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29. August 2008, 19:54 Uhr

McCains weibliche Wunderwaffe

Mit Sarah Palin als Vizepräsidentschaftskandidatin überraschte McCain selbst Insider - und befriedigt damit die religiöse Rechte. Von Matthias B. Krause, New York

Kämpft mit John McCain ums Weiße Haus: Sarah Palin, die Gouverneurin von Alaska© Win McNamee/Getty Images

Die 44-jährige Palin hatten die wenigsten Beobachter auf der Rechnung. Bis zuletzt galt Wirtschaftsexperte Mitt Romney, einst Gouverneur in Massachussetts, als einer der Favoriten. Auch Joseph Lieberman, einst Vizekandidat von Demokrat Al Gore, war im Gespräch.

Mit Palin geht McCain ein Risiko ein, das hohe politische Gewinne verspricht. Zum einen befriedigt er damit die Wünsche der religiösen Rechten. Die hatte bislang Zweifel an McCains Position zur Abtreibung. Palins politisches Resüme und ihre Lebensgeschichte räumen nun alle Zweifel aus. Sie ist aktives Mitglied der Gruppe "Feminists For Life", die sich für ein Verbot jeglicher Abtreibungen einsetzt. Die Mutter von fünf Kindern entschied sich, ihren Sohn Trig Paxson im April dieses Jahres zur Welt zu bringen, obwohl Tests darauf hinwiesen, dass er am Downsyndrom leidet. Der Verdachte bestätigte sich. "Wenn ich ihn jetzt ansehe, dann sehe ich Perfektion", sagt Palin über ihre Entscheidung. "Ja, er hat ein Chromosom mehr. Aber ich muss immer daran denken, was bedeutet in unserer Welt normal und was ist perfekt?" Drei Tage nach der Geburt nahm sie die Amtsgeschäfte wieder auf.

Obwohl Palin als Außenseiterin und mit wenig Geld antrat, stach sie vor zwei Jahren Amtsinhaber Frank Murkowski bei den Vorwahlen um das Gouverneursrennen aus und gewann knapp die Wahl. Seitdem hat sie kräftig aufgeräumt. Nicht nur in der Landesverwaltung, auch in ihrer eigenen Partei. Eine ganze Reihe von Republikanern in Alaska müssen sich derzeit wegen Korruptionsverdachts vor Gericht verantworten. Das muss McCain gefallen haben, der selbst den Ruf genießt, eigenwillige Entscheidungen zu treffen und sich nichts von seiner Partei vorschreiben zu lassen. Zudem kann er mit Verweis auf Palin Obamas Vorwurf kontern, er sein nur daran interessiert, so weiter zu machen wie Amtsinhaber George W. Bush.

Schließlich buhlt McCain mit seiner Entscheidung offen um eine Gruppe, die Obama bislang nur teilweise für sich gewinnen konnte: Die enttäuschten Anhänger von Hillary Clinton, die das Rennen um die Kandidatur der US-Demokraten denkbar knapp verloren hatte. Karl Rove, Bushs einstiger Politstratege, der auch für McCain Strippen hinter den Kulissen zieht, sagte dem US-Sender FoxNews: "Das ist ein starkes Signal der McCain-Wahlkämpfer, dass sie sich um die Frauen bemühen, die unentschlossen sind: Die traditionellen Wechselwähler in den Vororten und die enttäuschten Clinton-Anhänger." McCains Entscheidung spricht trotzdem für sein Selbstbewusstsein. Einige in seiner Partei seien "geschockt", heißt es. Palin wirkt nicht wie eine Präsidentin im Wartestand für den Fall, dass der 72-Jährige gesundheitlich nicht in der Lage sein sollte, die Geschäfte zu führen. Sie wirkt eher wie eine Praktikantin für den Job.

Palin ist jünger als Obama und hat noch weniger Regierungserfahrung. An ihrer Zähigkeit und ihrem Durchsetzungsvermögen sollte allerdings niemand zweifeln. In ihrer Highschool war sie als "Sarah Barracuda" berüchtigt, ob ihres aggressiven Stils beim Basketball. In einem Finale hielt sie einst auch ein Ermüdungsbruch im Knöchel nicht davon ab, die spielentscheidenden Freiwürfe zu versenken.

Sie gewann Schönheitswettbewerbe und mit ihrem Vater Charles, einem Mathe- und Sportlehrer, zog sie früher manchmal noch vor der Schule los, um Elche zu jagen. Sie ging ihrem Mann Todd auf seinem Fischerboot zur Hand, ehe sie in die Politik wechselte. 1992 wurde sie Bürgermeisterin von Wasilla, einer 8000-Einwohnerstadt im Südwesten Alaskas. Schon damals erwarb sie sich einen Ruf als Wirtschaftsreformerin, die Steuern kürzt und die Verschwendung öffentlicher Gelder eindämmt. Wenn der Parteitag der Republikaner sie bestätigt, wird sie die erste weibliche Kandidatin für den Posten des Vizepräsidenten in der Geschichte der Partei.

Von Matthias B. Krause, New York
 
 
KOMMENTARE (10 von 41)
 
OskarRumpel (01.09.2008, 20:00 Uhr)
Da schau her
In den USA schafft es ein schwarzer Senator mit muslimischen Hintergrund Präsidentschaftskandidat zu werden und in Deutschland wird noch darüber dikutiert, ob die BRD ein Einwanderungsland ist. Da lobe ich mir die Amerikaner für ihre Fortschrittspolitik, von der sich die deutschen Konservativen eine riesige Scheibe abschneiden können.
Es ärgert mich zu sehen, wie Kinder ndH noch die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen müssen. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass wer hier geboren wurde automatisch die dt. Staatsbürgerschaft erhält. So würden wir uns nervige Zwischenstufen bei der Integration völlig sparen.
Naja mühsam nährt sich das Eichhörnchen....
aeternitas (31.08.2008, 15:03 Uhr)
Ein interessanter Link zu McCain
http://www.freitag.de/2008/35/08351001.php
ganzbaf (31.08.2008, 10:32 Uhr)
Amerika...

den Amerikanern! (Den echten!) (-:
Ernst_Derlage (31.08.2008, 09:27 Uhr)
@Alexandros1gr
Junge, von Deinem Schwachsinn krieg ich Pickel. Bring doch lieber öfter mal den Müll nach unten, anstatt die Leute hier zu belästigen und den Eindruck zu erwecken, der STERN sei ein Forum für geistig Behinderte.
Alexandros1gr (30.08.2008, 23:02 Uhr)
@thortimoe
Ich soll mich mit der geschichte der USA befassen.
Oh Ja das habe ich schon seit jahren,und was habe ich erfahren.
Die wohl größte rassen abschlachtung und ethnische säuberung in der geschichte der Menscheit.
Da ist der Holocaust ja gar nichts gegen.
Die amerikaner habe es geschaft in 70 Jahren.
ein Volk das ein ganzen kontinet befölkert hat auszuradieren .Von der Oberfläche der Erde zu löschen.
Aber Ok es sind ja ein paar Indianer übriggeblieben.
ganzbaf (30.08.2008, 22:54 Uhr)
Ja.

Alle die keinen eingeborenen Amerikaner indianischer Abstammung wählen, sind imperiale Rassisten.
.
So viel zu deiner Belehrung.
UR63 (30.08.2008, 21:03 Uhr)
Hier ein schönes Beispiel...
wer laut ARD die Wahl zu gewinnen hat!
www.tagesschau.de/kommentar/obama452.html
Wer keinen Obama wählt ist ein Rassist!
Sind Farbige die McCain nicht wählen auch Rassisten???
Stones60 (30.08.2008, 20:41 Uhr)
@idefix
schauen sie doch mal unter Morgenthau- Plan nach diesen meinten sie doch mit dem Agrarstaat. Allerdings war dies eine amerikanische Idee die aber von keiner der alliierten Nationen in Betracht gezogen wurden.
Datenaktuell (30.08.2008, 14:23 Uhr)
Erstklassige Wahl von McCain
Die Wahl von Sarah Palin zeigt, dass sich McCain von den 8 Jahren Bush lösen will.
Die Unerfahrenheit einer Vizepräsidentin ist für den Job kein Problem.
Der Job soll ja nur die Gegenposition zum eigentlichen Kandidaten repräsentieren.
McCain zeigt so auch, dass er risikofreudig Personalien besetzt.
Die sonstigen Profis bei den Republikanern sind dann fürs Kabinet vorgesehen.
B. Obama hat sich nicht mit H. Clinton auf gemeinsame Planung einigen können. Vielleicht kommt sie noch ins Kabinet, aber für die Wahlen unbedeutend.
Sarah Palin wird weibliche Wähler ansprechen in den Wechselstaaten.
In den Stammstaaten der Republikaner geht sie einfach so mit durch.
Gisella (30.08.2008, 13:23 Uhr)
@Sternchen
Sie haben völlig Recht- wer zur Hölle hat Mc.Cain da beraten, diese Vize zu nominieren???Damit hat er sich geschädigt und sehr wahrscheinlich den Obamaaa in den Präsidentensitz befördert-und auch der ist witzlos als Präsident-Biden ist allerdings o.k.
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