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13. Juli 2003, 14:36 Uhr

Die Charme-Offensive des Cavaliere

Pasta, Champagner und ein gelöst wirkender Regierungschef, der sich sichtlich um Schadenbegrenzung bemüht: Die italienische Regierung lud am Wochenende 50 internationale Journalisten mit Sitz in Brüssel nach Rom ein.

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi: "Ich werde weitermachen"© dpa

Nach dem Skandal umwehten Auftakt der italienischen EU-Ratspräsidentschaft hat sich Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit einer wahren Charm-Offensive um Schadenbegrenzung bemüht. Seine Regierung lud am Wochenende 50 internationale Journalisten mit Sitz in Brüssel in die italienische Hauptstadt ein. Dort erwartete die Medienvertreter Pasta, Champagner und ein gelöst wirkender Regierungschef.

Gary Cooper in pinkfarbener Badewanne

Den Auftakt für das Wochenende bildete am Freitag ein Abendessen in der historischen Villa Madama in den Hügeln Roms. Danach lud er die Reporterinnen ein, mit ihm den Ausblick zu genießen und zeigte ihnen eine pinkfarbene Badewanne aus Marmor. Darin habe schon der Hollywood-Star Gary Cooper gebadet, sagte er.

Später äußerte sich Berlusconi auch zu den politischen Verstimmungen, speziell zwischen Deutschland und Italien. "Alles, was über Italien gesagt wurde, ist tief beleidigend", erklärte er. "Aber ich werde weitermachen und bin glücklich mit mir und dem, was ich erreicht habe." Das Bild, das in Europa von ihm gezeichnet werde, entspreche nicht der Wirklichkeit. "Es ist das Gegenteil von dem, was ich bin", sagte Berlusconi. "Stellen Sie sich vor, mit wie viel Dreck ich beworfen worden bin." Er sei ganz und gar nicht "unberechenbar oder gefährlich", wie es häufig dargestellt worden sei.

Spannungen seit Beginn der EU-Ratspräsidentschaft

Die italienische Ratspräsidentschaft war schon vor ihrem Beginn auf Kritik gestoßen. Die Spannungen nahmen am 2. Juli zu, als der deutsche Europaabgeordnete Martin Schulz (SPD) Berlusconi wegen seiner Doppelrolle als Regierungschef und Medienunternehmer kritisiert hatte. Berlusconi bezeichnete Schulz daraufhin als Idealbesetzung für einen Aufseher in einem KZ-Film. Wenige Tage später nannte dann der Staatssekretär Stefani Stefani deutsche Touristen "einförmige, supernationalistische Blonde", die lärmend über italienische Strände herfielen. Stefani trat am Freitag zurück.

Die italienische Regierung bemühte sich am Wochenende, die Verstimmungen hinter sich zu lassen. Sie arrangierte für die Medienvertreter Treffen mit Kabinettsmitgliedern, darunter Außenminister Franco Frattini, der stellvertretende Ministerpräsident Gianfranco Fini und Innenminister Giuseppe Pisanu. Alle drei wichen Fragen zu den italienischen Ausfällen aus und betonten, jetzt müsse man sich auf die wichtigen Vorhaben während der italienischen Ratspräsidentschaft konzentrieren.

Berlusconi als "Wirtschaftsmotor" und "Wundheiler"

In den kommenden Monaten liegt viel Arbeit vor den EU-Mitgliedstaaten. Sie müssen sich bis Dezember endgültig auf den Entwurf für eine europäische Verfassung einigen. Berlusconi will außerdem die europäische Wirtschaft in Schwung bringen und die diplomatischen Wunden heilen, die im Streit um den Irak-Krieg zwischen Europa und den Vereinigten Staaten entstanden. Für all diese Ziele ist eine enge Abstimmung zwischen den EU-Mitgliedern notwendig.

Berlusconi zeigte sich zuversichtlich, positive Ergebnisse erzielen zu können. "Ich komme gut mit meinen Kollegen aus", sagte er. "Wenn es jemanden gibt, der gemäßigt und ausgeglichen ist, bin ich das."

Constant Brand
 
 
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