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30. Januar 2009, 19:09 Uhr

Kampf gegen die Hightech-Piraten

Vor der Küste Somalias terrorisieren Seeräuber die Handelsschifffahrt. Sie agieren zunehmend professioneller und skrupelloser. So haben sich Piraten jüngst in einen Server des Maritimen Sicherheitscenters der EU gehackt und versucht, ahnungslose Schiffe auf falsche Routen zu locken. Von Manuela Pfohl

Piraten, Somalia,  Golf von Aden, Afrika, manuela pfohl

Soldaten eines französischen Kriegsschiffes kontrollieren am 27. Januar 2009 ein verdächtiges Boot, das sich dem indischen Frachter "African Ruby" näherte© French Defense Ministry/AP

Wieder ist ein Handelsschiff in den Händen von Piraten. Der deutsche Tanker Longchamp wurde am Donnerstag im Golf von Aden gekapert. Ihm wurde offenbar zum Verhängnis, dass er nicht in einem von Kriegsschiffen bewachten Konvoi fuhr. Doch selbst Schiffe, die sich auf das maritime Sicherheitscenter der Europäischen Union (MSCHOA) verlassen, sind vor Überfällen nicht sicher. Dann nämlich, wenn - wie jüngst geschehen - Piraten den EU-Server manipulieren, über den sich Handelsschiffe über die Bedrohungslage und sichere Fahrtrouten am Horn von Afrika informieren können. Nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes CIA hatten Piraten den Server Mitte Januar mit Trojanern verseucht, was dazu führte, dass ahnungslose Schiffe in die falsche Richtung geschickt wurden, direkt in die Arme der Piraten. Roland Vogler-Wander vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam bestätigte den Vorfall. Es sei durch diese Manipulation seines Wissens aber zu keiner Schiffskaperung gekommen, sagte Vogler-Wander stern.de.

Der von Piraten gekaperte deutsche Flüssiggastanker "Longchamp" befindet sich inzwischen in somalischen Küstengewässern, sagte der Sprecher des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB), Cyrus Mody, in London. Um die Sicherheit der Besatzung nicht zu gefährden, werde die genaue Position des Tankers nicht bekanntgegeben.

"Mission Atalanta ist erfolgreich"

Die Piraten hatten das rund 3500 Tonnen - Schiff am frühen Donnerstagmorgen im Golf von Aden in ihre Gewalt gebracht. Nach Darstellung der Hamburger Reederei Bernhard Schulte war es gemeinsam mit anderen Schiffen im Golf von Aden unterwegs. Dabei handelte es sich um eine Gruppe, die von einem indischen Kriegsschiff begleitet wurde, sagte ein Unternehmenssprecher. Um die Sicherheit von Schiff und Besatzung sicherzustellen, habe die MS «Longchamp» rund 16 Stunden gewartet, bis sie sich der Gruppe anschließen konnte. Zudem seien die Koordinationsstelle für die alliierten Kräfte in der Region (UKMTO) sowie die Reederei in Hamburg informiert gewesen. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam erklärte gegenüber stern.de, das Schiff sei zunächst für die Fahrt in einem Konvoi angemeldet gewesen, der von einem deutschen Kriegsschiff begleitet wurde. Zum vereinbarten Zeitpunkt sei das Schiff aber nicht da gewesen. Zur aktuellen Situation der "Longchamp" verwies der IMB-Sprecher in London auf die Eigner des Schiffes. Bisher sei die IMB nicht gebeten worden, Kontakt mit den Piraten aufzunehmen.

Trotz der jüngsten Entführung wertet die deutsche Marine die EU- Mission "Atalanta" zum Kampf gegen die Piraterie als Erfolg. "Es ist zweifelsohne eine erfolgreiche Mission, auch wenn das jetzt mit Blick auf die "Longchamp" scheinbar anders aussieht", sagt der Kommandant der deutschen Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern", Kay-Achim Schönbach.

Christoph Kohlmorgen, Korvettenkapitän auf der Marine Logistikbasis in Djibuti stimmt dem zu und erklärt, dass die beiden deutschen Kriegsschiffe, die sich im Golf von Aden befinden, zum Zeitpunkt der Entführung, ungefähr 200 Kilometer von der Longchamp entfernt waren. "Da war keine Hilfe möglich." Stattdessen sei es aber gelungen in diesem Zeitraum zwei Piratenangriffe auf zwei andere Schiffe erfolgreich abzuwehren.

Piraten werden professioneller

Neben den vier Kriegsschiffen, die im Rahmen von Atalanta im Golf von Aden unterwegs sind, sind auch Schiffe vor Ort, die innerhalb der Operation Enduring Freedom eingesetzt wurden. "Dazu kommen noch die Schiffe, die von einzelnen Staaten in die Region geschickt wurden, um die jeweils eigenen Handelsschiffe zu begleiten", zählt Kohlhagen auf. Insgesamt ist laut MSCHOA eine Flotte von mindestens 14 Schiffen aus den USA, China, Indien, Russland, der Europäischen Union und anderen Ländern im Seegebiet. Demgegenüber steht allerdings, dass das gesamte Einsatzgebiet ungefähr achtmal so groß ist, wie die Bundesrepublik.

Dass der Kampf gegen die Piraterie vor der Küste Somalias schwierig ist, erkläre sich aber auch damit, dass Piratenschiffe zumindest von Weitem nicht eindeutig als solche identifizierbar seien. Bislang seien Angriffe von Booten aus erfolgt, die auf den ersten Blick aus normale Fischerboote sein könnten. Erst aus der Nähe seien sie an schwereren Motoren, der Bewaffnung, Leitern und ähnlichem "Piratenzubehör" zu erkennen.

Tatsächlich hat auch die Qualität der Angriffe in jüngster Zeit zugenommen. Das bestätigt Vogler-Wander vom Einsatzführungskommando in Potsdam. Er meint: "Inzwischen sind die Piraten professioneller geworden. Sie greifen im Schwarm an. Die Bewaffnung hat zugenommen und auch die Skrupellosigkeit, mit der sie vorgehen."

Aussicht auf Millionengewinne

Jede erfolgreiche Entführung bringt den Piraten Geld, das in neue effektivere Waffen, schnellere Boote und bessere Logistik investiert werden kann. Die Aussicht auf Millionengewinne ist für Rebellen und Milizen am Horn von Afrika mehr als verlockend und hat zur Entwicklung einer regelrechten Piratenindustrie geführt, erklärt Matthias Soyka vom Hamburger "Hafenreport", der sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Zwischen dem Horn von Afrika und der jemenitischen Küste lauern nach Schätzungen rund 1000 Freibeuter auf fette Beute. Gesteuert werden sie von der somalischen Küste aus, wo die Piraterie für einen regelrechten Wirtschaftsboom gesorgt hat. Die Hintermänner sitzen nach Einschätzung von Experten in Nairobi, Dubai oder London im Trockenen.

Der FDP-Verteidigungspolitiker Rainer Stinner hat die Bundesregierung aufgefordert, die Möglichkeiten des Anti-Piraterie-Mandats endlich voll auszuschöpfen. "Wir dürfen die Piraten nicht nur vertreiben, wir müssen sie bekämpfen", sagte Stinner der "Passauer Neuen Presse". Zu dem neuen Fall von Piraterie vor der somalischen Küste sagte er: "Die deutsche Marine sollte hier alles tun, um das deutsche Schiff und seine Besatzung aus der Gewalt der Piraten zu befreien." Die defensive Begleitung von Schiffen reiche zu ihrem Schutz nicht aus. Eine Bewaffnung von Handelsschiffen ist derzeit nach deutschem Recht nicht erlaubt.

Von Manuela Pfohl
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Dirk_37 (01.02.2009, 04:26 Uhr)
@blacky
Sie haben Recht daß es eine Sauerei wäre, würde die Reederei Geld vom Fiskus fürs Lösegled bekommen. Alle Ihre Argumente sind richtig. Aber trotzdem mus Piraterie bekämpft werden, auch durch die Bundesmarine, genauso wie durch andere Staaten. Denn es ist ein internationales Problem, das nur durch internationale Truppen gelöst werden sollte. Schiffe zu versenken, die bereits geentert wurden, halte ich übrigens auch für suboptimal. Das erinnert mich stark an diverse Befreiungsaktionen der russischen Spezialkräfte, die fast immer schlecht ausgingen---für die Geiseln, versteht sich! MfG Dirk
Georges13437 (31.01.2009, 18:26 Uhr)
Richtig!
Es ist kein deutsches Schiff, den Vorkommentatoren stimme ich ausdrücklich zu.
So möge die Reederei, die nur auf Vorteile aus war sich in dem Land melden, in dem sie ihre Vorteile ausgehandelt hat und nicht im Notfall das Deutschsein entdecken.
Diese Welt ist voller Parasiten und täglich werden es mehr, deshalb kein Mitleid mit diesen Schmarotzern.
Georges
Dithjajohann (31.01.2009, 13:08 Uhr)
Schiffe kapern
Vielleicht will man ja auch dass man die Schiffe entführt, denn dann ist die Armee beschäftigt,
der eine oder andere Politiker ist deswegen auch unterwegs. Einmal verhandelt man in New York ein anderes mall Tokio, dann wieder in Berlin dann… in Davos, usw.
Früher haben die Piraten auch für die englische Krone Schiffe gekapert und geplündert, weshalb nicht auch heute? Ich will bestimmt nicht die Engländer beschuldigen, dass sie in unserer Zeit Schiffe entführen, ich glaube aber das auch heute bestimmte ,,Kräfte“ dahinter stecken.
Wieso macht man nicht kurzen Prozess mit den Piraten, wie früher?
Es ist doch ein Witz das die entführten Schiffe sich nicht wehren dürfen, wenn nötig mit Waffengewalt.
Vulverin (31.01.2009, 08:48 Uhr)
Keine Befreiung.
Da es sich um einen Gastanker handelt ist eine Befreiung durch bewaffnete Kräfte eher unwahrscheinlich. Auch wenn die Tankwände eigentlich einem Beschuss mit Gewehrfeuer stand halten sollten wird zumindest die deutsche Regierung dieses Risiko für zu hoch erachten. Zumal es schwer sein dürfte ein Schiff zu stürmen, in welchem Verschlusszustand hergestellt wird.
Reality (30.01.2009, 23:43 Uhr)
Diese Geschichten hören sich...
an, wie wenn man es mit Hightech Piraten aus einer Geheimdienstabteilung eines Staates zu tun hätte.
Ist alles so sehr mysteriös für die Begrifflichkeit eines duchschnittlich denkenden Menschen.
Bin mir ziemlich sicher, dass ich mich da nicht täusche.
Zumindest wurde mit diesen Piratenspielen schon mal erreicht, dass ganze Armaden von Kriegsschiffen dort vor Ort sind.
Leider bringen sie es offensichtlich nicht fertig diesem gespenstischen Treiben ein Ende zu setzten, obwohl sie ja wohl nicht mit Spielzeugmunition dorthin angereist sind.
Blacky007 (30.01.2009, 21:09 Uhr)
@chatahootchee
Sie sind ja auch so ein Geniebolzen wie JuliusKrause!? Furchterregend!
-
Sorry, aber für was tragt ihr eigentlich das leicht ovale Teil zwischen den Schultern mit Euch rum??? Zum Dorgenverstecken oder ist da ausser Hohlraum noch etwas anderes zwischen euren Ohren?
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Wenn ein Schiff gekapert wird, dann sind nicht nur Piraten auf diesem Schiff, sondern auch die gesamte Mannschaft! Wollen Sie die in den Tot schicken, nur weil man das Schiff geentert hat, auf dem sie ihr tägl. Brot hart erarbeiten?
-
Sie und diesen Julius würde ich gerne sehen, wenn ihr euch jämmerlich wimmernd in die hinterste Ecke des Kahns verkriecht, wäret ihr Besatzungsmitglied eines Kahns der von Piraten gekapert wird - wohlwissend, dass die Marine -aufgrund des bedingungslosen Abschussbefehls- just in diesem Moment die fetten Kanonen auf euren Kahn einstellen und ihr nur wenigen Minuten die Englein singen hört.
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Na immer noch für einen Abschuss?
Salzsteuer (30.01.2009, 20:25 Uhr)
Für den Schutz
dieses Schiffes ist die Marine der Bahamas zuständig, nicht der deutsche Steuerzahler.
Steuerflüchtlinge, verpisst Euch!
chatahootchee (30.01.2009, 20:25 Uhr)
SCHON MAL GESAGT: WASSERKANONEN
Da wird der Bursche mal richtig nass gemacht.
chatahootchee (30.01.2009, 20:23 Uhr)
@007: ES IST HALT EIN 'BERUFSRISIKO' ...
Mir ist nicht bekannt, dass die "Piraten" gezwungen werden, ein Handelsschiff anzugreifen. Greift er nicht an, kann er nicht versenkt werden - also gibt es keinen Tod mit -d-.
Also nix mit Obergenial!
Blacky007 (30.01.2009, 20:18 Uhr)
@JuliusKrause
Mit Denken scheint es bei Ihnen aber gar arg schlecht bestellt zu sein! Schon mal daran gedacht, dass man beim Versenken eines Schiffes auch die Mannschaft in den Tot schickt - Sie obergeniales Superhirn!?
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