Während in Deutschland eine hitzige Debatte über Kinderbetreuung geführt wird, haben Roma-Kinder in Südosteuropa - nur wenige hundert Kilometer von uns entfernt - ganz andere Probleme: zwei Drittel leben in bitterer Armut.

Eine alleinerziehende Mutter (23 Jahre alt) mit ihren fünf Kindern in einem von Unicef geförderten Projekt in Manic (Belgrad)© Zoran Jovanovic Maccak/Unicef
Alle Menschen sind gleich? Sicher nicht! Alle Kinder sind gleich? Ganz sicher auch nicht! Deshalb hat Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, die Regierungen in Europa dazu aufgerufen, für Roma-Kinder die gleichen Rechte auf Gesundheit, Bildung und Schutz sicher zu stellen, wie für alle anderen Kinder auch. Die acht bis zehn Millionen Roma sind die größte Minderheit Europas. Und ihr Schicksal ist hart: Die überweigende Mehrheit der Kinder lebt unterhalb der Armutsgrenze, zeitweise hungern zwei von drei Familien - und die Kinder natürlich auch.
Brutaler Rassismus
Anlässlich der Konferenz "Roma-Kinder in Europa - Zwischen Integration und Isolation" in Paris appelliert Unicef an Politik, Medien und Behörden sich dafür einzusetzen, Vorurteile gegenüber der mit acht bis zehn Millionen Angehörigen größten Minderheit Europas abzubauen und den verbreiteten Rassismus gegenüber Roma zu bekämpfen. Bei der Tagung hatte Unicef einen Bericht zur Lage der Roma-Kinder in sieben Ländern Südosteuropas (Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Mazedonien, Montenegro, Rumänien, Serbien) sowie im Kosovo erstellt.
Dabei ist laut Unicef die Lage der Roma in den neuen EU-Mitgliedstaaten kaum besser als in den ehemaligen Kriegsgebieten Bosnien und Kosovo. In Rumänien lebte etwa ein Drittel der Roma in "gettoartigen Wohnsiedlungen" meist ohne fließendes Wasser.
Roma-Kinder werden oft nicht eingeschult
Insbesondere in Südosteuropa, wo die meisten Roma in großer Armut am Rande der Gesellschaften leben, müssen massive Anstrengungen unternommen werden, damit alle Roma-Kinder die Schule besuchen können und medizinisch versorgt werden. In Ländern wie Albanien, Bulgarien und Rumänien werden gegenwärtig zwischen 20 und 40 Prozent der Roma-Kinder nicht einmal eingeschult. In Bosnien-Herzegowina gehen sogar 80 Prozent nicht zur Schule.
Fast die Hälfte der Roma in Südosteuropa sind Kinder und Jugendliche. Bei aller Unterschiedlichkeit haben sie eines gemeinsam: die meisten sind arm und wachsen in Verhältnissen auf, die oft nicht viel besser sind als in den Endwicklungsländern. Vor allem die Kinder leiden unter Armut, Diskriminierung und Perspektivlosigkeit.
Teufelskreis aus Ausgrenzung und Armut
"Roma-Kinder müssen die Chance bekommen, den Teufelskreis aus Armut, Ausgrenzung und Vorurteilen zu durchbrechen. Wenn mitten in Europa dauerhaft Hunderttausende Kinder in Ghettos ohne gute Ausbildung und Perspektiven aufwachsen, ist dies nicht allein eine Katastrophe für die Betroffenen. Ablehnung, Frustration und Aggression können sich aufschaukeln. Die sozialen und politischen Folgekosten wären enorm", sagte Reinhard Schlagintweit, Vorstandsmitglied von Unicef Deutschland.
Von Karin Spitra