20. Juli 2012, 18:28 Uhr

Putins Angst vor Punk

Es ist ein Schauprozess - für beide Seiten. In Moskau hat das Verfahren gegen drei Frauen der feministischen Punkband Pussy Riot begonnen. Ein Blick hinter die Wollmasken. Von Sophie Albers

Fotostrecke 15 Bilder
©

Im September 2011 haben sich rund zehn junge Frauen Mitte 20 unter dem Namen Pussy Riot zu einer anonymen, feministischen Punkband zusammengetan, um mit Musik gegen Wladimir Putin zu protestieren. Anlass war dessen Ankündigung, wieder für die Präsidentschaft zu kandidieren. Das habe bei vielen Russen blanke Angst ausgelöst vor einer Rückkehr zu Armut, Terror, Korruption und dem Verlust der Grundrechte, so heißt es in einem Pussy-Riot-Porträt im "Vice"-Magazin. Gegen diese Angst schreit Pussy Riot an. Immer lauter, denn seit Anfang Mai ist Putin wieder russischer Präsident. Mit Musik und Aktionen im Internet und auf der Straße kämpfen die Frauen, deren Markenzeichen bunte Wollmasken sind, gegen den Chauvinismus - in der Politik und im täglichen Leben. Nun hat die Staatsmacht zugeschlagen: Drei Pussy-Riot-Mitglieder sitzen seit Februar in Untersuchungshaft. Ihnen soll wegen "organisiertem Rowdytums" der Prozess gemacht werden. Ihnen drohen bis zu sieben Jahre Haft.

MEHR ZUM ARTIKEL
Russische Strafkolonie Was Pussy Riot im Arbeitslager erwartet

Zwei Aktivistinnen der Politpunk-Aktion Pussy Riot müssen für zwei Jahre ins Arbeitslager. Aber was bedeutet diese erschreckende Aussicht eigentlich im Jahr 2012?

Letztes Interview vor dem Lager "Putin ist eine Niete"

Es ist möglicherweise das letzte Interview vor dem Arbeitslager: Den Anwälten des Pussy-Riot-Postergirls Nadeschda Tolokonnikowa ist es gelungen, Notizen der Musikerin aus dem Gefängnis zu schmuggeln.

Urteil in Berufungsverhandlung Ein Pussy-Riot-Mitglied kommt frei - zwei ins Straflager

Ein Gericht in Moskau hat das Urteil gegen zwei Pussy-Riot-Musikerinnen bestätigt. Einer der angeklagten Frauen allerdings wurde die Haftstrafe im Straflager erlassen.

Widerstand gegen Lutherpreis-Verleihung Protestanten wollen Pussy Riot nicht preisen

Der Lutherpreis soll Mut ehren. Deswegen hat die Stadt Wittenberge die russische Kult-Band nominiert. Das geht einigen Theologen zu weit: Das Trio habe sich einfach zu gotteslästerlich verhalten.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (26/2013)
Die Zuckermafia