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26. September 2006, 14:35 Uhr

Arbeitskräfte strömen nicht gen Westen

Der rumänische Arbeitsminister Barbu hat die Ängste einiger EU-Mitgliedstaaten beschwichtigt. Nach seiner Einschätzung werden die Rumänen nicht zu Hunderttausenden ihr Glück im Ausland suchen.

Der EU-Beitritt werde voraussichtlich keine Welle von Immigranten auslösen© Valentina Petrova/AFP

Rumänische Arbeitskräfte werden nach Einschätzung der Regierung in Bukarest auch nach einer Aufnahme des Landes in die Europäische Union (EU) nicht zu Tausenden auf westeuropäische Arbeitsmärkte drängen. Die Ängste einiger EU-Staaten, viele Rumänen wollten im Westen besser bezahlte Arbeit suchen, seien übertrieben, sagte der rumänische Arbeitsminister Gheorghe Barbu wenige Tage vor der Entscheidung der EU, ob Rumänien und Bulgarien wie geplant im kommenden Jahr beitreten können.

Barbu hält es für unwahrscheinlich, dass die Rumänen in die Fußstapfen der Polen treten und wie diese zu Hunderttausenden ihr Glück im Ausland suchen werden. Dabei verwies er auf die niedrige Arbeitslosenrate von fünf Prozent in Rumänien, die nur ein Drittel der polnischen Rate ausmache. Zudem seien die Rumänen zu stark mit ihrer Heimat und ihren Familien verbunden, um ihr Glück auf Dauer im Ausland zu suchen. "Sie werden sich nicht im Ausland niederlassen. Wenn sie gehen, dann werden sie Geld verdienen und zurückkommen", sagte Barbu. "Rund 90 Prozent der Rumänen, die im Ausland arbeiten, kommen wieder nach Hause zurück."

Enttäuschung über verzögerte Reformen

Rumänien wird mit seinen 22 Millionen Einwohnern nach Polen das zweitgrößte osteuropäische Mitglied der EU sein. Am Dienstag entscheidet die EU-Kommission, ob das Land diesen Schritt gemeinsam mit dem kleineren Bulgarien bereits zu Beginn des Jahres 2007 tun kann oder erst ein Jahr später. Wegen schleppender Reformen haben die beiden Staaten die erste Runde der EU-Erweiterung in Richtung Osten im Mai 2004 verpasst. Pro Kopf erwirtschaften sie nur einen Bruchteil des Bruttoinlandsprodukts, das durchschnittlich von den 25 EU-Staaten erzielt wird.

Bislang waren niedrige Löhne und die Enttäuschung über verzögerte Reformen die entscheidenden Gründe für die rund zwei Millionen Auswanderer, die Rumänien seit dem Aufstand gegen den Kommunismus 1989 verlassen haben. Umfragen zeigen, dass 90 Prozent derjenigen, die nicht gegangen sind, mit ihren Lebensverhältnissen unzufrieden sind. Auf Grund sprachlicher Gemeinsamkeiten sind Spanien und Italien bevorzugte Ziele.

Barbu schätzt, dass maximal lediglich 300.000 weitere Arbeitskräfte Rumänien nach einem Beitritt zur EU verlassen werden. "Diejenigen, die gehen wollten, sind bereits gegangen", sagte er.

Luiza Ilie/Reuters
 
 
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