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13. Juni 2008, 19:09 Uhr
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Iren stoppen den EU-Vertrag

Es ist ein schwarzer Tag für die Europäische Union: 53,4 Prozent der Iren haben den neuen EU-Grundlagenvertrag abgelehnt. Das Nein zum EU-Vertrag von Lissabon ist ein schwerer Rückschlag für die 27 Staaten große Gemeinschaft. Europapolitiker warnen bereits vor einem Zerfall der Union.

Die Iren haben über den EU-Reformvertrag abgestimmt - und ihn offenbar abgelehnt© Peter Morrison/AP

Die Iren haben den EU-Reformvertrag abgelehnt. Nach Angaben des irischen Fernsehens stimmten 53,4 Prozent gegen den Vertrag von Lissabon, nur 46,6 Prozent dafür. Das Endergebnis wurde offiziell um 17 Uhr MESZ verkündet werden.

Ausgang ungewiss

Drei Millionen Iren waren am Vortag aufgerufen, über die Zukunft der EU abzustimmen. Nach Medienangaben lag die Wahlbeteiligung lediglich bei 45 Prozent. Irland ist das einzige der 27 EU-Länder, in dem das Volk über den Vertrag von Lissabon befindet. Stimmen die Iren mit Nein, kann das jahrelang verhandelte Vertragswerk voraussichtlich nicht wie geplant 2009 in Kraft treten. Für die EU käme das einer Katastrophe gleich.

Einer der bedeutendsten Europaparlamentarier kann sich sogar einen Zerfall der Union vorstellen: "Unter Umständen kommen wir zu einer Umgründung der EU", sagte Martin Schulz, Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europaparlament (SPE). Wenn sich der Reformvertrag ohnehin nicht umsetzen lasse, könnten die integrationsfreudigsten Staaten auch zum progressiveren EU-Verfassungsentwurf zurückkehren. "Theoretisch wäre es ja möglich zu sagen: Die Staaten, die die Verfassung wollen, setzen sie in Kraft und kündigen alle alten EU-Verträge." Damit würden die übrigen Länder in Zugzwang geraten, argumentierte Schulz. In jedem Fall aber will Schulz bei einem Nein der Iren den Erweiterungsprozess der EU stoppen.

Zustimmung aller großen Parteien

Die Wahllokale hatten bereits am Donnerstag um 22 Uhr Ortszeit (23 Uhr MESZ) schlossen, mit der Auszählung in den 43 Wahlbezirken wurde jedoch erst am Freitagvormittag begonnen.

Die Reformverträge folgen der EU-Verfassung, die vor drei Jahren an Referenden in Frankreich und den Niederlangen gescheitert war. Auch die Iren hatten schon einmal Probleme bereitet, als sie 2001 den Vertrag von Nizza ablehnten. Erst im zweiten Anlauf stimmten sie zu. Der Vertrag von Lissabon, der die EU effektiver machen soll, wurde bisher von 18 Ländern im Parlament ratifiziert.

Alle großen Parteien in Irland hatten ein Ja unterstützt. Ministerpräsident Brian Cowan sagte bei seiner Stimmabgabe, er habe alles in seiner Macht stehende getan, um die Wähler vom Nutzen des Vertragswerks zu überzeugen. Die Gegner hätten indessen nur Ängste geschürt und falsche Informationen verbreitet.

Die Ablehnung eines EU-Vertrags ist in Irland allerdings kein Novum: Bereits 2001 lehnte das Volk den früheren EU-Vertrag von Nizza ab, nach einer Änderung wurde er im Oktober 2002 dann aber doch gebilligt. Viele Analysten plädierten deshalb bereits im Vorfeld dafür, notfalls auch ein zweites Referendum über den Vertrag von Lissabon anzusetzen, um sein Scheitern zu verhindern.

Die Gegner des Vertrags lehnen das Vertragswerk ab, weil sie befürchten, dass dadurch der Einfluss Irlands in Brüssel geschmälert wird.

Der Vertrag von Lissabon Der Reformvertrag soll die EU effizienter und demokratischer machen. So werden die Mitspracherechte des Europaparlaments ausgeweitet. Anstelle der halbjährlich wechselnden Ratspräsidenten soll es ab 2009 ein auf zweieinhalb Jahre berufenes EU-Oberhaupt geben. Im Jahr 2014 soll außerdem die EU-Kommission verkleinert werden. Der EU-Reformvertrag löst den Entwurf einer Europäischen Verfassung ab, der im Sommer 2005 an Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden gescheitert war.

Reuters/DPA
KOMMENTARE (10 von 92)
 
deholgi (15.06.2008, 09:44 Uhr)
Lasst die Menschen abstimmen
Wieso lässt man die Menschen in der EU nicht darüber abstimmen, wie ihr weiteres Leben in dieser Gemeinschaft gestaltet werden soll?
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Haben unsere Volksverräter Angst, das ihre kruden, und nur der Machterweiterung geltenden Gesetze abgelehnt werden?
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Und wenn sie meinen, wie auch in einigen Kommentaren hier im Forum angedeutet, diese Regeln zu kompliziert seien um sie von einem "einfachen" Menschen verstanden zu werden, dann sollte man diese Regeln halt auch so formulieren, dass sie dieser auch versteht.
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Wenn ich mich als Politiker oder Machthaber hinter komplexen Formulierungen verstecken muss, dann kann da irgendetwas nicht stimmen.
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Also zurück zur Einfachheit, damit zumindest die Mehrheit versteht was in der EU abgeht. Vielleicht hat man dann auch wieder mehr Zustimmung in der Bevölkerung.
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Holgi
ecomoc4u (14.06.2008, 11:51 Uhr)
die meinung der leser dieses forums
stellen sich zu über 90% auf die irische seite. das ist schon sehr merkwürdig. wo doch die eu vertreter uns verkaufen wollen, das sie eine super sache machen.
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wer genau wissen will, wie sehr wir belogen werden, der sollte sich den film: www.zeitgeistmovie.com angesehen haben. und auch dieser film zeigt nicht alles, was die NEW WORLD ORDER elite mit uns vor hat.
H.P. (14.06.2008, 09:12 Uhr)
EU-Reform
Die EU-Reform ist weder mir noch den wenigsten Menschen, die in den europäischen Länder wohnen bekannt, ich weiß nicht einmal was die EU- Reform beinhaltet. Fakt ist, dass Volk lebt in eine andere Realität wie unsere Volksvertreter in Europa leben. Man hat Angst vor einer Volksentscheidung, ich frage mich nur, wer ist der Staat, wer ist Europa, sind wir es nicht: die Macht geht vom Volke aus, wir haben also die Macht Entscheidungen mit zu treffen.
Die Demokratie existiert nur dann wirklich, wenn alle, die die Gemeinschaft ausmachen, ihre innersten Wünsche frei und kollektiv, in der Autonomie ihrer persönlichen Sehnsüchte und in der Solidarität ihrer Koexistenz mit anderen, äußern können und wenn es ihnen gelingt, das, was sie als den individuellen und Kollektiven Sinn ihres Daseins erkennen, in Institutionen und Gesetze zu verwandeln. Jean Ziegler
jzee (14.06.2008, 01:33 Uhr)
[x] Nein zur EU
hätte ich auch gestimmt! Es freut mich das die Mehrheit hier ebenso denkt! Das lässt mich noch auf eine bessere Zukunft hoffen!
Wie schon erwähnt: Aus Brüssel kommen Dinge wie Vorratsdatenspeicherung, RFID Ausweise, T€uro... das ganze wirkt wie eine vorbereitung zu einer Europa Diktatur!
Vllt konnten die Iren etwas bewegen mit Ihrer Wahl! Und wenn sich wirklich etwas ändern sollte, dann ist die Mehrheit des europäischen Volkes Irland auf ewig dankbar!
Und ich sag es jetzt schonmal: Danke Irland!
albundy69 (14.06.2008, 00:14 Uhr)
Streber Hoffermaier
wahrscheinlich waren Sie in Ihrer Jugend ein ganz übler Streber, ein ganz übler Schleimer...und ich kann Ihnen bestätigen, Sie sind noch keinen Schritt weiter !
taucher1102 (13.06.2008, 23:20 Uhr)
@felixhoffmeyer
So Herr Schlaumeier, dann machen Sie doch mal den Erklärbär für den dummen deutschen Michel.
felixhoffmeyer (13.06.2008, 23:17 Uhr)
@nightmare online
Der Grund, warum man den Reformvertrag hier nicht diskutiert:
[x] Zu kompliziert für den dummen deutschen Michel
ABSOLUT!! Und deswegen ist es gut so, dass hier nicht abgestimmt worden ist! Sonst wäre aus der Wahl eine Wahl gegen die Spritpreise geworden und ein sachfremdes Ergebnis erzielt worden.
kralli19 (13.06.2008, 19:23 Uhr)
EU-Vertrag
Tja, leider hat dieses Machwerk eben nicht nur seine guten Seiten, sondern auch ganz böse düstere - und allein die rechtfertigen eine Ablehnung.
Ausserdem ist es schon mehr als frech, die EU-Verfassung, die ja schon abgelehnt wurde, einfach einen anderen Namen zu geben, um damit Zustimmungsverfahren auszuhebeln und dann als "Vertrag" wieder vorzulegen - das zeigt, wessen Geistes Kind die sind.
DANKE IRLAND
albundy69 (13.06.2008, 18:37 Uhr)
@Eisenbär und Ella
Seid/bist ihr/du eine Person die sich hier selbst lobt, oder gibt es 2 dermassen anmassende Menschen, die sich selbst als "simply gut" einstufen und sich dieses dann natürlich gegenseitig bestätigen lassen müssen ?
Ihr/Du seit/bist PEINLCH !
Justizius (13.06.2008, 18:32 Uhr)
EU ist Pfusch
Jedes Mal, wenn ein Land sich gegen die EU ausspricht, werden alle politischen Pfuschwerkzeuge ausgepackt, damit das Land doch noch zustimmt - alles im Auftrag von mächtigen Konzernen. Denen ist es nur Recht, wenn Zollhürden fallen, der Absatzmarkt sich vergrößert und sich die einzelnen Wirtschaftsräume in einem Lohn- und Preiskrieg gegeneinander ausspielen. Der Politiker stellt als Lobbyist, im Auftrag der mächtigen Konzerne, dafür die Weichen. Hoffentlich hält auch das "Nein" der Iren den politischen Folterwerkzeugen stand. Das wäre ein echter Sieg für die Demokratie in diesem Land.
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