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2. November 2011, 20:20 Uhr

Herminator in Nöten

Er ist der Shootingstar der US-Republikaner, liegt in Umfragen vorne: Herman Cain, der schwarze Anti-Obama. Doch jetzt könnten ihm Vorwürfe zum Verhängnis werden, er habe Frauen sexuell belästigt. Von Florian Güßgen

Herman Cain, US-Präsidentschaftswahlen, US-Wahl, Republikaner, Mitt Romney, sexuelle Belästigung, Vorwürfe

Derzeit ganz vorne bei den US-Republikanern: Herman Cain. Nur: Wie lange noch?© Alex Wong/Getty Images

Es ist Herman Cains erste echte Feuerprobe in diesem Wahlkampf. Und vielleicht auch schon seine letzte. Seit Wochen liefert sich der 65-Jährige im parteiinternen Rennen der US-Republikaner um die Präsidentschaftskandidatur 2012 ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Mitt Romney, dem bisherigen Spitzenreiter in den Umfragen. Zuletzt hatte Cain sogar zumeist die Führung übernommen. Völlig überraschend scheint der erzkonservative Ex-Manager derzeit eine Chance zu haben, in den Vorwahlen zu bestehen und der Herausforderer Barack Obamas zu werden.

Und jetzt das. Am Sonntag berichtete das Online-Magazin "Politico", es stünden Vorwürfe im Raum, Cain habe in den späten Neunzigern, während seiner Zeit als Chef einer Lobbyorganisation der Gastronomie, zwei Frauen sexuell belästigt. Später sei Geld geflossen, um sie zum Schweigen zu bringen. Seither muss sich der eloquente Angreifer Cain verteidigen - und macht dabei keine Figur. Nur scheibchenweise rückt er mit der Wahrheit heraus, widerspricht sich, beruft sich auf Erinnerungslücken, spielt die Vorfälle herunter. Nun droht ihm weiteres Ungemach: Eine der beiden Frauen, die bislang anonym sind, will ihren Fall öffentlich und konkret erläutern.

Es geht zu wie beim "Speed Dating"

Aber der Reihe nach. Die US-Republikaner haben derzeit ein Riesenproblem. Zwar ist Barack Obama schwer angeschlagen, unpopulär, vor allem die hohe Arbeitslosenquote lastet schwer auf dem Demokraten. Seine Gegner haben, wenn es nicht noch einen Schub auf dem Arbeitsmarkt gibt, gute Chancen, den vormaligen Hoffnungsträger im November 2012 aus dem Amt zu kippen. Doch: Sie haben keinen überzeugenden Gegenkandidaten. Über Monate hat sich nun Mitt Romney, vordem Hedgefondsmanager und Gouverneur im liberalen Ostküstenstaat Massachusetts, bei diversen TV-Debatten und in den ständigen Umfragen vorne gehalten. Romney ist ein Politprofi, auch der Mitte vermittelbar, wahrscheinlich durch und durch präsidiabel. Seine Kasse ist gefüllt. Aber er reißt niemanden mit, ruft keine Begeisterung hervor. Vielen gilt er als zu glatt.

Und deshalb sucht vor allem der rechte Parteiflügel, die Tea Party Bewegung, seit Monaten immer gehetzter nach einer charismatischeren Alternative. Vermeintliche Hoffnungsträger werden hochgejubelt und fallengelassen, in einer bemerkenswerten Geschwindigkeit. Zuerst gab es einen Hype um Michelle Bachmann, die Abgeordnete aus Minnesota, dann um Rick Perry, den Gouverneur aus Texas - und in den vergangenen Wochen hieß der neue Darling der Rechten eben Herman Cain. Die britische "Financial Times" bezeichnete die Suche der Republikaner dieser Tage treffend als eine politische Variante des "Speed Dating". Angucken. Und weg. Die Zeit drängt. Schon am 3. Januar beginnen die parteiinternen Vorwahlen mit einer Abstimmung im US-Bundesstaat Iowa. Danach folgen die Voten Schlag auf Schlag.

Pizzakönig mit Charisma

Cain hatte sich in den vergangenen Wochen zum Liebling der Rechten entwickelt. Den Ideologietest besteht er spielend. Abtreibungen lehnt er prinzipiell ab, selbst in Fällen von Vergewaltigung, beim Thema Einwanderung gibt er den Hardliner. Kürzlich schlug er vor, an der Grenze zu Mexiko doch einen Zaun unter Strom zu setzen, der illegale Einwanderer töten würde. Das sei doch ein Witz gewesen, sagte er später. Cain ist fromm, singt das Hohelied der Ehe, seit 43 Jahren ist er mit seiner Frau Gloria verheiratet - und inszeniert sich als Außenseiter, als jemand, dem nichts ferner liegt als der so verschriene Washingtoner Klüngel. Die entsprechende Vita hat Cain auch. Er stammt aus kleinen Verhältnissen, aus dem Südstaat Tennessee, hat sich zum Millionär hochgearbeitet. Sein Vater arbeitete zeitweise als Chauffeur bei Coca-Colas Topmanagern.

Auch Cain selbst fing bei dem Getränkegiganten an, bevor er als Manager zum Lebensmittelkonzern Pillsbury wechselte, wo er zum Chef der schwächelnden Tochter "Godfather's Pizza" avancierte. Später kaufte er die Firma auf, wurde zum "Pizzakönig". Seinen Ruhm begründeten dabei auch durchaus denkwürdige PR-Nummern. Bis heute ist im Netz ein Video zu finden, das zeigt, wie Cain, in eine weiße Robe gewandet, auf einer Bühne zur Melodie des John-Lennon-Songs "Imagine" sang: "Imagine, there's no pizza." Mahlzeit. In den Neunzigern arbeitete Cain zudem als Chef des US-Gaststättenverbands, der National Restaurant Association, bevor er sich auf eine Tätigkeit als Gastgeber einer Radio-Talkshow sowie als Buchautor verlegte. Die Pizzakette hat Cain mittlerweile verkauft. Vor ein paar Jahren erkrankte er an Krebs, überstand das Leiden jedoch - und sieht sich dadurch heute in dem Glauben bestärkt, dass sein Weg ins Weiße Haus von Gott vorgegeben sei. Cain ist auch niemand, der Skrupel hätte, genau das öffentlich zu formulieren.

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