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Putin für Friedensnobelpreis vorgeschlagen

Manche nennen ihn Diktator, für einige Anhänger ist Wladimir Putin ein Weltverbesserer. Sie haben den russischen Präsidenten für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Allerdings ein paar Tage zu spät.

  Angelt mit nacktem Oberkörper: der russische Präsident Wladimir Putin

Angelt mit nacktem Oberkörper: der russische Präsident Wladimir Putin

Er rettet sibirische Tiger, ist der Held aller Frauen und geht mit freiem Oberkörper angeln: Der russische Präsident Wladimir Putin weiß sich medial zu inszenieren - und mit kuriosen Aktionen sein rigoroses Vorgehen gegen Minderheiten und Oppositionelle zu kaschieren. Denn während Putin weltweit für seine Politik Kritik erntet, sieht eine Gruppe russischer Intellektueller in dem Staatsoberhaupt einen echten Weltverbesserer. Die "Internationalen Akademie der geistlichen Einheit der Völker der Welt" hat den Politiker für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, wie US-Medien berichten.

Als Begründung geben die Mitglieder Putins Engagement im Syrien-Konflikt an. "Putin hat alles versucht, um Frieden in Syrien herzustellen", zitiert die Österreicher Tageszeitung "Der Standard" ein Mitglied. Tatsächlich hat sich der Staatsmann erfolgreich gegen einen Militärschlag der USA in Syrien stark gemacht – und sogar in einem Gastbeitrag die Leser der "New York Times" vor einer solchen Invasion gewarnt. Ein Angriff würde einen Flächenbrand auslösen, mahnt Putin in dem Artikel, "der die Gewalt verstärken und ein neues Ausmaß an Terrorismus zur Folge haben würde". Dass er selbst Militäreinsätzen wenig zimperlich gegenübersteht, verschweigt der Präsident dagegen.

Einsendefrist verpasst

Als 2008 der Streit zwischen Georgien und Russland eskalierte, zeigte sich Putin wenig diplomatisch – und ging mit einem Großaufgebot an Kriegsmaschinerie gegen das verfeindete Nachbarland vor. Genauso schonungslos agierten die Truppen des damaligen Ministerpräsidenten im zweiten Tschetschenien-Krieg, bei dem Menschenrechtsgruppen bis heute das brutale Vorgehen der russischen Streitkräfte gegen tschetschenische Zivilisten anprangern. Und auch in Syrien glänzt Putin weniger durch diplomatisches Geschick als durch massive Waffen-Unterstützung für das Regime, das aus Sicht internationaler Beobachter für den anhaltenden Konflikt verantwortlich ist.

Immerhin: Aussicht auf Erfolg hat der Vorschlag kaum, zumindest vorerst nicht. Denn die Putin-Anhänger haben die Frist des Nobelpreis-Komitees verpasst. Demnach können nur bis zum 16. September jedes Jahres Organisationen und Einzelpersonen für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen werden. Weniger strikte Regeln gibt es dagegen offenbar bei der Frage, wer alles nominiert werden darf – im Prinzip nämlich jeder, der von den tausenden vorschlagsberechtigten Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Co. auserwählt wird. Umgekehrt bedeutet das, dass jeder, der einen Vorschlagsberechtigten kennt, die eigene Nominierung mit Bitten oder höflichem Nachfragen voranbringen kann. Wer es aber tatsächlich auf die streng geheime Nominiertenliste schafft, wird allein von der fünfköpfigen Nobelpreis-Jury entschieden. Und die wird sich wohl kaum von den eindrucksvollen Fotos von Putin beeinflussen lassen.

Steffi Hentschke
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