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21. August 2008, 13:31 Uhr
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Chodorkowskis Tanz auf dem Vulkan

Michail Chodorkowski war einer der schillerndsten Neureichen Russlands bis Präsident Wladimir Putin an ihm ein Exempel statuieren ließ. Wegen Betrugs und Steuerhinterziehung wurde er zu acht Jahren Haft verurteilt. Jetzt bittet der Milliardär um vorzeitige Entlassung. Welche Bedeutung hätte ein Erfolg? Eine Analyse von Tomasz Konicz.

Der inhaftierte russische Milliardär Chodorkowski bittet um Haftentlassung© Novaya Izvestia/DPA

Am Donnerstag wird die russische Justiz über das weitere Schicksal Michail Chodorkowskis entscheiden. Der ehemalige Milliardär und Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos, erwirkte für den 21. August eine Prüfung auf seine vorzeitige Haftentlassung. Inzwischen saß der wegen Betrugs und Steuerhinterziehung 2003 festgenommene und 2005 verurteilte Oligarch über die Hälfte seiner achtjährigen Haftzeit in der Strafvollzugsanstalt Tschita in Ostsibirien ab - an einem Ort, an dem das Quecksilber innerhalb eines Jahres zwischen 40 Grad minus und 40 Grad plus pendeln kann.

Tiefer Fall aus dem Oligarchenhimmel

Es war ein tiefer Fall aus den höchsten Höhen des russischen Oligarchenhimmels bis in die schmutzige Gemeinschaftszelle im östlichen Sibirien, den Chodorkowski seit 2003 durchlebte. Doch es sind sicherlich nicht die von Yukos unterschlagenen Steuern, die den Vorsitzenden des ehemals einflussreichen Energiekonzerns hinter Gitter brachten. Hätte die Equipe rund um Wladimir Putin dieselben rechtlichen Maßstäbe an die gesamte Kaste der neureichen Russen angelegt, befänden sich wohl noch immer nahezu alle Oligarchen Russlands in Haft. Die russische Systemtransformation war von einer chaotischen, im rechtlichen Niemandsland der Jelzin-Ära verlaufenden Privatisierung begleitet. Oftmals waren es Mitglieder der so genannten Nomenklatura, einer Schicht von sowjetischen Parteikadern in Verwaltung, Staat und Wirtschaft, die eine rasante Wandlung vom Parteibuchkommunisten zum Kapitalisten vollführten und sich die besten Betriebe sowie Banken unter dubiosen Umständen gegenseitig zuschanzten.

Chodorkowskis gute Kontakte

Der als liberaler Kremlkritiker geltende Chodorkowski bildete da keine Ausnahme. Das für einen raschen Aufstieg nötige Beziehungsgeflecht innerhalb der Nomenklatura knöpfte der ehrgeizige Chemiestundent als Vizevorsitzender des Komsomol, der Jugendorganisation der russischen Kommunistischen Partei, in seiner Universität. Mit Beginn der Perestrojka konnte Chodorkowski schnell etliche Komsomol-Betriebe übernehmen und 1989 eine der ersten privaten Banken der rasch zerfallenden Sowjetunion, die Bank Menatep, gründen. In dieser Phase halfen dem umtriebigen Jungunternehmer vor allem seine ausgezeichneten Kontakte zu einem weiteren Apparatschik innerhalb des Komsomol, zu Alexej Golubowitsch, dessen Eltern wichtige Posten bei der Staatsbank der Sowjetunion bekleideten.

Sein wichtigster Deal

Seinen wichtigsten Deal landete Chodorkowski ebenfalls dank guter Kontakte - diesmal zum Umfeld der russischen Präsidenten Boris Jelzin. 1995 konnte Menatep den Ölkonzern Yukos im Rahmen des "Kredite gegen Aktien"- Programms für einen Schnäppchenpreis von 350 Millionen US-Dollar erwerben. Wenige Jahre später erreichte Yukos eine Marktkapitalisierung von 31 Milliarden US-Dollar. Dieses Geschäft beruhte auf Gegenseitigkeit. Die von Menatep für 78 Prozent der Yukos-Aktien gewährten Kredite an den "Staat" dienten zur Finanzierung des Präsidentschaftswahlkampfes 1996, den Jelzin nur dank massiver finanzieller Unterstützung seitens der russischen Oligarchie gewinnen konnte. Die zweite Präsidentschaft des zusehends dem Alkohol verfallenden Boris Jelzin kann als die Hochperiode der russischen Oligarchenherrschaft bezeichnet werden. Während dieser verkam der russische Staat zu einer Beute konkurrierender Oligarchenclans.

Putin ändert die Spielregeln

Als im Jahr 2000 der eher unbekannte Wladimir Putin zum Nachfolger Jelzins gewählt wurde, änderten sich langsam die Spielregeln. Der neue Präsident, der seine Karriere bei dem russischen Geheimdienst FSB gestartet hatte, besetzte sukzessive alle wichtigen Schaltstellen im Staatsapparat mit seinen (Geheimdienst)- Leuten und etablierte den Kreml wieder als einen autonomen, bestimmenden Machtfaktor Russlands. Die Zeit der Transformationswirren beendend, bot Putins Mannschaft der russischen Oligarchie eine informelle Vereinbarung an: Die Neureichen können das von ihnen zusammengeraffte, ehemalige Staatseigentum behalten, wenn sie den Kreml als das neue und alte Machtzentrum Russlands anerkennen.

Chodorkowski in offener Opposition

Die offenen Feinde Putins, wie der Oligarch Boris Beresowski, gingen ins Exil. Die meisten anderen russischen Milliardäre arrangierten sich mit den neuen Machthabern, sie konnten weiterhin gute Geschäfte machen, mussten sich aber von der Politik fernhalten. Die einzige nennenswerte Ausnahme bildete Chodorkowski, der weiterhin in offener Opposition zu Putin blieb. Der auf dem Höhepunkt seiner Macht unter den Top-20 der reichsten Männer der Welt geführte Milliardär finanzierte offen liberale Oppositionsparteien. Chodorkowski strebte die Realisierung einer Marktwirtschaft westlichen Zuschnitts in der russischen Föderation an, wobei er keinen Hehl aus seiner Verachtung für Putins Politik machte. Gegenüber westlichen Medien gab der Milliardär freimütig zu, beispielsweise die liberale "Union der Rechten Kräfte" oder das liberal-demokratische Bündnis "Jabloko" (Apfel) zu unterstützen.

Die spektakuläre Verhaftung Chorodowskis im Oktober 2003 durch russische Spezialeinheiten und die harte, gegen ihn verhängte Strafe, waren eine Warnung an die gesamte Klasse der russischen Neureichen, niemals die Autorität des Kreml in Frage zu stellen. Der "Fall Chodorkowski" symbolisiert aber auch den Wendepunkt in Russland Wirtschafts- und Medienpolitik.

Geheimdienst übernimmt Kontrolle

Die mit der Verhaftung Chorodowskis eingeleitete Zerschlagung seines Ölkonzerns Yukos ebnete den Weg zur Renationalisierung bedeutender Teile des Rohstoffsektors der russischen Wirtschaft, wie auch der zunehmenden Kontrolle des Kremls über die Medien des Landes. Es sind nun die ehemaligen Geheimdienstler au Putins Umfeld, die ihre Kontrolle über die "Kommandohöhen" der russischen Wirtschaft, über Konzerne wie Gazprom oder den Fernsehsender Kanal Eins, ausüben - und die Marschrichtung russischer Politik bestimmen. An der anstehenden Entscheidung über den "Fall Chodorwski" lässt sich vielleicht auch ablesen, inwiefern dieser wirtschaftspolitische Kurs des Kremls künftig korrigiert wird. Eine Begnadigung des Milliardärs könnte auf eine Liberalisierung der russischen Ökonomie deuten, wie sie von Präsident Medwedew favorisiert wird. Dieser befindet sich mit seiner Betonung des Laissez-faire des Freien Marktes, mit seinen Plänen zum Aufbau eines globalen Finanzzentrums in Moskau im Gegensatz zu den wirtschaftspolitischen Konzepten seines politischen Ziehvaters Putin, der den Aufbau eines auf staatlicher Kontrolle des Rohstoffsektors fußenden "Energieimperiums" anstrebt.

KOMMENTARE (10 von 20)
 
Benkku (22.08.2008, 22:09 Uhr)
Ferngesteuert gewesen.
Chodorkowski wollte eigentlich in die Rüstungsindustrie eintreten, aber wegen seiner jüdischen Herkunft konnte er sich diesen Wunsch nicht erfüllen, da Juden in der Sowjetunion als politisch unzuverlässig galten.
Er entzog sich im Oktober 2003 einer Vorladung und flüchtete nach Israel. Im Nov. 2003 erhielt er die israelische Staatsbürgerschaft. Mittlerweile stiftete er hohe Millionensummen an Israel. (Wikipedia)
Flo.K. (21.08.2008, 16:34 Uhr)
Naiv!
Wie einem dieser Herr Chodorokowski doch leid tun kann, wenn man all diese Artikel über den ach so gebildeten und symphatischen Herrn liest. Zwar wird dann jeweils kurz darauf verwiesen, dass er sein Vermögen in undurchsichtigen Transaktionen erworben hat, mit dem verweis darauf, dass dies in der Jelzin-Ära normal gewesen sei und dies auch -zig andere so gemacht hätten, ist das aber dann meistens vom Tisch. Dabei ist es doch eigentlich sonnenklar: ein knapp 30jähriger macht quasi über Nacht ein Milliardenvermögen (und dies nicht mit einer genialen Erfindung, sondern mit Erdöl...): das geht nur mit einer massiv kriminellen Energie und ist ganz klar ein Diebstahl am russischen Volk. Ich finde, Putin hat genau richtig gehandelt, dieses Vermögen wieder dem Staat zukommen zu lassen. Zu diskutieren ist allenfalls, warum er es nicht mit allen Oligarchen so gemacht hat. Also: es kann nicht darum gehen, ob Herrn Chodorokowski Unrecht geschehen ist (e ist ihm Recht geschehen!, die Forderung muss vielmehr sein, auch die restlichen Diebe zu belangen.
Und noch was: hört endlich auf mit der Glorifizierung der Jelzinära und der "zarten Knospen der Demokratie", die damals zu blühen begonnen haben und nun vom bösen Herrn Putin zerstört wurden. ich kenne das Chaos des russlands unter Jelzin nur zu gut und weiss, wie schlimm, chaotisch und verbrecherisch diese Zeit für viele Russen war. da ist mir die starke Hand Putins viel lieber, obschon auch ich die Unterdrückung der Medien und der Redefreiheit nicht in Ordnung finde.
ecomoc4u (21.08.2008, 16:10 Uhr)
als die oligarchen, ende der 80
die DUMA unter ihre kontrolle brachten, musste putin die notbremse ziehen.
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putin liess sie alle über die klinge springen. alle haben die konsequenzen gezogen. sie sind entweder mit ihren milliarden ins ausland geflüchtet, oder engagierten sich ehrenamtlich für ein paar jahre. das hatte putin als bedingung genannt.
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nur ein kleiner schelm wollte einfach nicht hören. ja, er lies es sogar gerichtlich drauf ankommen. er wollte tatsächlich putin gerichtlich klar machen, dass er die milliarden zu recht verdient hatte. ...da hatte russland laut gelacht.
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ab in kittchen, das war die einzig richtige antwort auf diesen dreist dummen turbokapitalismus.
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und selbst im kittchen, hat putin ihm die möglichkeit geboten, reue zu zeigen. aber nein. er glaubt bis heute er sei im recht.
follow22 (21.08.2008, 13:52 Uhr)
NAIV?
Bevor man die Lanze für Chodorowski bricht, sollte man sich vernünftigerweise mal die Frage stellen, wie es einem einzelnen Mann bei Einhaltung aller Gesetze möglich sein kann, „ein legitimes Vermögen“ innerhalb von 10 Jahren von etwa 10.000.000.000 US Dollar aufzubauen.
Schon mal darüber nachgedacht? Und das seine Verhaftung genau in den Zeitraum der Verhandlungen mit den US-Ölkonzernen Exxon Mobile und Chevron Texas über eine 25% Beteiligung an dem Jukos-Konzern fällt, dürfte auch kein Zufall sein. Als ob sich dies eine US Regierung seelenruhig anschauen würde, wenn die Russen plötzlich in Texas bei Chevron mit 25% einsteigen wollten.
Da muss man wahrscheinlich weder „Russenfreund“, noch „Linker“ oder „Kommunist“ sein, um dies nachvollziehen zu können.
ganzbaf (21.08.2008, 13:00 Uhr)
Nu ja...

du bist jedenfalls ein lupenreiner Labermat... ;-E
mupfeline (21.08.2008, 12:59 Uhr)
LOL - ich bin nicht Schröder
aber ich bin wohl realistischer und mein Gehirn ist nicht vernebelt - weder von der einen noch von der anderen Seite.
vegefranz (21.08.2008, 12:35 Uhr)
mupfeline - bist Du in Wirklichkeit Gerhard Schröder?
Dann erzähst du hier bestimmt gleich noch, Putin sei ein lupenreiner Demokrat
mupfeline (21.08.2008, 12:25 Uhr)
@DerWilli
Aber sonst geht’s noch? Man kann über jeden Staat und jede Regierung unterschiedliche Meinungen haben aber so brav wie Sie den US-Katechismus herunterbeten - dazu gehört schon eine ordentliche Gehirnwäsche. Bei der übrigens auch Ihre Orthographie mit auf der Stecke geblieben ist. Jeder macht mal einen Fehler - oder mehrere. Aber einen Text so zu verunstalten - dazu muss man sich schon Mühe geben. Meine Meinung ist schlicht und einfach: Was erdreistet sich der Westen überhaupt, ständig dem Russen reinzuquaken? Die Russen sind ein souveränes Land genauso wie alle anderen Staaten auch. Natürlich kann über ihre Regierung geteilter Meinung sein aber genauso wenig hat "DER WESTEN" die Demokratie gepachtet. Aber haben Sie schon einmal etwas von legitimen Interessen der Russen am Panama-Kanal gehört? Genauso wenig hat die USA o. T. Rice, "legitime Interessen" am Kaukasus zu haben.
Das Ihnen ein Putin nicht passt mit dem die "ach so demokratischen westlichen Staaten" nicht so umspringen können wie mit dem ständig besoffenen Schluckspecht Jelzin, das glaube ich gerne - das kotzt die westlichen "demokratischen" Staaten an.
Merke: Hier ist niemand besser als der andere. Beide Seiten haben Demokratiedefizite. Und ehrlich gesagt, das Gequatsche von den Menschenrechten das nehme ich dem Westen nicht ab. Der Russe bringt ja nicht mal solche Scheingründe. Es geht einzig und allein um strategische Positionen, der Kaukasus ist Transitgebiet für Pipelines und es geht um die Vormachtstellung. Um weiter gar nicht. Aber um überhaupt nichts weiter.
DerWilli (21.08.2008, 11:44 Uhr)
@seppmaier
nur dass die russische wirtschaft und auch die zivile bevölkerung diese us-eingriffe sehr begüßen.. das wird völlig ausser acht gelassen..
das wort der "genossen" welche sich als herrscher pber alles und jeden sehen ist natürlich heilig
seppmaier (21.08.2008, 11:40 Uhr)
was völlig ausgeklammert wird
jelzin war ein von der us-hochfinaz gekaufter präsident. er war eindeutig korrupt und käuflich.
durch ihn bekamen die us-banken zutritt in die russische wirtschaft.
auch hinter chodorkowski standen diese us-finanzies. sie gaben ihm überhaupt das geld für seine unternehmungen.
ohne putin wäre russland heute noch unter der knute der iwf und würde unter der zinslast der kredite zusammenbrechen.
dank putin ist russland SCHULDENFREI, hat eine wachsende und funktionierende wirtschaft.
ist mir egal ob ihr mich dafür angreift, den an den fakten ändert das nix, hihihi
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