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Wie Facebook und Twitter die Proteste vorantreiben

Soziale-Netzwerk-Seiten wie Twitter und Facebook spielen bei den Protesten in Ägypten und Tunesien eine wichtige Rolle. In ihnen versammeln sich junge, gebildete Menschen aus der Mittelschicht. Sie helfen dabei die Proteste zu organisieren.

Die Proteste in Ägypten und Tunesien haben vieles gemeinsam. Die Demonstranten hier wie dort eint der Ruf nach politischen und sozialen Reformen sowie mehr Bürgerrechten und Freiheiten. Und dabei eint sie auch ihre Vertrautheit mit dem Internet und der strategische Einsatz von sozialen Internetplattformen wie Twitter und Facebook, die jahrzehntealte Regentschaften wie die des ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak nur noch älter aussehen lassen. Die unter Druck geratenen Regierungen greifen in diesem "Informationskrieg" ebenfalls zu alten Waffen: zu Gewalt und Zensur.

"Was in Ägypten passiert ist, wurde gewissermaßen ganz und gar über Facebook organisiert", sagt der Blogger und Politikwissenschaftler Iskander el Amrani. Die Kanäle der Organisatoren waren wie in Tunesien die Plattformen Twitter und Facebook: Dort wurden die Aufrufe gepostet, die Slogans der Demonstrationen verbreitet und die Versammlungsorte verabredet. Den Anstoß gab die Bewegung 6. April: Auf ihre bei Facebook gestellte Frage: "Geht ihr am 25. Januar demonstrieren?" erhielten die Autoren binnen Kurzem 90.000 Ja-Antworten. Wenige Tage später sah Ägypten die größten Anti-Regierungsproteste seit 30 Jahren.

Die Cyber-Opposition bilden vor allem gebildete Mittelschichtsjugendliche, die sich mit den Lebensumständen in ihren Ländern nicht länger zufrieden geben wollen. Sie haben sich nach dem 6. April 2008 benannt: An diesem Tag fand in der Stadt Mahalla eine spontane Großdemonstration gegen die Regierung statt. Einen weiteren Schub erhielt die Bewegung durch Proteste nach dem Tod eines von den Sicherheitskräften gefolterten Bloggers.

Immer häufiger nutzen junge Ägypter das Internet. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Internetnutzer am Nil auf 23 Millionen - fast eine Verdoppelung im Jahresvergleich. Auch Handys verbreiten sich rasant. 65 Millionen Ägypter haben ein Mobilfunkgerät, amtlichen statistischen Angaben zufolge ein Zuwachs von 23 Prozent binnen Jahresfrist. Ägypten hat rund 80 Millionen Einwohner. Die neuen Medien sind die Säulen dieser heranwachsenden Cyber-Opposition, die auch bei Meinungsfreiheit längst im Maßstab des world wide web denkt.

Angesichts der Proteste versuchte die ägyptische Regierung offenbar, die Kommunikationswege zu kappen. Am Mittwoch war es nach Angaben der Beobachtungswebseite Herdict.org zweitweise unmöglich, Facebook aufzurufen, tags zuvor war Twitter gestört. "Ägypter haben bestätigt, dass Facebook heute morgen blockiert war", sagte Jillian York von der US-Universität Havard, wo Herdict.org aufgebaut wurde. Sechs Anzeigen seien eingegangen. Facebook stellte nach eigenen Angaben keine Veränderungen bei der Nutzung in Ägypten fest.

Laut Herdict.org war auch der schwedische Dienst Bambuser gestört, auf dem Handy-Videos eingestellt und live verfolgt werden können. Und auf dem Tahrir-Platz (Platz der Befreiung) im Zentrum Kairos, dem Brennpunkt der jüngsten Proteste, war am Dienstag kein Handyempfang mehr möglich.

US-Außenministerin Hillary Clinton forderte die ägyptische Regierung auf, die "friedlichen Demonstrationen nicht zu verhindern und die Kommunikation nicht zu stören, insbesondere die der sozialen Netzwerke nicht".

Die Behörden tun sich schwer mit den wegen kurzfristiger Verabredungen im Internet schwerer vorhersehbaren Protesten - bei denen sich auch die Stoßrichtung spontan ändern könne, sagt Amrani. Sein Wissenschaftskollege Amr el Schobaki stellt die Proteste der jungen Cyber-Opposition in scharfen Kontrast zu den herrschenden Verhältnissen: Ein Grund für die Wut sei "der politische Stillstand eines 30 Jahre alten Regimes". Tunesien sei das Vorbild. Von dort musste Präsident Zine El Abidine Ben Ali schließlich fliehen.

Christophe de Roquefeuil, AFP/AFP

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