai Lama ist gegen NOKIA – dann hat er im Sturm die Herzen Deutschlands erobert und Hu Jin Tau kann reumütig einpacken.
ganzbaf (17.03.2008, 09:27 Uhr)
„Wandel durch Handel"...

Was für eine verlogene Scheisse.
Mit Verbrechern macht man keine Geschäfte!
Schon gar nicht wenn der einzige „Wandel" darin zu bestehen scheint, Leute auszubeuten, Arbeitsplätze zu verlagern und die Umwelt zu versauen
wallerer (17.03.2008, 09:10 Uhr)
Und wieder einmal
schweigt die Welt.
Offensichtlich toleriert die Weltgemeinschaft Übergriffe gegen Völker, die sich nicht im Besitz von Bodenschätzen befinden.
Wären in Tibet oder Darfur Diamanten zu schürfen oder Öl zu fördern, hätten sich Russland oder die USA schon längst eingemischt.
undjetztnochder (17.03.2008, 08:59 Uhr)
Okkupation
Die Chinesen haben Tibet anektiert und es mal eben als "Chinesische Provinz" deklariert. Aber es bleibt eine illegale Besatzung, die von der Mehrheit der Tibeter nicht gewollt wird. Das Völkerrecht wird hier mit den Füßen getreten, und nur weil China - scheinbar - so stark ist, tut keiner etwas dagegen und der jahrzehntelange gewaltlose Widerstand des Dalai Lama wird überhaupt nicht honoriert. Und da hier alle kuschen, machen wir die Chinesen noch mächtiger und selbtbewusster als sie es ohnehin schon sind. Es gibt nur eine Chance etwas dagegen zu tun: eine Allianz der großen Staaten (Russland, Europa, Amerika) gegen China, und dann mit aller Deutlichkeit klare Forderungen stellen: Abzug aus Tibet, vorbehaltlose Anerkennung Taiwans, Einhaltung von Umweltstandards und Menschenrechten. Wenn nicht: Olympiaboykott (Image), Wirtschaftsboykot (der tut richtig weh). Aber leider ist so eine Allianz wohl nicht zu realisieren...
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