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5. November 2007, 15:46 Uhr

Palermos Mafia-Pate gefasst

Gleich vier ganz große Fische sind der italienischen Polizei in Netz gegangen: Bei einer Razzia seines Hauses wurde Salvatore Lo Piccolo, der Pate von Palermo, festgenommen. Der 65-Jährige war seit 1983 flüchtig. Ebenfalls verhaftet: Sein Sohn Sandro und zwei mächtige Clanchefs. Von Luisa Brandl, Rom

Ein "großes Ereignis" - Salvatore Lo Piccolo (2.v.l.) nach seiner Festnahme© AP

Der 65-jährige Boss saß gerade bei einer Besprechung mit seinem Sohn und zwei Clanchefs in der Garage seines Eigenheims in Carini nahe Palermo, als die italienische Polizei das Haus erst umstellte und dann stürmte. Es kam zu einem kurzen Schusswechsel. Bei der Festnahme waren alle vier Männer bewaffnet, es wurden Dokumente, Bargeld und Waffen beschlagnahmt. Die Clanchefs Andrea Adamo und Gaspare Pulizzi gehören nach Angaben der Polizei zu den dreißig meistgesuchten Mafiosi. Italiens oberster Mafiajäger Piero Grasso lobte die Verhaftung heute als ein "großes Ereignis".

Er zog die Fäden im Hintergrund

Salvatore Lo Piccolo galt als einer, der im Hintergrund die Fäden zog. Er bastelte unermüdlich, aber unauffällig an seiner Karriere, während die anderen Mafiosi sich gegenseitig abschlachteten oder der Polizei ins Netz gingen. "Il barone" wurde er genannt, der Baron. Einst war er Statthalter des berüchtigten obersten Mafiabosses Bernardo Provenzano gewesen. Nach dessen Verhaftung im April 2006 rückte Lo Piccolo an die Spitze der sizilianischen Cosa Nostra auf.

Anders als Provenzano, der sich bis zu seiner Verhaftung im Hinterland Palermos versteckt hielt, lebten die Lo Piccolos ungerührt in ihrem volleingerichteten Einfamilienhaus. Salvatore war seit 1983 flüchtig. Gegen ihn liegen acht Haftbefehle vor, er wurde bereits 1998 wegen Mordes und Mafiazugehörigkeit zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Sein Sohn Sandro gilt als seine rechte Hand. Der 32-Jährige ist seit knapp zehn Jahren auf der Flucht. 1998 entkam er einer Festnahme in dem Palermitaner Badeort Monello.

Salvatore Lo Piccolo kontrollierte den Kokainhandel und die einträglichen Schutzgelderpressungen gegenüber Unternehmern und Kaufleuten in seinem Gebiet San Lorenzo, einem Randbezirk von Palermo. Seine Macht erstreckte sich aber über Palermo hinaus auf den Nordwesten Siziliens. Zuletzt verlegt er sich auf öffentliche Aufträge, die er für Cosa Nostra an Land zog wie zum Beispiel für den Ausbau der Autobahn auf der Insel.

Seine Karriere begann Lo Piccolo als Bauunternehmer in San Lorenzo sowie als Leibwächter und Fahrer des Mafia-Paten Rosario Riccobono. Als dieser im Mafiakrieg der achtziger Jahre getötet und in Salzsäure aufgelöst wurde, schlug er sich geschickt auf die Seite der siegreichen Familie der Corleonesi und ihrer Organisation Cosa Nostra. Er leistete erst Toto Riina Gefolgschaft und stellte sich nach dessen Festnahme in den Dienst von Bernardo Provenzano. Mit dem letzten großen Mafiaboss unterhielt er einen regen Briefverkehr auf kleinen handgeschriebenen Zetteln, den "Pizzini", auf denen der Boss seine Befehle gab, ohne elektronische Spuren zu hinterlassen.

Er hatte gute Kontakte zur italo-amerikanischen Mafia

Unter den Corleonesi stieg Lo Piccolo auf und wurde zum wichtigsten Verbindungsmann des flüchtigen Provenzano. Er verschaffte dem Boss Allianzen zu den Clanchefs in Palermo und sicherte so die Kontrolle über fast das ganze Stadtgebiet. Von der Insel-Hauptstadt dehnte er sein Imperium immer weiter aus und verdrängte seinen jüngeren Rivalen, den 45-jährigen Matteo Messina Denaro aus der Gegend von Trapani. Lo Piccolo festigte seine Machtposition auch mittels seiner guten Kontakte zur italo-amerikanischen Mafia.

Von der Festnahme von Salvatore und Sandro Lo Piccolo erwartet der oberste Staatsanwalt in Palermo Francesco Messineo weit reichende Folgen. "Wir hoffen, dass die Kontrolle der Mafiaclans über die einheimischen Unternehmer bröckeln wird, da die beiden Lo Piccolos der Bezugspunkt für diese Bosse waren. Das lässt uns hoffen, dass dann eine bessere Zusammenarbeit mit den Bürger gegen die Mafia möglich sein wird", so der Chef des Antimafia-Pools.

Von Luisa Brandl, Rom
 
 
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