Die Spur des "Gefangenen X" könnte in den Iran führen

14. Februar 2013, 13:02 Uhr

Israel rätselt über das Schicksal des "Gefangenen X". Der aus Australien stammende Ben Zygier soll für eine Scheinfirma des Geheimdienstes Mossad mit Israels Erzfeind Geschäfte gemacht haben.

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Bis zu seinem Tod soll der 34-jährige Ben Zygier in Israels sicherster Gefängniszelle im Ayalon-Gefängnis bei Tel Aviv in strikter Isolierhaft gehalten worden sein, so der australische Sender ABC©

In der mysteriösen Affäre um den Tod eines angeblichen Mossad-Agenten mit australischem Pass könnte eine Spur von Israel in den Iran führen. Gemeinsam mit zwei weiteren Australiern, die ebenfalls israelische Staatsbürger waren, soll Ben Zygier laut britischem "Guardian" in Europa im Auftrag des Geheimdienstes Mossad eine Scheinfirma gegründet haben. Diese habe elektronische Bauteile in den Iran verkauft. Dabei könnte ihm ein Fehler unterlaufen sein. Zygier war 2010 in Israels sicherster Gefängniszelle gestorben.

"War der Mossad-Agent ein Verräter?", fragt die Zeitung "Jediot Achronot" in ihrer Schlagzeile. Der israelische Staat lockert nur zögerlich die verhängte Nachrichtensperre.

Auffällig ist auch der Zeitpunkt der Festnahme des mit einer Israelin verheirateten Zygier - kurz nach dem Mord an dem ranghohen Hamas-Funktionär Mahmud al-Mabhuh in Dubai im Januar 2010. An der Tat, die dem Mossad zugeschrieben wurde, waren auch einige Verdächtige mit gefälschten australischen Pässen beteiligt. Ein australischer Journalist rief danach bei Zygier an und konfrontierte ihn mit der Frage, ob er für den Mossad arbeite - was dieser vehement zurückwies. Auch der australische Geheimdienst ermittelte nach Medienberichten gegen ihn, wegen des Verdachts, er missbrauche seinen unverdächtigen australischen Pass für Reisen in arabische Länder und den Iran.

"War der Mossad-Agent ein Verräter?"

Die israelische Zeitung "Jediot Achronot" schreibt am Donnerstag, der 2001 nach Israel eingewanderte Zygier habe als Praktikant in dem angesehenen Rechtsanwaltsbüro Herzog-Fuchs-Neeman gearbeitet. Einer der Gründer ist der scheidende Justizminister Jaakov Neeman, der nach Bekanntwerden der Affäre von Parlamentariern in der Knesset mit Fragen bedrängt wurde. Neben seiner Arbeit als Rechtsanwalt arbeitete Zygier den Berichten zufolge heimlich für den Mossad.

Ein Bekannter von Zygier sagte der Jewish Telegraphic Agency (JTA): "Ich hatte nie den Eindruck, dass er sehr stabil war." Er könne sich nicht vorstellen, dass "so jemand gut für den Mossad sein könnte". Zygier habe außerdem "zu viel geredet".

Bis zu seinem Tod am 15. Dezember 2010 wurde der 34-Jährige nach Recherchen des australischen Senders ABC in Israels sicherster Gefängniszelle im Ayalon-Gefängnis bei Tel Aviv in strikter Isolierhaft gehalten. Die Zelle, die eigens für Jigal Amir - den Mörder des früheren israelischen Ministerpräsidenten Izchak Rabin - gebaut wurde, stand rund um die Uhr unter Videoüberwachung. Nach Zeitungsberichten erhängte sich der junge Familienvater jedoch in einem eingebauten Badezimmer mit Toilette und Dusche, aus dem zum Schutz der Privatsphäre keine Bilder übertragen wurden.

Videoüberwachung rund um die Uhr

Entgegen ersten Berichten wurde Zygier von drei Rechtsanwälten vertreten, es gab einen Haftbefehl gegen ihn und seine Familie wurde sofort nach seiner Festnahme informiert. Der bekannte Anwalt Avigdor Feldman traf Zygier noch kurz vor seinem Tod. Es habe Verhandlungen über eine Einigung mit der Staatsanwaltschaft gegeben, sagte er dem israelischen Armeesender. "Als ich ihn gesehen habe, gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass er Selbstmord begehen könnte", sagte Feldman der Nachrichtenseite "ynet".

Sollte der Staat Israel sich im Fall Zygier, der aus einer jüdischen Familie in Melbourne stammt, unrechtmäßig verhalten haben, stellt sich die Frage, warum seine Angehörigen auch angesichts der wilden Spekulationen eisern schweigen. Sein Vater Geoffrey Zygier ist eine angesehene Persönlichkeit in der örtlichen jüdischen Gemeinde und führendes Mitglied der pro-israelischen Wohltätigkeitsorganisation Bnai Brith. "Es ist zu schmerzhaft für uns, darüber zu sprechen", sagte er nach Angaben von "Jediot Achronot" lediglich.

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