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Russland verbietet Zeugen Jehovas

Als Missionare ziehen sie von Tür zu Tür und versuchen ihre Botschaft zu verbreiten: Die Zeugen Jehovas. In Russland gelten sie nun als Extremisten. Ihre Vereinigungen werden geschlossen und ihr Besitz wird beschlagnahmt.

Eine Taufe der Zeugen Jehovas

Eine Taufe der Zeugen Jehovas

Die Vereinigung der ist in Russland verboten worden. Das Oberste Gericht stufte die Religionsgemeinschaft am Donnerstag als "extremistische Organisation" ein. Damit folgten die Richter der Klage des russischen Justizministeriums. Die Zentrale der Zeugen Jehovas und ihre 395 Regionalverbände werden nun geschlossen, ihr Besitz vom Staat beschlagnahmt. Das berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax. 

Das Justizministerium wirft der Glaubensgemeinschaft vor, Bürgerrechte zu bedrohen und die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu gefährden. Außerdem verstieße die Gruppe gegen die russischen Gesundheitsgesetze, führte die Anwältin des , Swetlana Borissowa, aus. Dass die Zeugen Jehovas ihren Mitgliedern Bluttransfusionen verbieten, sei ein Verstoß gegen Menschenrechte.

"Schon die Literatur der Zeugen Jehovas manipuliert das Verhalten des Menschen gegen seinen Willen", behauptete der Sekten-Experte Alexander Korolew in einem Gespräch mit der staatlichen Online-Zeitung "Vesti". "Vieles wurde von Nazi-Deutschland übernommen, wo man an Häftlingen der verschiedenen Konzentrationslager Versuche durchgeführt hat", erklärt er das Verbot.

Die Orthodoxe Kirche profitiert von dem Verbot

Die Zeugen Jehovas reagierten schockiert auf die Entscheidung. "Ich hätte nicht gedacht, dass das im modernen möglich sein könnte, wo die Verfassung das Recht auf freie Religionsausübung garantiert", sagte ein Vertreter der Verwaltung der Zeugen Jehovas, Jaroslaw Siwulski, vor Journalisten. Er kündigte an, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu ziehen.

Die Glaubensgemeinschaft hat in Russland etwa 170.000 Anhänger und wurde bereits seit 1996 wiederholt beschuldigt, mit aggressiven Methoden Gläubige anzuwerben. Vor allem der Orthodoxen ist sie ein Dorn im Auge. "Hier ist der Druck unserer Kirche offensichtlich", schätzte der Theologe vom Moskauer Büro für Menschenrechte Jurij Tabak ein. "Sie profitiert von dem Verbot einer solch großen Konfession", sagte er laut dem Magazin "Medusa".

Bereits in der Vergangenheit wurden in Russland mehrere kleinere Zeugen-Jehovas-Verbände geschlossen und Bücher der Glaubensrichtung verboten.

In Deutschland sind die Zeugen Jehovas als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt und somit den großen Kirchen gleichgestellt.

ivi
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