3. Januar 2007, 08:11 Uhr

Verkaufshit Hinrichtungs-Video

Die Veröffentlichung eines während der Saddam-Hinrichtung heimlich aufgenommenen Videos hat die Spannungen zwischen den Religionsgruppen im Irak verschärft - und weltweit Empörung ausgelöst. In Teilen Bagdads erfreut sich der Film allerdings immer größerer Beliebtheit.

Ein Standbild aus einem inoffiziellen Video von der Hinrichtung des ehemaligen irakischen Diktators Saddam Hussein©

Die Regierung in Bagdad ordnete am Dienstag eine Untersuchung an, wie das Video trotz strenger Sicherheitskontrollen offensichtlich mit einem Handy aufgenommen und in Umlauf gebracht werden konnte. Die Aufnahme, die seit dem Wochenende im Internet kursiert, zeigt die Hinrichtung Saddam Husseins in voller Länge.

Einer der Anwälte Saddams, der Franzose Emmanuel Ludot, verlangte in einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Untersuchung der Hinrichtung vom vergangenen Samstag. Sowohl das Video als auch die Hinrichtung seines Mandanten verstießen gegen die Genfer Konvention von 1949. Der Hingerichtete sei bis zu seinem Tod vom Status her Kriegsgefangener gewesen, also hätte die Konvention auf ihn angewandt werden müssen, heißt es in dem am Dienstag in Auszügen veröffentlichten Schreiben. Der Anwalt will außerdem wissen, wer die vermummten Henker waren, denn hochgestellte Saddam-Gegner könnten "in einem üblen Handel mit der Besatzungsmacht das Privileg erhalten haben, bei der Tötung selbst Hand anzulegen".

CD's im Umlauf

Auf dem Video sind unter anderem Hochrufe auf den radikalen Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr, ein Gegner des Sunniten Saddam, zu hören. Der Ex-Diktator entgegnet: "Fahr zur Hölle". Als Saddam am Galgen hängt, bricht Jubel unter den Anwesenden aus - offenbar kommt er von Saddams Wächtern.

In der Bagdader Schiiten-Vorstand Sadr-City sei das Video zum Verkaufsschlager geworden, berichteten Anwohner. Zudem sei dort eine zweistündige CD im Umlauf, die die Urteilsverkündung im Prozess wegen der Ermordung von 148 Schiiten im Ort Dudschail 1982 in voller Länge zeigt - bisher waren auch davon nur Ausschnitte veröffentlicht worden. Am Vortag hatten Sunniten in Bagdad und der Stadt Samara auch gegen das Hinrichtungs-Video protestiert. Die Regierung hatte wenige Stunden nach der Exekution am Samstagvormittag nur ein kurzes Video ohne Ton veröffentlicht. Es bricht ab, als der Henker die Schlinge zuzieht. Das im Internet kursierende Video nebst Ton ist mehr als zwei Minuten lang und zeigt die Hinrichtung bis zum Ende.

Saddam sowie sein Halbbruder Barsan al-Tikriti und der Ex-Richter Awad al-Bandar waren am 5. November vergangenen Jahres zum Tode verurteilt worden. Saddam war im Morgengrauen am Samstag hingerichtet worden. Die Hinrichtung der beiden anderen war verschoben worden. Sie wird nach dem islamischen Opferfest erwartet, das für die Schiiten am heutigen Mittwoch zu Ende geht.

DPA

 
 
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KOMMENTARE (5 von 5)
 
sunnyboy_1 (04.01.2007, 15:15 Uhr)
das mit dem Verhoehnen vor dem Tode.....
ist nicht neu. Denk doch mal an Jesus, dem es angeblich auch so ergangen sein soll. Im Gegensatz zu den damaligen Riten, konnte Saddam froh sein, dass er im Irak gehenkt wurde. Ein relativ schneller Akt. Sozusagen ein Glueckspilz, dieser Unhold.
k.back (03.01.2007, 21:16 Uhr)
Einfach schrecklich
Nicht nur, dass ich die Todesstrafe aufs schärfste verurteile und verachte, aber was hier passiert ist, ist einfach schrecklich und menschenverachtend. Das, was Saddam Hussein getan hat, ist sicherlich zu verurteilen, aber doch nicht so. Einen Menschen kurz vor der Exekution auch noch zu verhöhnen macht mich echt fassungslos.
sunnyboy_1 (03.01.2007, 15:46 Uhr)
Jedem das seine
Das mag sich fuer uns "zivilisierte" Buerger alles schrecklich anhoeren oder ansehen. Fuer die ehemals gepeinigten Irakis ist es ein Erloesung. Haben wir ein Recht ueber die Sitten anderer Voelker zu urteilen?? In den USA werden Gefangene mit einer Injektion hingerichtet. Die letzte muss wohl nicht so richtig gewirkt haben, denn der Deliquent litt 40 Minuten lang, bis ihm eine neue Spritze verpasst wurde. Todesstrafen gibt es noch in vielen Laendern. Die meisten Menschen werden in China hingerichtet. Viele ohne Prozess und aus bestialischen Gruenden. Man benutzt diese Hingerichteten als "Ersatzteilspender", um reichen Chinesen eine neue Niere, Leber oder gar Herz zu verpassen. Haben die Industrielaender deshalb die wirtschaftlichen Beziehungen abgebrochen?? Nein. Es sind nur Lippenbekenntnisse der westlichen Nationen, denen in ihrer Geldgier die Menschenrechte vollkommen egals sind. Hauptsache, dem eigenen Volk beruhigend mitgeteilt, dass man sich fuer die "Menschenrechte" in China stark gemacht habe. Wahrscheinlich meinten sie die Rechte der Wirtschaftsbosse??
Alles Heuchelei.-------------------Besonders niedlich fand ich den Aufruf der kath. Kirche, man solle Saddam doch leben lassen. Einen Verbrecher der uebelsten Sorte. Finde ich auch. Denn der Tod ist fuer diesen Burschen keien Strafe, sondern eine Erloesung. Arbeitslager, in dem er fuer die Hinterbliebenen haette arbeiten muessen, waere geeigneter gewesen.
Wieso faellt mir gerade jetzt die Inquisition ein?????????? Ach ja, da hat die kath. Kirche aus profanen Gruenden ihre Schaefchen umgebracht, um ihrem sexuellen Sadismus zu froenen. Wie sich die Zeiten doch so aendern. Bravo kath. Kirche !!
richter169 (03.01.2007, 14:34 Uhr)
Tod Sadams
Hallo,
ich finde das ein Toter ein recht auf Ruhe hat. Selbst von seinen Gegnern soll er dann in frieden gelassen werden, weil er in den moment mit seinen Schöpfer seinen Frieden macht.
Was da gelaufen ist, gehört sich nicht. Es muß schon sehr viel Hass da sein, um das zu machen.
Bis dann
LG Richter
Kathrein (03.01.2007, 13:47 Uhr)
Verkaufshit - Hinrichtungsvideo
So streng können die Sicherheitskontrollen im Hinrichtungsraum ja wohl nicht gewesen sein, da auch ein noch so winziges Handy (Verfilmung ca. 3-4 Min.) zu orten ist. Ich habe die Videos über YouTube gesehen. Auch wenn die Sprache nicht zu verstehen ist, die Bilder und das Gebrüll in dem Raum gehen an die Nieren. Wenn dieses Video tatsächlich im Auftrag gefilmt wurde, eine endgültige Prüfung steht ja noch aus, hat der Anwalt zwecks Verstoßes gegen die die Genfer Konvention Recht. Ganz abgesehen von Schuld und Sühne des Angeklagten, auf diese menschenunwürdige Hinrichtung wird eine breite Welle der Gewalt folgen. War das so beabsichtigt??
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