23 Geiseln und 32 Entführer getötet

20. Januar 2013, 09:01 Uhr

Ein letzter Angriff auf die umkämpfte Gasanlage in Algerien endete im Blutbad: Das Militär tötete 32 Islamisten. Insgesamt starben 55 Menschen. USA und Frankreich verteidigen Algeriens Militäraktion.

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Die Gasanlage in In Aménas nahe der algerisch-libyschen Grenze: Die Armee hat die Islamisten erneut angegriffen - alle Terroristen starben.©

Die algerischen Spezialkräfte haben am Samstag einen "letzten Angriff" auf die Islamisten in der Erdgasanlage in der südlichen Sahara ausgeführt und das Geiseldrama blutig beendet. Wie Nachrichtenagenturen berichteten. wurden dabei 32 Terroristen getötet. Sieben ausländische Geiseln seien von den Islamisten umgebracht worden, insgesamt starben 23 Entführungsopfer. Algerien hat sein umstrittenes Vorgehen im Geiseldrama in der Wüste verteidigt. "Der Einsatz ist die Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten", zitierte die Tageszeitung "El-Khabar" einen Armeesprecher.

Das Gelände sei von den Geiselnehmern vermint worden, teilte das algerische Öl- und Gasunternehmen Sonatrach mit. Soldaten seien dabei, die Sprengsätze zu entschärfen.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete außerdem, nach Angaben aus Sicherheitskreisen seien zwei deutsche Gefangene aus der Gewalt der Islamisten freigekommen. Das Auswärtige Amt bekräftigte jedoch, dass es keine deutschen Geiseln gegeben habe. Zuvor hatte es geheißen, insgesamt 16 ausländische Geiseln hätten die Freiheit nach der Gefangenschaft wiedererlangt. Unter ihnen seien neben zwei Deutschen auch zwei Amerikaner und ein Portugiese.

Geiseln offenbar aus Rache getötet

Spezialeinheiten erhielten den ersten Angaben zufolge am Morgen den Auftrag, das seit Tagen andauernde Geiseldrama im Süden Algeriens zu beenden. "Wir glauben, dass die Ermordeten aus Rache umgebracht worden sind." Nach Informationen von "El Watan" sollen die Entführer am Samstagmorgen begonnen haben, ihre Geiseln zu töten. Mehrere ausländische Regierungen hatten in den vergangenen Tagen an die Regierung in Algier appelliert, dem Schutz der Geiseln höchste Priorität einzuräumen.

Laut Radiosender Chaine 3 hatten die Entführer am Freitagabend versucht, einen Teil der Anlage in Brand zu setzen. Dies sei von Armee und Mitarbeitern der Anlage verhindert worden. Das Militär kündigte nach den Berichten eine Pressekonferenz zur Lage nach dem Angriff an.

Die algerische Armee hatte am Donnerstag in der Gasanlage bei In Aménas nahe der libyschen Grenze, rund 1300 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Algier, eine erste große Befreiungsaktion gestartet, nachdem die Islamisten dort am Mittwoch hunderte Geiseln genommen hatten. Die Islamisten fordern unter anderem ein Ende des französischen Militäreinsatzes gegen islamistische Milizen im Norden Malis. Der mauretanischen Nachrichtenagentur ANI vom Freitag zufolge hatten die Islamisten zuletzt noch drei Belgier, zwei US-Bürger, einen Japaner und einen Briten in ihrer Gewalt. Für sie kam nun jede Hilfe zu spät.

Fast 800 Geiseln befreit

Bereits beim ersten Angriff auf die in der Anlage verschanzten Entführer wurden nach Regierungsangaben zwölf algerische und ausländische Geiseln getötet. Zugleich waren bei der Aktion fast 800 Geiseln befreit worden. Von den zunächst auf 32 bezifferten Geiselnehmern wurden dabei 18 nach algerischen Angaben "außer Gefecht gesetzt". Die Terroristen verfügten nach Informationen der algerischen Agentur APS über Raketenwerfer und Maschinengewehre.

Die algerische Armee verteidigte am Samstag ihren umstrittenen Militäreinsatz. "Der Einsatz ist die Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten", zitierte die Tageszeitung "El Khabar" am Samstag einen namentlich nicht genannten Armeesprecher. Zuvor hatte die algerische Führung versichert, sie werde nicht mit den Militanten verhandeln.

US-Verteidigungsminister warnt al Kaida

US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte der britischen BBC: "Al Kaida muss wissen, dass es keinen Fluchtpunkt gibt - in Algerien, Mali oder sonstwo. Wir werden keine Verstecke zulassen, von wo aus solche terroristischen Akte ausgeführt werden können."

Internationale Öl- und Gasfirmen in Algerien reagieren nach Darstellung der Deutsch-Algerischen Industrie- und Handelskammer besonnen auf die Geiselnahme. Außer bei BP habe er nirgendwo davon gehört, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter abzögen, sagte der Geschäftsführer der Organisation in Algier, Christoph Partsch, im Deutschlandradio Kultur. Die Öl- und Gasfirmen überprüften lediglich ihre Sicherheitsvorkehrungen. "Zu mehr besteht meiner Meinung nach auch kein Anlass."

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