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26. Juli 2006, 11:16 Uhr

"Gegen meinen Willen hier"

Saddam Hussein nimmt zum ersten Mal seit Beginn seines Hungerstreiks wieder an seinem eigenen Prozess teil. Erfreut ist der abgemagerte irakische Ex-Herrscher darüber allerdings nicht.

Saddam Hussein, hier aufgenommen im Juni, kehrt nach einem zweiwöchigen Hungerstreik erstmals in den Gerichtssaal zurück© Iraqi Special Tribunal/DPA

Der ehemalige irakische Präsident Saddam Hussein ist zum ersten Mal seit Beginn seines Hungerstreiks wieder vor Gericht erschienen. In der Übertragung des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira war ein unvermindert streitfreudiger Saddam zu sehen, der allerdings von seinem zweiwöchigen Hungerstreik etwas abgemagert wirkte. Er beschwerte sich beim Vorsitzenden Richter darüber, dass er gegen seinen Willen direkt aus dem Krankenhaus in den Gerichtssaal gebracht worden sei. Der Exstaatschef betonte erneut, dass er das Gericht nicht anerkenne und lehnte auch seinen Pflichtverteidiger ab.

"Es war nicht meine Entscheidung, vor Gericht zu erscheinen", sagte Saddam, der einen dunklen Anzug trug und einen Koran bei sich hatte. "Ich hatte ihnen eine Petition geschrieben, in der ich klargestellt habe, dass ich nicht vor Gericht erscheinen will", sagte er dem Richter, "sie haben mich aber gegen meinen Willen hergebracht." Er sei seit dem 8. Juli in einem Hungerstreik, fügte Saddam hinzu. Der ehemalige Machthaber war am Sonntag nach einem Schwächeanfall infolge seines Hungerstreiks ins Krankenhaus gebracht und kurzzeitig über eine Magensonde ernährt worden.

Boykott der Verteidiger

Saddam und sieben weitere Angeklagte müssen sich vor dem irakischen Sondertribunal wegen Verbrechen an der Bevölkerung des schiitischen Dorfes Dudschail im Jahr 1982 verantworten. Unter anderen waren 148 Männer und Jugendliche nach einem fehlgeschlagenen Attentat auf Saddam hingerichtet worden. Der Prozess befindet sich in der Schlussphase. Die Staatsanwaltschaft hatte für Saddam und zwei Mitangeklagte die Todesstrafe gefordert. Mit einem Urteil wird Mitte August gerechnet.

Die Verteidiger von Saddam Hussein boykottieren den Prozess und fordern einen besseren Schutz vor Anschlägen. Daraufhin wurden Pflichtverteidiger für Saddam Hussein und seine Mitangeklagten bestellt. Der Pflichtverteidiger sagte in seinem Plädoyer, die Augenzeugen und die im Prozess vorgelegten Dokumente hätten nicht beweisen können, dass Saddam Hussein persönlich in die Morde an Schiiten in Dudschail 1982 verwickelt gewesen sei.

Reuters/AP/DPA
 
 
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