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19. November 2011, 12:54 Uhr

Libyer schnappen Gaddafi-Sohn in der Wüste

Die Flucht hat ein Ende: Saif al Islam, Sohn von Muammar al Gaddafi, ist im Süden Libyens gefasst worden. Es geht ihm offenbar gut. Den Haag drängt auf einen Prozess.

Knapp einen Monat nach dem Tod des früheren libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi ist sein prominentester Sohn festgenommen worden. Saif al Islam wurde in der Wüste im Süden des Landes bei Obari gefasst. Der 39-Jährige ist unverletzt.

Er habe um sein Leben gebangt, sagte einer der Männer, die ihn festnahmen. "Er dachte, dass wir ihn umbringen." Gaddafi wurde später in die Stadt Sintan geflogen. An Bord des Flugzeugs sagte er, es gehe ihm gut. Verletzungen an einer Hand rührten von einem Nato-Luftangriff vor einem Monat. Etwa zu dieser Zeit war sein entmachteter Vater gefasst und kurz darauf getötet worden. Saif al-Islam selbst galt noch vor einem Jahr als designierter Nachfolger Muammar Gaddafis an der Spitze des nordafrikanischen Landes.

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (ICC) drängte am Samstag darauf, dass der zweitälteste Gaddafi-Sohn vor Gericht gestellt wird - nachdem sein Vater getötet wurde. Luis Moreno-Ocampo erklärte, er werde in Kürze nach Libyen reisen. Ein Prozess sei das Wichtigste. "Wo und wie, darüber werden wir reden." Die Europäische Union drängte die libysche Übergangsregierung dazu, für einen Prozess in voller Kooperation mit dem ICC zu sorgen. Saif al Islam war mit internationalem Haftbefehl gesucht worden. Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes wirft ihm Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

Freudenschüsse in Tripolis

Saif al Islam sei zusammen mit mehreren Leibwächtern aufgegriffen worden, teilte der amtierende Justizminister Mohammed Al Alagi mit. Weitere hochrangige Mitglieder der gestürzten Regierung seines Vaters seien aber nicht gefasst worden.

Kämpfer aus Sintan hatten Saif al Islam festgenommen. Ein Kommandeur der ehemaligen Rebellen sagte, in dieser Stadt solle der Gaddafi-Sohn vorerst festgehalten werden, bis er an eine Regierung übergeben werden könne. Mit der Bildung einer neuen libyschen Regierung wird in den kommenden Tagen gerechnet.

Seit dem Morgen hatten in der libyschen Hauptstadt Gerüchte von der Festnahme die Runde gemacht. Nach der Bestätigung waren in Tripolis Freudenschüsse und Autohupen zu hören.

Smarter Scharfmacher

Muammar al Gaddafi war im Oktober zwei Monate nach seinem Sturz in der Stadt Sirte getötet worden. Damals hieß es zunächst irrtümlich, auch sein Lieblingssohn sei ums Leben gekommen.

Saif al Islam galt lange Zeit als das liberale Gesicht des Despotenclans - smart, eloquent, weltmännisch. Nach dem Umsturz in Libyen trat er aber als Scharfmacher ins Rampenlicht. Nach der Eroberung von Tripolis durch die Aufständischen Ende August war Saif al Islam untergetaucht. Zuvor hatten die Rebellen seine Festnahme vermeldet, was sich aber als falsch herausstellte. Zuletzt war er der einzige Sohn Gaddafis, der noch in Libyen gesucht wurde. Drei Gaddafi-Söhne wurden während des Konflikts getötet, die anderen flüchteten ins Ausland.

Seine letzten großen Auftritt hatte Saif al Islam Ende August, als er kurz nach der Eroberung von Tripolis durch die Rebellen mitten in der Nacht vor einem internationalen Hotel auftauchte und vor Journalisten den Sieg des Gaddafi-Regimes verkündete.

lea/DPA/Reuters/AFP
 
 
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