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8. Juli 2009, 13:16 Uhr

Iren stimmen am 2. Oktober nochmal ab

Der erste Versuch war gescheitert, deswegen sollen die Iren jetzt erneut ran: Am 2. Oktober stimmt Irland zum zweiten Mal über den Lissabon-Vertrag ab. Das EU-Abkommen kann erst in Kraft treten, wenn er von allen EU-Staaten ratifiziert ist. Neben dem fehlenden "Ja" aus Irland stehen noch drei weitere Länder auf der Kippe.

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Die anderen EU-Mitglieder hatten Irland Zugeständnisse gemacht, nachdem das erste Referendum gescheitert war© Rainer Jensen/DPA

Das Datum für das zweite Referendum in Irland zum EU-Vertrag von Lissabon steht: Die Volksabstimmung werde am 2. Oktober abgehalten, teilte der irische Ministerpräsident Brian Cowen am Mittwoch mit. Cowen sagte, er sei zuversichtlich, dass die Wähler das Werk nun annehmen würden. In einem ersten Referendum vor einem Jahr hatten die Iren das Vertragswerk abgelehnt und die Europäische Union damit in eine schwere Krise gestürzt.

Mitte Juni handelte Irland dann ein Zusatzprotokoll aus: Das irische Abtreibungsverbot bleibt durch den Reformvertrag von Lissabon ebenso unangetastet wie die Steuerpolitik und die Neutralität der Iren in Verteidigungsfragen. Die Garantien waren im Juni auf einem EU-Gipfel förmlich beschlossen worden. Dieses Entgegenkommen habe den Weg für das neue Referendum geebnet, sagte Cowen. "Auf dieser Grundlage habe ich vorgeschlagen, dass wir die Menschen erneut um Zustimmung bitten werden, um den Vertrag zu ratifizieren."

Irland ist das einzige der 27 EU-Länder, in dem über den Vertrag vom Volk abgestimmt werden muss. Der Lissabon-Vertrag soll die EU reformieren und effektiver machen. Einer Umfrage von Anfang Juni zufolge würden diesmal 54 Prozent der Iren für den Lissabon-Vertrag stimmen und 28 Prozent dagegen. Im Juni vergangenen Jahres hatten sie den Reformvertrag mit 53 Prozent Nein-Stimmen durchfallen lassen.

Erst wenn alle EU-Mitglieder den Vertrag ratifiziert haben, tritt er in Kraft. Außer der fehlenden Zustimmung aus Irland gibt es noch in drei weiteren Ländern Hürden:
Deutschland: Hier darf der EU-Reformvertrag nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vorerst nicht ratifiziert werden. Bevor Bundespräsident Horst Köhler seine Unterschrift unter den Vertrag setzt, müssen zunächst die Beteiligungsrechte von Bundestag und Bundesrat gestärkt werden.
Tschechien: Der als EU-kritisch bekannte Staatspräsident Vaclav Klaus hat das Abkommen noch nicht unterschrieben. Klaus hat mehrfach betont, er werde allenfalls darüber nachdenken, den Vertrag zu ratifizieren, wenn die Iren bei einer neuen Volksabstimmung mit Ja stimmen.
Polen: Auch der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski muss den Vertrag noch unterzeichnen. Kaczynski gehört zum EU-skeptischen Lager. Er will seine Zustimmung erst nach einem Ja Irlands geben.

AFP/AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
RDUKE7777777 (08.07.2009, 18:25 Uhr)
Wenn die Ergebnisse echt sind, werden die Iren zum Zweiten mal "No!" sagen
Ich meine was hat sich denn geändert? Warum sollten jetzt mehr Leute zu Ja!-Stimmen motiviert sein? Warum sollten Leute von Nein auf Ja umschwenken? Und die Leute, die letztes Mal Nein gestimmt haben werden sicherlich wieder zur wahl gehen, wobei sich Leute die mit Ja gestimmt haben wohl eher verarscht vorkommen werden. wir werden sehen.
galonero (08.07.2009, 16:14 Uhr)
Irland
Demokratie, der Traum der Wähler,
der Alptraum der Regierungen!!!!
bR4iNST0RM (08.07.2009, 15:53 Uhr)
Demowas?
Es ist ja auch keine Demokratie, sondern eine Demokratur, auf die Europa baut.
So, wie viele hier schon erkannt haben, ist es die Regel: es wird solange abgestimmt, bis das Ergebnis den Regierenden gefällt. Europa ist Utopie. Kein schlechter Gedanke, aber nie Umsetzbar. Es wird immer Reiberein geben und wenn ich das richtig verstanden habe, wird auch mit „diplomatischen Verhandlungen“ – sprich Knüppel auf den Kopp – der letzte sein „freiwilliges Ja“ zu Europa ausgequetscht. Wie es zuletzt hier in Deutschland mit dem Euro gemacht wurde, schließlich wurde jeder Bürger gefragt, oder etwa nicht?!
Das „Ganze“ kann ich heute noch nicht erahnen, aber was die Vögel vom Dach zwitschern hört sich nicht gut an. Wir werden es erleben, oder eben auch nicht.
Gewissen (08.07.2009, 15:44 Uhr)
Es wird so lange abgestimmt...
...bis das Ergebnis den Regierenden passt.
Das ist eigentlich die Demokratie der Diktatur.
Pfui!
Malt (08.07.2009, 15:19 Uhr)
Jedesmal...
...wenn ich unsere Politiker von Demokratie reden höre, muss ich lachen bis mir die Tränen kommen... im Grunde ist es trauriger Witz...
Latze (08.07.2009, 14:50 Uhr)
Liebe Iren,
bleibt Standhaft und jagd den Vertrag zum Teufel wo er hingehört.
endbenutzer (08.07.2009, 14:08 Uhr)
Und wieder einmal...
...wird solange abgestimmt, bis das Ergebnis den Regierenden gefällt. Ein Hoch auf die Demokratie!
kabelmann (08.07.2009, 14:02 Uhr)
Sehe ich ebenso
Im Normalfall müsste man die geänderten Regelungen noch einmal in allen Ländern ratifizieren lassen.
.
Übrigens halte ich solche rechtlich fragwürdigen Tricks, aus einer Verfassung Verträge zu machen, um dadurch um Volksabstimmungen herumzukommen, für sehr fragwürdig.
.
Für Europa heißt das weiterhin nur: Hier gehts nicht um ein Zusammenwachsen der europäischen Bevölkerungen, sondern eher darum, dass Regierungen das auslagern können, was sie national nicht durchbekommen werden.
.
In ein paar Jahren schauen wir ganz doof aus der Wäsche, wartets nur ab
Reality (08.07.2009, 13:57 Uhr)
Das nenne ich echte Demokratie...
so lange abstimmen lassen bis das Ergebnis passt.
Die Väter der Demokratie würden sich im Grabe drehen.
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