Deshalb muss Italien zittern

9. November 2011, 18:42 Uhr

Der Schuldenberg ist riesig, der Finanzbedarf ungeheuer, das Wachstum lahm. Italien wird zum Sorgenkind Nr. 1. in der siechenden Eurozone. Und Besserung ist nicht in Sicht. Eine Analyse. Von F. Bremser, K. Beller, A. Kühnlenz und S. Schaaf

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Berlusconi, Italien, Schulden, Krise, Euro

Berlusconi weg, alles gut? Die Finanzmärkte sind skeptisch für Italiens Zukunft©

Italien kämpft um das Vertrauen der Märkte, doch mit seinem politischen Zickzack-Kurs um das Sparprogramm kann Rom nicht überzeugen. Da hilft auch der angekündigte Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi nicht weiter. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen sind am Mittwoch erstmals auf mehr als sieben Prozent gestiegen.

Zwar entspannte sich die Lage am Anleihmarkt am Donnerstag wieder etwas, doch das könnte nur eine Momentaufnahme sein. Denn es wächst die Sorge, dass die Finanzkrise das Land in den Abgrund ziehen könnte. Die große Hoffnung an den Finanzmärkten ist, dass das Ende der Regierung Berlusconi den Weg für eine neue Regierung frei macht, die die Probleme des Landes in den Griff kriegen könnte. Das Alpenland - nach den USA und Japan der drittgrößte Anleiheschuldner der Welt - steht vor gewaltigen Problemen. Es muss Reformen voranbringen, die Schattenwirtschaft bekämpfen und einen Refinanzierungsbedarf stemmen. Allein für 2012, so schätzt die französische Bank Société Générale, muss Italien mehr als 220 Milliarden Euro aufbringen. FTD.de benennt die Gründe, wie das Euro-Land in den Sog der Schuldenkrise geriet und was die aktuellen Problem sind.

Die politische Agonie

Das Scheitern von Regierungen nach mehr oder weniger kurzer Zeit - jedenfalls vor Ablauf einer Legislaturperiode - gehört zu Italien wie Pizza und Pasta. Ministerpräsident Silvio Berlusconi bewies sich über Jahre als politischer Überlebenskünstler. Trotz aller Krisen und Affären weigerte er sich, den Chefsessel zu räumen. Mehr als 50 Vertrauensabstimmungen hat der Cavaliere seit seinem Amtsantritt 2008 überstanden.

Doch nachdem sich die Lega Nord - Berlusconis einzig verbliebener Koalitionspartner - abwandete, gab der Ministerpräsident auf und verkündete seinen Rücktritt spätestens zu einer Neuwahl, die eventuell im Februar stattfindet. Investoren beruhigt das nicht, weil - auch mit Blick auf bisherige Erfahrungen - unklar ist, ob die Politik - wie die Griechenlands - tatsächlich ein breites Bündnis schmieden wird.

Auch bei den Euro-Partnern hat Italien jede Menge Kredit verspielt. Genervt von Berlusconis schwammigen Aussagen und fragwürdigen Absichtserklärungen fordern sie Reformen und nachhaltige Einsparungen. Auf dem G20-Gipfel in Cannes erklärte sich Rom bereit, Sparfortschritte vom Internationalen Währungsfonds (IWF) überprüfen zu lassen.

Bisher existieren die meisten Pläne nur auf dem Papier. Berlusconi kündigte Vorhaben an, um sie am nächsten Tag zurückzunehmen. Über seinen Finanzminister Giulio Tremonti sagte der Medienzar: "Er hält sich für ein Genie und alle anderen für blöd." Tremonti gilt als Fachmann und Architekt der italienischen Sparpläne. Immer wieder wurde über einen Rücktritt des Kassenwarts spekuliert.

Übernommen aus ... FTD zu FTD.de

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