Wann wusste Obama von der Petraeus-Affäre?

12. November 2012, 10:05 Uhr

Der überraschende Rücktritt von CIA-Chef Petraeus hat in den USA Spekulationen ausgelöst. Republikaner argwöhnen, dass US-Präsident Obama schon vor der Wahl informiert war - und fordern Aufklärung.

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Nach der Amtsaufgabe von CIA-Chef David Petraeus (r.) versuchen die Republikaner US-Präsident Barack Obama mit der Affäre in Verbindung zu bringen©

Der überraschende Rücktritt von CIA-Chef David Petraeus nur wenige Tage nach der Wiederwahl von Barack Obama hat wilde Spekulationen über die wahren Gründe seines Abgangs ausgelöst. Sowohl eine Verwicklung des Inlandsgeheimdiensts FBI als auch die zeitliche Nähe zur Präsidentenwahl warfen am Wochenende zahlreiche Fragen auf. Die Republikaner zogen gar in Zweifel, ob Präsident Obama erst nach der Wahl über die Petraeus-Affäre informiert wurde. Auch über einen Zusammenhang mit dem tödlichen Anschlag auf den US-Botschafter in Libyen September spekuliert, bei dem der Auslandsgeheimdienst keine gute Figur abgegeben hatte. In US-Regierungskreisen wurde solche Vermutungen zurückgewiesen.

Der Skandal hat möglicherweise auch ein politisches Nachspiel. Geheimdienst-Experten des Kongresses fordern nach einem Bericht der "Washington Post" vom Sonntagabend Aufklärung darüber, warum das Weiße Haus erst am vergangenen Mittwoch - dem Tag nach der Präsidentenwahl - über die von FBI aufgedeckte Sexaffäre unterrichtet wurde. Der Zeitung zufolge hatten Untersuchungen, bei denen die außereheliche Beziehung mit der Petraeus-Biografin Paula Broadwell aufgedeckt wurde, bereits vor "mehreren Monaten" begonnen.

Heimliches Drama in der Wahlnacht

Laut der "Washington Post" gab es hinter den Kulissen ein heimliches Drama, während Obama in der Wahlnacht von Dienstag auf Mittwoch die Ergebnisse der Präsidentenwahl verfolgte. Kurz vor Schließung der Wahllokale habe das Justizministerium den nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper, der die Arbeit aller 16 US-Spionageaffären koordiniert, über Petraeus' Affäre informiert. Die Zeitung berief sich dabei auf einen hochrangigen Geheimdienstvertreter. Clapper habe dann mit Petraeus gesprochen und ihm einen Rücktritt nahegelegt. Das Weiße Haus sei am Mittwoch unterrichtet worden. Vertreter der Geheimdienst-Ausschüsse des Kongresses hätten vorab nichts erfahren - und seien empört, hieß es in Medienberichten.

In seinem Brief an die CIA-Mitarbeiter hatte der verheiratete Petraeus am Freitagabend seinen Rücktritt mit der Beziehung zu einer anderen Frau erklärt. "Nachdem ich 37 Jahre verheiratet bin, habe ich äußerst schlechtes Urteilsvermögen bewiesen, indem ich mich auf eine außereheliche Affäre eingelassen habe", erklärte Petraeus in dem Rundschreiben. "Ein solches Verhalten ist inakzeptabel - und zwar als Ehemann und als Anführer einer Organisation wie der unseren." Bei der CIA gibt es allerdings keinen klaren Verhaltenskodex, der für einen solchen Fall einen Rücktritt vorsieht. So wurde in Sicherheitskreisen darauf hingewiesen, dass vergleichbare Fälle in der Vergangenheit beim Geheimdienst meist diskret im Hintergrund geklärt worden seien.

Affäre mit der eigenen Biografin

Bei der Geliebten von Petraeus soll es sich um die 20 Jahre jüngere Elitesoldatin und Autorin Paula Broadwell handeln, die eine Biografie über Petraeus geschrieben hat. Broadwell war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aus Sicherheitskreisen verlautete, der Inlandsgeheimdienst FBI sei vor einigen Monaten auf die Beziehung zwischen Petraeus und Broadwell gestoßen.

Aufgeflogen war die Affäre nach Angaben der "Washington Post", nachdem eine "Petraeus nahe stehende" Frau aus Florida E-Mails mit Drohungen von Broadwell erhalten hatte. Demnach hatte die als Jill Kelley identifizierte Frau, deren Beziehung zu Petraeus zunächst unklar blieb, so große Angst, dass sie sich an das FBI wandte und um Schutz bat. Im Zuge der Nachforschungen sei die Bundespolizei dann auf E-Mails zwischen Broadwell und Petraeus gestoßen, die auf eine Beziehung zwischen beiden hingewiesen hätten. Bereits zuvor hatte auch die "New York Times" berichtet, dass die Affäre zwischen der Biografin und Petraeus möglicherweise wegen eines Eifersuchtsdramas aufflog. Demnach sah Broadwell in Kelley offenbar eine Rivalin.

Mit dem Rücktritt des CIA-Chefs muss Obama nun gleich mehrere Spitzenpositionen im Sicherheitsapparat neu besetzen. So hatte Außenministerin Hillary Clinton schon vor der Wahl deutlich gemacht, dass sie keine zweite Amtszeit anstrebt. Der Ehefrau von Ex-Präsident Bill Clinton werden Ambitionen auf eine eigene Präsidentschaftskandidatur in vier Jahren nachgesagt. Zudem wird damit gerechnet, dass Verteidigungsminister Panetta sein Amt aufgeben will.

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