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6. Mai 2007, 12:43 Uhr

75 Prozent aller Franzosen haben gewählt

Rekordbeteiligung bei den Frankreich-Wahlen: 75,1 Prozent der 44,5 Millionen französischen Wahlberechtigten sind zur Urne gegangen. Das ist die höchste Beteiligung an einer Stichwahl seit mehr als 40 Jahren.

Die Jugend steht eher hinter Ségolène Royal, besser im Rennen liegt Sarkozy© Gildas Raffenel/EPA

Der Zweikampf um die Präsidentschaft zwischen Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal hat die Franzosen am Sonntag mobilisiert. Bis 17.00 Uhr strömten 75,1 Prozent der 44,5 Millionen Wahlberechtigten zur Stimmabgabe, das war die höchste Beteiligung an einer Stichwahl seit mehr als 40 Jahren. Allen Umfragen zufolge steuerte der konservative Kandidat Sarkozy einem klaren Sieg über die Sozialistin Royal entgegen. Bereits am 22. April erreichte die Wahlbeteiligung für einen ersten Durchgang fast einen Rekord für die Fünfte Republik.

Am Sonntag zeichnete sich ein noch größeres Interesse ab: Die Beteiligung lag dem Innenministerium zufolge sogar noch etwas höher als zum gleichen Zeitpunkt 1974, als das Duell zwischen Valéry Giscard d’Estaing und François Mitterrand zur bislang höchsten Wahlbeteiligung in der Geschichte der Fünften Republik führte. Den ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte Sarkozy mit 31,2 Prozent vor Royal (25,9 Prozent) und weiteren zehn Kandidaten gewonnen. Der amtierende Staatschef Jacques Chirac hat nach zwölf Jahren im Élysée-Palast auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Der frühere Innenminister Sarkozy gab kurz nach Mittag in Neuilly bei Paris seine Stimme ab. Royal wählte im westfranzösischen Melle, wo hunderte Anhänger sie mit Sprechchören "Ségolène Präsidentin" begrüßten.

Letzte Umfragen räumten dem Vorsitzenden der bürgerlichen Regierungspartei UMP einen Vorsprung von bis zu zehn Prozentpunkten ein. Royal verschärfte zum Ende des Wahlkampfs am Freitag um Mitternacht ihre Angriffe gegen ihren Gegner und warnte mit Blick auf die Unruhen in den Vorstädten 2005, ein Sieg Sarkozys werde "Gewalttätigkeiten und Brutalitäten" entflammen.

Eine wichtige Rolle dürften die Wähler des Zentrumspolitikers François Bayrou spielen, der vor zwei Wochen 18,6 Prozent der Stimmen erreicht hatte. Die Wahllokale schließen in den Großstädten um 20.00 Uhr. Direkt im Anschluss verbreitet das Fernsehen erste Hochrechnungen. Die Polizei stellte sich auf mögliche Unruhen in der Wahlnacht ein, vor allem in den Pariser Vorstädten. Dort dürften sich viele Jugendliche von einem Sieg Sarkozys provoziert fühlen. Der damalige Innenminister hatte 2005 bei einem Besuch in La Courneuve gesagt, er wolle das Viertel mit einem Kärcher reinigen. Später bezeichnete er jugendliche Straftäter als "Gesindel und Taugenichtse".

Die Polizei verhängte im Département Seine-Saint-Denis, wo 2005 wochenlange Unruhen begannen, eine Urlaubssperre. Die Zeitung "Le Parisien" berichtete, in Paris und den angrenzenden Vorstädten seien 3.000 Polizisten mobilisiert. Dies sei aber nicht ungewöhnlich und entspreche etwa den Vorkehrungen für die Silvesternacht.

Kampf gegen das Erbe des Mai 68

Sarkozy will Steuern senken, die Staatsverschuldung abbauen, die 35-Stunden-Woche lockern und den Staatsdienst verschlanken. Er tritt zudem für Werte wie Nationalbewusstsein und Autorität ein und hat einem «intellektuellen und moralischen Relativismus» den Kampf angesagt, für den er die 68er-Generation verantwortlich macht. Royal, die die erste Präsidentin Frankreichs werden könnte, hat mit einem Ausbau des Sozialstaates und einer Stärkung der parlamentarischen Demokratie geworben.

DPA/AP
 
 
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