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Eurozone rutscht in Rezession

Zweites Minusquartal in Folge: Europas Wirtschaft ist in eine Rezession geschlittert. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte von Juli bis September um 0,1 Prozent. Die Aussichten sind trübe.

  Europas Wirtschaft läuft nicht mehr rund: "Dieser Rückfall ist hausgemacht", sagt Ökonom Paul de Grauwe von der London School of Economics

Europas Wirtschaft läuft nicht mehr rund: "Dieser Rückfall ist hausgemacht", sagt Ökonom Paul de Grauwe von der London School of Economics

Trotz Wachstums in Deutschland und Frankreich ist die Euro-Zone erstmals seit drei Jahren wieder in die Rezession geschlittert. Im dritten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung in den 17 Euroländern gegenüber den drei Monaten zuvor um 0,1 Prozent, berichtete die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Luxemburg. Schon im zweiten Quartal des laufenden Jahres hatte es mit minus 0,2 Prozent einen Rückgang gegeben. Volkswirte sprechen von einer Rezession, wenn das Wirtschaftswachstum in mindestens zwei Vierteljahren in Folge negativ ausfällt.

Schuld an der jetzigen Rezession ist die schlechte wirtschaftliche Lage in den südeuropäischen Krisenländern. In Spanien betrug das Minus im dritten Vierteljahr 0,3 Prozent, in Portugal 0,8 Prozent. Auch Italiens Wirtschaftsleistung sank um 0,2 Prozent. Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas setzte sich mit einem Plus von 0,2 Prozent positiv ab. Zuletzt hatte sich die Eurozone nach Beginn der weltweiten Bankenkrise 2008 in der Rezession befunden. Damals sank die Wirtschaftsleistung fünf Quartale in Folge bis zum Sommer 2009.

Keine Hoffnung auf schnelle Besserung

Wegen der Schuldenkrise und des harten Sparkurses in vielen Ländern sind auch die Aussichten für die Euro-Zone eher düster. "Dieser Rückfall in die Rezession ist hausgemacht", sagte Ökonom Paul de Grauwe von der London School of Economics. "Das ist das Ergebnis übertriebener Sparmaßnahmen in den südlichen Ländern und dem Unwillen der nördlichen Ländern, etwas anderes zu tun." Auch andere Experten äußerten sich skeptisch zur nahen Zukunft. "Das vierte Quartal sieht deutlich schwächer aus, es wird wohl ein noch stärkeres Schrumpfen der Wirtschaftskraft geben", sagte der Euroraum-Chefvolkswirt der Citigroup, Jürgen Michels.

Nach einer Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) unter 56 Finanzexperten soll die Wirtschaft im Euroraum im laufenden Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen. Bislang hatten die Experten ein Minus von 0,3 Punkten erwartet. Zugleich dürfte die Teuerung höher ausfallen. Auch auf das kommende Jahr blicken die Experten pessimistischer als bislang: 2013 rechnen sie nur mit einem leichten Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent nach bislang 0,6 Prozent. Längerfristig wird das Wachstum aber unverändert auf 1,8 Prozent veranschlagt.

Die Inflation im Währungsraum wird nach der Prognose 2012 bei 2,5 Prozent liegen. Das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als bisher. 2013 dürfte sich die Teuerung auf 1,9 (bisher 1,7) Prozent ermäßigen. In der langen Frist sehen die Experten eine Rate von 2,0 Prozent. Auch die EZB selbst erwartet, dass die Teuerung noch eine Weile über ihrer Zielmarke von knapp zwei Prozent liegen wird. Es sei aber zu erwarten, dass sie im Laufe des kommenden Jahres unter diese Marke sinkt.

Preise sollen stabil bleiben

Das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen unterstrich, dass er keine Gefahren für die Preisstabilität in Deutschland und der Eurozone sieht. Inflationssorgen würden derzeit im Zusammenhang mit dem Anleihenkaufprogramm der EZB sowie mit Blick auf den sehr niedrigen Leitzins geäußert, sagte Asmussen laut Redetext beim Versicherungstag in Berlin: "Ich versichere Ihnen: Diese Sorgen sind unbegründet." Von Inflation oder Geldentwertung könne keine Rede sein.

Die EZB befragt alle drei Monate Experten aus Finanzinstituten und Forschungseinrichtungen. Die jüngste Befragung wurde vom 16. bis 22. Oktober durchgeführt.

cjf/jar/DPA/Reuters/DPA/Reuters

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