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Das Duell ums Weiße Haus beginnt

US-Präsident Barack Obama bekommt wohl den Gegner, den er erwartet hat: Nach dem Verzicht von Rick Santorum spricht alles dafür, dass Mitt Romney für die Republikaner ins Rennen ums Weiße Haus geht.

  Duell ums Weiße Haus: Mitt Romney (l.) fordert für die Republikaner Präsident Barack Obama heraus

Duell ums Weiße Haus: Mitt Romney (l.) fordert für die Republikaner Präsident Barack Obama heraus

Schon bevor Mitt Romney den Anruf seines Konkurrenten Rick Santorum entgegennahm, hatte der Favorit für die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner allen Grund zur Zuversicht. Romneys Delegierten-Vorsprung vergrößerte sich stetig, die Spendengelder flossen in seine Wahlkampfschatulle, Parteifreunde von Rang und Namen stärkten ihm den Rücken. Dennoch dürfte er tief durchgeatmet haben, als ihm Santorum am Dienstag offenbarte, sich aus dem Rennen zurückziehen zu wollen. "Das war ein guter Tag für mich", sagte Romney erleichtert bei einer Rede im Bundesstaat Delaware.

Mit dem Abgang von Santorum geht der Kampf um das Weiße Haus in die nächste Runde - das Duell des wahrscheinlichen Herausforderers Romney gegen den amtierenden Präsidenten Barack Obama. Zwar bestanden zuletzt kaum ernsthafte Zweifel mehr daran, dass Romney im August beim republikanischen Parteitag in Tampa zum Kandidaten gekürt werden würde. Doch je länger die Schlammschlacht andauerte, desto tiefer drohte der Ex-Gouverneur von Massachusetts in dem Dreck zu versinken, mit dem sich die Bewerber in Form von negativen Wahlspots und bei Fernsehdebatten kübelweise überschütteten.

Santorums Siege erinnern an Romneys Schwächen

Die Niederlagen, die Santorum Romney in konservativen Bundesstaaten zufügte, waren schmerzhafte Nadelstiche. Sie erinnerten den Favoriten an seine große Schwäche: Das Verhältnis zu werteorientierten Rechtsaußen-Republikanern, die den Ex-Gouverneur als verkappten Liberalen ansehen. Romneys Versuche, seine konservative Glaubwürdigkeit in gestrig anmutenden Debatten etwa über die Bezahlung von Verhütungsmitteln durch die Krankenversicherung unter Beweis zu stellen, verschreckten wiederum moderate und vor allem weibliche Wähler. In Umfragen verlor er gegenüber Obama an Boden.

Als Santorum umringt von seiner Familie in seinem Heimatstaat Pennsylvania erklärte, dass der Traum von der Präsidentschaftskandidatur 2012 für ihn beendet sei, stellte er sich nicht ausdrücklich hinter Romney. Der Ex-Gouverneur deutete allerdings an, dass er mit seinem erzkonservativen Rivalen am Telefon durchaus über eine Verbrüderung im Kampf gegen Obama gesprochen habe. "Er wird weiter eine wichtige Rolle in der Republikanischen Partei einnehmen", sagte Romney über Santorum. "Ich freue mich auf seine Arbeit, um dabei zu helfen, dass die Republikaner im November im ganzen Land Siege erringen.".

Vorwahlen nur noch Formsache

Der frühere Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, und der radikalliberale Kongressabgeordnete Ron Paul beeilten sich nach Santorums Rückzug mitzuteilen, sie würden weitermachen und hätten auch nichts dagegen, fortan in die Rolle der konservativen Alternative zu Romney zu schlüpfen. Doch beide Bewerber haben praktisch keine Chance, nicht nur angesichts ihres mageren Delegiertenkontos. Gingrich verlor den Rückhalt seines wichtigsten Geldgebers, des Casino-Krösus' Sheldon Adelson; Pauls Vorstellungen eines Minimalstaates gelten derweil auch in der eigenen Partei als realitätsfern.

Die verbleibenden Vorwahlen sind somit wohl Formsache. Selbst konservative Südstaaten wie Texas oder Arkansas dürften keine Gefahr mehr für Romney darstellen, sagt Politikexperte Thomas Mann von der renommierten Denkfabrik Brookings: "Ich denke, er muss sich keine Sorgen machen." Die Aufmerksamkeit richte sich jetzt auf die Präsidentschaftswahl am 6. November, sagt Mann. Auch bei wertkonservativen Republikanern werde sich nun die Einsicht durchsetzen, dass die Nominierung gelaufen sei.

Romney vs. Obama läuft schon

Obama spekuliert schon seit einiger Zeit auf ein Duell mit Romney. Seit Monaten kultiviert sein Wahlkampfteam das Bild des superreichen Finanzhais, der ausschließlich die Interessen der Oberschicht im Blick hat. Zugleich präsentiert sich der Präsident als Kämpfer für soziale Gerechtigkeit. Auch Romney hat Obamas Politik bereits auf eine Wahlkampf-Botschaft verdichtet: Der Präsident richte die USA am "europäischen Sozialismus" aus und ersticke damit die Freiheit, die den wirtschaftlichen Erfolg der USA ausmache.

Mit seiner Wirtschaftskompetenz hat Ex-Unternehmer Romney durchaus eine Trumpfkarte in der Hand - zumal in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und unsicherer Konjunkturaussichten. Hier ist Obama angreifbar: In einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage für die Washington Post und ABC kommt Obama zwar auf 51 Prozent Zustimmung, Romney liegt bei 43 Prozent. Im Umgang mit der Konjunkturflaute und dem Abbau der immensen Staatsverschuldung gaben die Befragten dem potenziellen Herausforderer aber den Vorzug. Die zuletzt spürbare Erholung am Arbeitsmarkt geriet ins Stocken, als die schwächelnde Wirtschaft im März mit 120.000 Jobs deutlich weniger neue Stellen schuf als von Experten erhofft. Zuletzt war der Eindruck entstanden, die Wirtschaft bringt immer mehr Amerikaner in Lohn und Brot. Romney will den Präsidenten auf dem Feld bloßstellen. "Nach drei Jahren im Amt gehen Obama die Ausreden aus", sagte er jüngst.

dho/AFP/Reuters/Reuters

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