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22. Dezember 2005, 10:59 Uhr

"Das Weiße Haus lügt"

Im Saddam-Prozess bezichtigen sich die Beteiligten gegenseitig der Lüge: Die USA wiesen die Vorwürfe Saddams zurück, ihn gefoltert zu haben, was wiederum der Hauptangeklagte als Lüge bezeichnete.

Prozessauftakt am Donnerstag: USA weist Foltervorwürfe zurück© John Moore/AFP

Der Prozess gegen Saddam Hussein ist ein Tag nach seiner Behauptung, in US-Militärgewahrsam misshandelt worden zu sein, fortgesetzt worden. Der ehemalige irakische Machthaber wirkte am Donnerstag müde aber gefasst.

Saddam hatte den USA vorgeworfen, jede Stelle seines Körpers sei geschlagen worden, und die Male seien auf seinem ganzen Körper zu sehen. Das US-Präsidialamt hat die Foltervorwürfe allerdings als grotesk zurückgewiesen.

"Das ist eines der absurdesten Dinge, die ich von Saddam Hussein in letzter Zeit gehört habe", sagte Präsidialamtssprecher Scott McClellan in Washington. "Saddam Hussein wird völlig anders behandelt als jene, die er inhaftieren und foltern ließ, nur weil sie ihre Meinung geäußert haben."

"Das Weiße Haus lügt"

Saddam reagierte auf die Äußerungen der Amerikaner ungehalten und warf wiederum dem US-Präsidialamt vor, gelogen zu haben. So auch im Vorfeld der US-geführten Invasion 2003.

"Das Weiße Haus lügt. Sie haben gesagt, dass der Irak Chemiewaffen besitzt", sagte er am Donnerstag. "Sie haben wieder gelogen, als sie sagten, dass das, was Saddam sagte, falsch war." Diese Äußerung könnte sich auf die US-Reaktion zu den von Saddam vorgebrachten Foltervorwürden beziehen. Der Prozess ist nach Angaben des Gerichts auf den 24. Januar vertagt worden.

Der Vorsitzende Richter im Prozess, Risgar Mohammed Amin, hat derweil in einem Zeitungsinterview seinen als zu nachgiebig empfundenen Stil im Gerichtssaal verteidigt. "Wenn ich im Gericht sitze, geht mir nur sehr wenig durch den Kopf, denn meine Gedanken kreisen alleine darum, wie man der Gerechtigkeit Genüge tun kann, denn Gott beobachtet das Tun des Richters", sagte er der irakischen Zeitung "al Bajina al Jadida".

Er bemühe sich stets um Neutralität und es sei für ihn auch nichts Außergewöhnliches, über Saddam Hussein zu urteilen. "Diejenigen, die meinen Stil bei der Prozessführung kritisieren, wissen nichts darüber, wie sich ein Richter zu benehmen hat", fügte er hinzu.

Amin betonte, auch wenn er es Saddam erlaube, sich im Gerichtssaal zu politischen Themen zu äußern, so halte er sich selbst von der Politik fern. "Wenn der Richter die Tür zur Politik betritt, dann verlässt er automatisch die Tür, die zur Justiz führt."

DPA/Reuters
 
 
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