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6. April 2011, 08:21 Uhr

Padellaro kritisiert ausländische Medien

Prozess zwei gegen Silvio Berlusconi beginnt: Ab Mittwoch (heute) muss sich der italienische Regierungschef in der Rubygate-Affäre verantworten. Der Chefredakteur von "Il Fatto Quotidiano", Antonio Padellaro, kritisiert den Umgang ausländischer Medien mit dem Fall.

Der am Mittwoch beginnende Rubygate-Prozess gegen den italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi ist nach Auffassung des Chefredakteurs von "Il Fatto Quotidiano", Antonio Padellaro, "außergewöhnlich". "Ich glaube, in keiner anderen westlichen Demokratie sah sich ein amtierender Regierungschef Anklagen wie etwa der Begünstigung von Prostitution von Minderjährigen ausgesetzt", sagte Padellaro, dessen Zeitung im vergangenen Oktober als erste über die Affäre berichtet hatte, der Nachrichtenagentur AFP. Nach seinen Worten wartet nicht nur Italien, sondern die ganze Welt mit Spannung auf den Ausgang des Prozesses, "ob Silvio Berlusconi verurteilt wird oder nicht".

Die Verteidigungsstrategie des italienischen Ministerpräsidenten und seiner Anwälte hält Padellaro dagegen für wenig ungewöhnlich. "Jedes Mal, wenn Berlusconi angeklagt wird, wird es politisch - seine Umgebung klagt, er werde politisch und rechtlich verfolgt. Verfolgt, so ein Quatsch!" Scharf kritisiert der Journalist Versuche der Verteidigung, die Glaubwürdigkeit der Hauptzeugin Karima el Mahroug alias Ruby Rubacuore durch spektakuläre Zeugen wie George Clooney oder Starfußballer Cristiano Ronaldo in Frage zu stellen. "Wir werden ja sehen, ob sie aussagen werden! Dahinter steckt in Wirklichkeit der Plan, den Prozess in eine Art 'Show' umzuwandeln, aus der Berlusconi mit weißer Weste herauskommt - als eine Art Vaterfigur, die sich gegenüber jungen Mädchen gerne großzügig zeigt."

Dass sich manche Medien im Ausland vor allem auf die "amüsanten" Aspekte der Affäre konzentrieren, stößt bei Padellaro auf wenig Verständnis: "Für uns Italiener, die nun schon seit 17 Jahren mit ihm zu tun haben, ist das nicht lustig." Padellaro wirft dem 74-jährigen Premier und Multimilliardär vor, Italiens Politik mit Hilfe seines Geldes korrumpiert zu haben: "Er hat das politische System, das in einer normalen Demokratie eine gleichberechtigte Konfrontation zwischen Ideen und Persönlichkeiten sein sollte, manipuliert und zerstört".

mm/AFP
 
 
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