Der Vorwurf der "Drückebergerei" vor dem Militärdienst ist für George W. Bush nicht neu. Um ihn zu entkräften, hat er nun seine gesamten Militärakten aus der Zeit des Vietnam-Krieges veröffentlichen lassen.

Drückeberger, oder nicht? US-Präsident George W. Bush in der Piloten-Uniform der texanischen Nationalgarde (1968)© Reuters
Die Zeichen für einen üblen Präsidentschaftswahlkampf in den USA mehren sich. Die Munition für eine politische Schlammschlacht findet sich schon in den Klatschpresse. Aber auch seriöse Medien wühlen plötzlich in Jahrzehnte alten Dokumenten, um Charaktermängel beim Präsidenten George W. Bush oder bei seinen demokratischen Gegnern aufzudecken. Es droht "der schmutzigste Wahlkampf in der US-Geschichte", schrieb am Freitag die konservative "Washington Times".
Der Vorwurf der "Drückebergerei" vor dem Militärdienst ist für George W. Bush nicht neu. Schon in den letzten Tagen des Wahlkampfs vor vier Jahren warfen Mitarbeiter des damaligen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Al Gore dem Republikaner Bush vor, sich während seiner Dienstzeit in der Nationalgarde ein ganzes Jahr lang unerlaubt abgesetzt zu haben.
Nach den anhaltenden Spekulationen über seinen Militärdienst hat George W. Bush daher seine gesamten Militärakten aus der Zeit des Vietnam-Krieges veröffentlichen lassen.
Das Präsidialamt händigte Journalisten dicke Pakete mit Hunderten von Seiten aus dem Archiv der Nationalgarde in Denver aus. Die Akten sollen den vor allem von den Demokraten im Präsidentschaftswahlkampf erhobenen Vorwurf widerlegen, Bush habe sich vor einem Einsatz in Vietnam gedrückt.
"Wir haben die gesamte Akte heute Nachmittag bekommen und der Präsident möchte, dass alles veröffentlicht wird", sagte Bushs Sprecher Scott McClellan. "Es gab einige, die den falschen Eindruck erwecken wollten, dass es etwas zu verbergen gebe, was nicht der Fall ist."
Einem ersten Eindruck zufolge bieten die Akten keine dramatischen Fakten. Sie dokumentieren Bushs Dienstbeginn bei der Nationalgarde 1968 und seine Absichtserklärung, ein Leben lang fliegen zu wollen, bis er vorzeitig und in Ehren im Oktober 1973 entlassen wurde, um in Harvard zu studieren. Bushs Vater war damals Kongressabgeordneter, zu einem Zeitpunkt, als der Dienst bei der Nationalgarde für Privilegierte als Möglichkeit galt, eine Einberufung zum Kriegsdienst in Vietnam zu vermeiden. Die Fragen zu seinem Dienst haben dadurch an Brisanz gewonnen, dass Bush sich selbst in seinem Bemühen um eine Wiederwahl im November als "Kriegspräsident" präsentiert.
Zwei Abschnitte der Akte über Bushs Dienst waren vor wenigen Tagen veröffentlicht worden. Die Dokumente belegten einem ranghohen Militärvertreter zufolge, dass "er seine militärischen Pflichten zufriedenstellend wahrgenommen (hat)". Längere Abwesenheiten vom Dienst erklärte das Präsidialamt mit Bushs politischem Engagement in Alabama im Herbst 1972.
Anders als Bush hatte sich der Favorit unter den Präsidentschaftsbewerbern der Demokraten, John Kerry, freiwillig zum Einsatz in Vietnam gemeldet und war für seinen Dienst ausgezeichnet worden.