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7. September 2008, 09:08 Uhr

Rost ist ihr größter Feind

Der militärische Erfolg Russlands in Georgien täuscht: Die russische Armee befindet sich in einem maroden Zustand: Ihre Waffen stammen überwiegend aus dem Kalten Krieg, Russland kann sich militärisch mit den USA nicht mehr messen. Das soll nun anders werden, das Land rüstet auf. Von Hauke Friederichs

Militärparade in Moskau: Viele Waffen stammen noch aus Zeiten des Kalten Kriegs© Alexander Zemlianichenko/Reuters

Die Interkontinentalrakete schießt in den Himmel, fliegt 6000 Kilometer weit und stürzt dann auf die Halbinsel Kamtschatka nieder. So geschehen bei einem Test am 28. August, der in eine neue politische Eiszeit fällt. Russland will Stärke zeigen. Vom Kontrollzentrum Plessetzk aus, im Norden des Landes, können die Raketentruppen ballistische Geschosse bis nach Nordamerika feuern. Die Rakete vom Typ PC-12M Topol soll der USA zeigen, dass ihr im Aufbau befindlicher Raketenschirm gegen Russlands Waffen wirkungslos ist. Doch Moskaus Machtspiel ist ein großer Bluff. Die Topol-Rakten wurden erstmals 1981 getestet - sie sind trotz einiger Modernisierungen längst keine Hightech-Waffen mehr.

Effektivste Druckmittel sind Gasprom und Rosneft

Russland lässt den diplomatischen Konflikt mit dem Westen immer weiter eskalieren. In den vergangenen Jahren hießen die effektivsten russischen Druckmittel noch Gasprom und Rosneft - die Energieriesen, auf deren Öl und Gas der Westen angewiesen ist. Wenn die Regierung in Moskau die Exportmengen drosselt, stehen in Europa die Raffinerien still: Treibstoff, Heizöl und Gas werden teurer. Die USA dagegen beziehen ihr Öl aus dem Irak, aus Texas und Alaska sowie von Bohrplattformen - sie sind von Russland in der Energiepolitik nicht erpressbar.

Deshalb setzen die Kreml-Herren in der neuen politischen Eiszeit wieder auf altbewährten Stahl: Tu-Bomber, MiG-Kampfflugzeuge und T80-Panzer. Russlands Anspruch und seine militärische Wirklichkeit liegen jedoch weit auseinander. Die russischen Streitkräfte sind in einem maroden Zustand. Der schnelle Erfolg in Georgien kann das nicht überdecken.

Als Russlands Präsident Dimitri Medwedew der russischen Armee den Befehl gab, in Georgien einzumarschieren, stand der Sieg seiner Truppen schon fest: Russland gegen das kleine Nachbarland, dass heißt 1,03 Millionen Soldaten gegen gerade mal 17.800 gegenüber. Dazu 23.000 schwere Kampfpanzer gegen 128 georgische und 2000 Kampfflugzeuge gegen neun mit weiß-rotem Wappen. Goliath brauchte nur fünf Tage, um David nieder zu ringen.

Peinliches für Russlands Generalstab

Doch was nach einer militärischen Erfolgsgeschichte klingt, birgt Peinliches für Russlands Generalstab: Der erste Vorstoß der russischen Armee auf die südossetische Hauptstadt Zchinwali verlief planlos. Die Russen verloren ein ganzes Bataillon. Auch die Luftwaffe erlitt in dem kurzen Krieg schwere Verluste: Vier Kampfflugzeuge wurden abgeschossen oder stürzten ab, darunter einer der größten und teuersten Langstreckenbomber vom Typ Tu-22.

Die Liste der Pannen in Georgien ist lang: Auf den engen Serpentinenstraßen blieben immer wieder alte Schützenpanzer liegen und blockierten die Aufmarschroute. Die Kommunikation zwischen Einheiten und Planungszentrum funktionierte nicht und russische Soldaten wurden beim Plündern erwischt.

Nicht nur im Ernstfall streikt die veraltete Waffentechnik. 2004 musste der Stolz der russischen Marine ins Dock geschleppt werden. Bei einer Inspektion hatten Experten entdeckt, dass das Flaggschiff "Peter der Große" marode war. Der Atomreaktor hätte jederzeit explodieren können. Vier Jahre zuvor hatte die Admiralität bereits das Atom-U-Boot "Kursk" verloren, 118 Mann Besatzung kamen dabei ums Leben. Und immer wieder stürzen veraltete MiG-Jets und Helikopter ab. So bleiben die Flugzeuge meist im Hangar und die Schiffe im Hafen.

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