Erst Zentralbankchef Draghi, jetzt die Kanzlerin und Frankreichs Präsident: Eine Erklärung von Angela Merkel und Francois Hollande nährt Spekulationen über den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB.

Gemeinsam für die Währung: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande Anfang Juli in Reims© Francois Nascimbeni/AFP
Deutschland und Frankreich wollen die Eurozone mit allen Mitteln absichern. In einer gemeinsamen Erklärung von Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande hieß es am Freitag mit Blick auf beide Länder: "Sie sind entschlossen, alles zu tun, um die Eurozone zu schützen." Merkel und Hollande forderten: "Hierfür müssen die Mitgliedstaaten, wie auch die europäischen Institutionen, jeweils in ihrem eigenen Kompetenzbereich, ihren Verpflichtungen nachkommen." Zudem müssten die Schlussfolgerungen des letzten Euro-Gipfels von Ende Juni für eine langfristige Sicherung der Eurozone "rasch" umgesetzt werden.
Dazu gehört auch die Möglichkeit eines erleichterten Aufkaufs von Staatsanleihen durch die beiden Euro-Rettungsfonds EFSF und ESM. Außerdem soll eine einheitliche Bankenaufsicht eingeführt werden, um über den ESM angeschlagene Banken direkt mit Kapital versorgen zu können.
Die Kanzlerin hatte von ihrem Urlaubsort in Südtirol aus mit Hollande telefoniert. Nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA hatte Hollande um das Gespräch gebeten. Rasche finanzwirksame Entscheidungen seien aber nicht vorgesehen
Zu der Ankündigung von Merkel und Hollande passt auch das Bekenntnis von EZB-Präsident Mario Draghi. Draghi hatte am Donnerstag gesagt: "Die EZB ist bereit, alles Notwendige zum Erhalt des Euro zu tun." Er hatte damit Erwartungen geweckt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) erneut zu Gunsten der unter Druck geratenen Länder wie Spanien Staatsanleihen aufkaufen könne.
Die prominente Eurounterstützung könnte eine neue Hilfsaktion der EZB einläuten. In den vergangenen Wochen waren vermehrt Stimmen laut geworden, die den Austritt Griechenlands aus der Eurozone forderten. Am Freitag forderte der lettische Finanzminister Andris Vilks Griechenland auf, die Eurozone "sobald wie möglich" zu verlassen. Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte in den vergangenen Tagen mit öffentlichen Überlegungen zu einem Austritt Athens aus der Gemeinschaftswährung für Wirbel gesorgt. Dieser habe "längst seinen Schrecken verloren", so Rösler.
Das Bekenntnis von EZB-Präsident Mario Draghi zu Hilfsmaßnahmen für den Euro wurde in Deutschland unterschiedlich kommentiert. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) begrüßte Draghis Äußerungen am Freitag ausdrücklich. Die Bundesbank bekräftigte dagegen, sie lehne den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB weiter ab.
Schäuble wertete das Bekenntnis Draghis positiv, im Rahmen des EZB-Mandats "die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung des Euro zu ergreifen". Zugleich betonte er, "Voraussetzung" sei, dass auch die Politik ihre Aufgaben erfülle. Dazu gehörten in erster Linie weitere Reformanstrengungen der Euroländer. Zurückhaltender und unter Verweis auf die Unabhängigkeit der EZB kommentierte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter die Äußerungen Draghis.